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Stadtpolitik Adenauerallee bremst schnelle Autofahrer aus
Leipzig Stadtpolitik Adenauerallee bremst schnelle Autofahrer aus
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06:01 11.06.2019
Aus zwei Spuren wird eine – und dann folgt auch gleich eine Linkskurve. Wer in diesem Abschnitt der Adenauerallee zu schnell fährt, bekommt Probleme. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Als die Adenauerallee im Jahr 2003 fertig wurde, war sie nach modernsten Gesichtspunkten geplant worden. Jetzt stellt sich heraus, dass ein Teilabschnitt trotzdem besonders tückisch ist: Wer auf der Trasse von der Kreuzung Torgauer Straße stadteinwärts fährt, muss kurz nach der Einmündung Volksgartenstraße eine scharfe Linkskurve passieren, die schon vielen Autofahrern zum Verhängnis wurde – die Bordsteinkanten zeigen Spuren vieler Auffahrunfälle, in der Baumallee fehlen mehrere Bäume, weil sie bei Unfällen touchiert wurden. Sogar an die Lärmschutzwand, die an dieser Stelle an der Gegenfahrbahn verläuft, sind bereits zwei Autos gekracht, weil ihre Fahrer in der Kurve offenbar die Gewalt über ihre Fahrzeuge verloren hatten.

Autos landen in der Lärmschutzwand

Der Gartenverein Nordost-Vorstadt schlägt inzwischen immer lauter Alarm, denn seine Kleingärten grenzen direkt an die ramponierte Lärmschutzwand. „Wenn es regnet oder die Fahrbahn feucht ist, kann man auf die Unfälle warten“, schildert Vize-Spartenvorsitzender Torsten Kuscharski die Situation. Dies liege vielleicht auch daran, dass die Fahrbahn in der Kurve eine relativ große Schräge aufweist, durch die fahrende Autos in Richtung Baumallee gedrängt werden. Wenn dann in letzter Minute Autofahrer ihr Lenkrad herumreißen, würden deren Autos offenbar in die Lärmschutzwand in die Gegenfahrbahn bis hin zur dort befindlichen Lärmschutzwand „reingedreht“.

Hauptursache ist nach Ansicht der Kleingärtner die viel zu hohe Geschwindigkeit, mit der Autos den gefährlichen Streckenabschnitt durchqueren. Und das, obwohl rund 100 Meter vor dem Gefahrenabschnitt die Fahrspuren der Adenauerallee von zwei auf eine reduziert werden. „Ich bin kein Freund von Blitzern, aber hier würde einer Sinn machen“, meint der 54-jährige Kuscharski. „Die Kosten würden sich innerhalb eines Jahres rentieren.“

Fußgänger trauen sich nicht mehr über die Straße

Der Schönefelder regt auch an, dass Leipzigs Verkehrsplaner nach Holland schauen sollten. Dort werde die Geschwindigkeit von Autos über Kontaktschleifen im Asphalt gemessen – wer zu schnell sei, bekomme an der nächsten Ampel Rot, wenn sie im Limit bleiben, gibt es Grün.

Der gefährliche Straßenabschnitt wird auch von vielen Kleingärtnern überquert, die von ihren Wohnungen an der Shukowstraße zu ihren Parzellen auf der anderen Straßenseite gehen wollen. „Viele trauen sich schon gar nicht mehr, direkt an der Straße auf eine Gelegenheit zum Überqueren zu warten, weil dort Fahrzeuge schnell aus der Spur geraten können“, schildert Kuscharski. Sie würden lieber in der angrenzenden Grünanlage stehen bleiben, um eine autofreie Minute fürs Überqueren zu nutzen.

Verkehrsplaner sprechen von „individuelle Fehlern“ der Autofahrer

Das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt sieht den Fall anders. Statistisch könne erst von einer „Unfallhäufungsstelle“ gesprochen werden, wenn mindestens fünf Fahrunfälle im Jahr auftreten, heißt es dort. Nach den Angaben der Polizei habe es aber im Jahr 2015 dort nur dreimal gekracht, 2017 nur zweimal und 2018 nur einmal.

Leipzigs Verkehrsplaner widersprechen auch der Vermutung, dass es in diesem Bereich Fehler an der Fahrbahn gibt. Diese sei auch dort „voll funktionstüchtig“, teilte Amtsleiter Michael Jana auf LVZ-Anfrage mit. Auch das Regenwasser werde „ordnungsgemäß abgeleitet“. Aus Sicht des Behördenleiters sind deshalb „individuelle Fehler“ von Autofahrern an den Unfällen schuld.

Behörde: „Keine Geschwindigkeitsreduzierung geplant“

Jana sieht deshalb auch die Autofahrer in der Verantwortung, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren. Jeder Verkehrsteilnehmer habe seine Fahrweise an die Wetterverhältnisse anzupassen und „die Geschwindigkeit bei Erfordernis eigenverantwortlich niedriger als die zugelassene Höchstgeschwindigkeit“ zu wählen, so der Behördenleiter. Deshalb werde in der Stadtverwaltung für den Bereich auch keine Geschwindigkeitsreduzierung erwogen. Die in den Niederlanden angewandte Lösung mit geschwindigkeitsabhängig geschalteten „Ampeln“ sei bekannt, jedoch „im Rahmen des deutschen Straßenverkehrsrechts nicht umsetzbar“.

Bei den Kleingärtnern stößt diese Sicht der Dinge auf Unverständnis. Dort ist auch noch gut in Erinnerung, wie im Jahr 2006 der Gaststättenpächter ihres Gartenlokals bei einem Spaziergang mit seinem Hund von einem Auto erfasst und getötet wurde. „Dies geschah nicht, wie man vermuten könnte, auf der Fahrbahn“, berichtet Kuscharski. „Jurek Lemkowski und sein Hund wurden auf dem Fußweg von einem sich überschlagenden Fahrzeug erfasst. Die Ursache war hier wie fast immer an dieser Stelle, überhöhte Geschwindigkeit im Zusammenhang mit der ,schiefen Fahrbahn und natürlich Nieselregen, also eine nasse Fahrbahn.“ Ein Gartenfreund, der von Beruf Polizist ist, habe bereits damals intern in der Behörde gewarnt, sei jedoch ebenfalls vor Mauern gerannt.

Von Andreas Tappert

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