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Stadtpolitik 5,5 Millionen Euro aus Brüssel – Leipzig wird Leuchtturmstadt
Leipzig Stadtpolitik 5,5 Millionen Euro aus Brüssel – Leipzig wird Leuchtturmstadt
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17:58 14.05.2019
Intelligente Stadtplanung braucht moderne Energiekonzepte. Damit es damit etwas wird, kann Leipzig jetzt auf zusätzliches Fördergeld aus Brüssel setzen. Quelle: euroluftbild.de/Robert Grahn
Leipzig

Leipzig hat sich als Leuchtturmstadt für ein neues Versuchsprojekt der EU für modernes Energiemanagement durchgesetzt. Konkret geht es um den Zuschlag im europäischen Förderprogramm „Horizon 2020: Smart Cities and Communities“. Dahinter stecken 5,5 Millionen Euro für eine Projektlaufzeit von fünf Jahren. Aber was genau passiert mit dem Geld?

Sieben europäische Städte beteiligt

Am jetzt geförderten Projekt sind sieben europäische Städte beteiligt. Sie wollen mit insgesamt rund 100 Einzelvorhaben demonstrieren, wie Gebäude, Blöcke oder Bezirke zu einem intelligenten Energiesystem vernetzt werden können. Dabei wird angestrebt, die Kohlendioxid-Emissionen um 64 Prozent zu senken, den Einsatz erneuerbarer Energien um 65 Prozent zu steigern und Energieeinsparungen von 53 Prozent zu erzielen. Neben Leipzig sind auch Espoo (Finnland), Reykjavik (Island), Maia (Portugal), Lviv (Ukraine), Kifisia (Griechenland) und Kladno (Tschechien) dabei.

Energiequartier in Lindenau

In Leipzig wird ein Energiequartier in Lindenau gefördert. Dabei geht es um Möglichkeiten moderner Energiespeicher-Technologie und intelligenter Gebäudesteuerung. Das Ziel: mehr Energieeffizienz. Und so funktioniert das Ganze in etwa: Künftig spielen bei der Stromerzeugung kleinere Kraftwerke sowie privat erzeugter Strom aus Sonne und Wind eine größere Rolle. Und: Pufferspeicher. Sowohl in Gebäuden als auch in Autos werden diese Riesen-Akkus immer mehr eingesetzt. Ein Schuh wird aus der Sache, wenn moderne Stromzähler dazu kommen: Die erfassen den Verbrauch minutengenau und geben Hinweise darauf, welche Geräte zu welchen Zeiten welchen Strom verbrauchen. Diese ganzen Daten können genutzt werden, um Kraftwerkskapazitäten und Pufferspeicher zu planen und sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Schwarmkraftwerke mit Speichern in Wohnungen und Autos

Michael Schimansky, Leiter des Dezernats „Wirtschaft, Arbeit und Digitales“, nennt ein Beispiel für die Zukunft: Ein Elektroauto steht über Nacht in der Garage und wird aufgeladen, am nächsten Tag aber nicht gefahren. Bei einer entsprechenden Vernetzung der Energiesysteme könnten nun die Stadtwerke den im Fahrzeug gespeicherten Strom abkaufen und anderweitig nutzen, um Bedarfsspitzen am Tag abzufedern. Schimansky spricht von einem „Schwarmkraftwerk mit individuellen Speichern in Wohnungen und Autos“.

Zahlreiche Partner aus der Stadt sind beteiligt

Ob und wie so ein System funktionieren kann, dass soll mit dem genannten Energiequartier in Lindenau ausprobiert werden. Sind die Stromnetze auf die modernen Herausforderungen vorbereitet? Wo muss noch investiert werden? Um solche Fragen wird es in den kommenden fünf Jahren gehen. Für den Bürger sei das ganze zunächst kaum sicht- und schwer greifbar, räumt Schimansky ein. Dennoch sei das geförderte Projekt von großer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. „Die Europäische Union fördert nur hochinnovative Ansätze; wir spielen da also schon in einer sehr interessanten Liga“, sagt der Dezernatsleiter. Relevant werde das Ganze mit der immer weiter greifenden Umstellung auf regenerative Energieträger. Beteiligt an dem Projekt sind unter anderem die Stadtwerke, die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), die Universität sowie weitere Partner aus Industrie und Wissenschaft. In Leipzig wird das Projekt durch das Referat Digitale Stadt im Dezernat Wirtschaft, Arbeit und Digitales gesteuert. Mitte dieses Jahres soll es losgehen.

Was Leipzig von Europa hat

Die 5,5 Millionen Euro, die Leipzig in den kommenden fünf Jahren aus einem europäischen Fördertopf zur Entwicklung moderner Energiekonzepte erhält, sind ein relativ kleiner Posten – verglichen mit den Summen, die sonst so fließen. Allein 351,8 Milliarden Euro fließen von 2014 bis 2020 aus dem europäischen Fonds für die Regional- und Kohäsionspolitik nach Deutschland; 2,8 Milliarden Euro davon werden in Sachsen eingesetzt. Seit 2014 profitierten in der Stadt Leipzig 1499 Projekte vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre), hier flossen 143 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum wurden 62,4 Millionen Euro für 2206 Leipziger Projekte durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Im Landkreis Nordsachsen wurden 178 Efre-Projekte mit 13,3 Millionen Euro unterstützt sowie 396 ESF-Projekte mit 13 Millionen Euro. Der Landkreis Leipzig profitierte bei 406 Efre-Projekten (26,4 Millionen Euro) sowie bei 549 ESF-Projekten (13,2 Millionen Euro).

Hier ein kleiner Überblick zu einigen Projekten in Leipzig und Region, die schon von europäischen Förderungen profitiert haben:

– 25 neue Gelenkbusse bei den Leipziger Verkehrsbetrieben

– Life-Studie der Universität Leipzig zu Diabetes, Depression, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

– Implantate des Unternehmens BellaSeno für Brustkrebs-Patientinnen

– Inklusion an der Hans-Christian-Andersen-Grundschule

– Joblinge-Projekt zur Förderung junger Menschen mit Startschwierigkeiten beim Übergang ins Berufsleben

– Hilfe für junge Leute ohne Schulabschluss oder Ausbildung in der VDI-Garage in Plagwitz

– LED-Beleuchtung im Grassi-Museum

– Forschungsgewächshaus am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung

– SpinLab in der Baumwollspinnerei: Förderung von Start-up-Unternehmen

– Innovatives Fahrradschloss aus Hightech-Textilfasern vom Unternehmen Texlock

– Recycling-System für Altsolarmodule der Firma Ecopark in Taucha

– Austausch alter Straßenbeleuchtung in Schkeuditz durch moderne und energieeffiziente LED-Leuchten

– Entwicklung von Deponieabdeckungen aus organischen Reststoffen am Landwirtschaftlichen Verarbeitungszentrum Markranstädt

Von Björn Meine

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