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Stadtpolitik Dok-Chefin Pasanen: „Die Beziehung zur Stadt Leipzig war schwierig“
Leipzig Stadtpolitik Dok-Chefin Pasanen: „Die Beziehung zur Stadt Leipzig war schwierig“
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17:03 09.10.2019
Direktorin Leena Pasanen (54) verlässt das Leipziger Dokfilm-Festival. (Archivbild) Quelle: Kempner
Leipzig

Nach fünf Jahren verlässt Direktorin Leena Pasanen(54) das Leipziger Dokfilm-Festival. Ihre Amtszeit verlief nicht immer reibungslos. Auch die schwierige Beziehung mit den Verantwortlichen der Stadt Leipzig habe dazu geführt, dass sie den Vertrag nicht verlängern wollte, sagt Pasanen der Deutschen Presse-Agentur.

Dok Leipzig ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt. Ende Oktober findet das letzte Dokumentarfilm-Festival unter der Leitung der Finnin statt. Im Januar soll sie Christoph Terhechte als neuer Intendant und künstlerischer Leiter beerben. Die Ratsversammlung entscheidet voraussichtlich am 30. Oktober über die Personalie, heißt es von der Stadt.

Porzellan zerschlagen“

Während der Amtszeit Pasanens verließ unter anderem Programmchefin Grit Lemke das Team. Der Vertrag der langjährigen Mitarbeiterin war 2016 nicht verlängert worden. „Es ist besser, dass sie gegangen ist“, blickt Pasanen zurück. Ein Team, das sich auf eine Person konzentriert, könne nicht gleichberechtigt arbeiten. „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden“, sagt Lemke auf Nachfrage. Lemke kam 1991 zum Festival.

Sie lebt in Berlin. Die Stadt Leipzig opfere die Identität des Festivals einer einseitig interpretierten Internationalität, so Lemke. Diese kulturpolitische Linie findet sie bedenklich. Lemke hätte sich einen stärkeren Bezug auf die Wurzeln und den Ort des Festivals gewünscht. Es wäre an der Zeit für eine Leitung aus dem Osten gewesen. Mit Terhechte strebten die Verantwortlichen allerdings weiter nach Internationalität.

Internationale Verankerung des Dok-Festivals

Internationaler wurde das Dok bereits unter Pasanen, heißt es aus dem Kulturdezernat der Stadt: „Frau Pasanen konnte die internationale Verankerung des Festivals stärken, was ebenso mit einem Anstieg der Besucher und eingereichten Filme einherging.“ Pasanen betont: Auch sei das Festival nun stärker ans Stadtleben angebunden, etwa würden Leinwände im Hauptbahnhof bespielt.

In Leipzig wurde auch die Dokumentation „Lord of the Toys“ über Jugendkultur und deren Sprache vorgeführt.Das Vorhaben führte 2018 allerdings zu einer Empörungswelle in den sozialen Medien. Den Filmemachern wurde der unkritische Umgang mit rechten Tendenzen vorgeworfen.

Kein „konstruktiver Dialog“ in Leipzig

Pasanen steht nach wie vor hinter der Entscheidung den Film zu zeigen. Die Dokumentation sei sehr reflektiert und kritisch gewesen, auch wenn nicht durchgängig eingeordnet und erklärt wurde, sagt sie. „Das Ringen um den Umgang mit Rechten ist in der Region stark ausgeprägt“, beobachtet Pasanen. Dabei ist es ihrer Meinung nach wichtig, selbstbewusst an die Mündigkeit des Zuschauers zu appellieren, weniger zu bevormunden.

Ab kommendem Jahr wird sich Pasanen ohnehin mit den Gegebenheiten in Italien beschäftigen. Sie wechselt als Leiterin zum Biografilm Festival in Bologna. Dort erhofft sich Pasanen auch eine einfachere Kommunikation mit Verantwortlichen. „Die Beziehung zur Stadt Leipzig war schwierig. Sie hätte anders sein müssen, damit ich versucht hätte, meinen Vertrag zu verlängern“, sagt Pasanen. Es habe zwar immer wieder Gespräche gegeben, aber keinen konstruktiven Dialog. Viele Entscheidungen seien für sie intransparent geblieben.

Jennicke verwundert

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) ist überrascht von den Vorwürfen. „Es gab eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Unternehmen“, sagt sie. Das Vertrauen von Seiten der Stadtgesellschaft und der Stadträte habe sich Pasanen allerdings hart erarbeiten müssen.

Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) ist verwundert über die Vorwürfe. (Archivbild) Quelle: Kempner

Trotz der Unstimmigkeiten habe Pasanen die „Natur des Dokfilm-Festivals“ genossen, sagt die Filmexpertin. Mehr als 60 Jahre Tradition hat das politische Dokumentarfilmfest. Die Besucher seien enthusiastisch, die Filmemacher feierten ihre Premieren daher gern in Leipzig. Und: Ohne das engagierte Dok-Team, ein fester Stamm von 15 Mitarbeitern, wäre das Festival nicht möglich.

Mehr politische Haltung gewünscht

Nun freut sich Pasanen auf das Landhaus, das sie bei Bologna mit ihrem Partner gekauft hat. Auf den Ländereien wollen sie Wein anbauen. Und in Leipzig steht der Filmkritiker Christoph Terhechte als ihr Nachfolger in den Startlöchern. Er habe künstlerischen Weitblick, internationales Renommee sowie viel Erfahrung und Sensibilität, betont Jennicke.

Sie wünscht sich für die Zukunft wieder eine verstärkte politische Haltung des Festivals sowie eine stabile und feste Verankerung in der Leipziger Stadtgesellschaft.

Von Theresa Held, dpa

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