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Stadtpolitik Erzieher, Eltern und Kinder demonstrieren in Leipzig
Leipzig Stadtpolitik Erzieher, Eltern und Kinder demonstrieren in Leipzig
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18:51 20.09.2018
Mit einer Demo ziehen rund 300 Erzieherinnen, Eltern und Kinder des Graswurzelbündnisses vom Bundesverwaltungsgericht zum Augustusplatz. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wenn 90 Trommeln auf einmal erklingen, dann ist das ganz schön laut. Der Lärm ist gewollt, denn die Erzieher, Mütter und Väter, die heute mit Kind und Kegel vom Bundesverwaltungsgericht bis zum Augustusplatz ziehen, haben ein Anliegen, das gehört werden soll: Sie wollen Veränderungen in Sachsens Kitas, Kindergärten und Tagespflegeeinrichtungen – „weil Kinder mehr Zeit brauchen“, so steht es auf einem großen grünen Banner.

Anlass: Weltkindertag

Das „Graswurzelbündnis“ hat zum Weltkindertag zur Demonstration über den Innenstadtring aufgerufen. Das Bündnis hatte sich 2016 aus Elterninitiativen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden gegründet. Ihr Ziel: bessere Rahmenbedingungen an Sachsens Kitas. Die Formulierung klingt trocken, doch die Forderungen sind konkret: Es geht in erster Linie um eine einzige Zahl, den Betreuungsschlüssel. Der beschreibt das gesetzlich vorgeschriebene Verhältnis von Erziehern und Kindern in Krippen, Kindergärten und Horten. Laut dem aktuellen sächsischen Kita-Gesetz soll eine in Vollzeit beschäftigte Erzieherin für fünf Krippenkinder, zwölf Kindergarten- oder knapp zwanzig Hortkinder verantwortlich sein. „Eine quasi fiktive Zahl“, findet Jana Rüger von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). Urlaubstage, Krankheitsausfälle und andere Aufgaben wie die Vorbereitung auf Elterngespräche seien da gar nicht einberechnet. Dass die Realität anders aussieht, bestätigt auch Isabelle Frind. Die Betreuerin am Theodor-Körner-Hort in Paunsdorf passt im Schnitt auf 24 Kinder gleichzeitig auf: „Man ist eigentlich die ganze Zeit am hin-und herrennen“, sagt die junge Frau. „Da bleibt gar nicht die Chance, richtig auf die Kinder einzugehen.“

Betreuungsschlüssel soll neu berechnet werden

Das Graswurzelbündnis fordert nun erst einmal eine neue Grundlage zur Berechnung des Betreuungsschlüssels: Elterngespräche, Vernetzungsarbeit, Leitungsaufgaben und die Vor- und Nachbereitung pädagogischer Angebote sollen nicht mehr als Betreuungszeit gelten, sondern mit vier Stunden pro Woche gesondert verrechnet werden. Dass das „Gute-Kita-Gesetz“, das die Bundesregierung am Mittwoch verabschiedet hat, nun auch die Qualitätsverbesserung in Betreuungseinrichtungen in den Fokus rückt, sei schon einmal ein guter Schritt. Die Politik habe in der Diskussion um fehlende Kita-Plätze lange Zeit inhaltliche Belange aus den Augen verloren, findet Petra Fleischer, Leiterin der Kindertagesstätte „Rasselbande“ an der Ringstraße: „Man kann die Einrichtung nicht mit Kindern vollstopfen, bis es nicht mehr geht und dann sagen, das sei erfolgreiche Bildungspolitik.“

Bastelaktion zum Abschluss

Anschließend diskutieren Demo-Teilnehmer mit Vertretern der Kommunalpolitik. Der Debatte stellen sich SPD-Fraktionschef Christopher Zenker, Katharina Krefft (Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen) sowie Linken-Stadtrat Rüdiger Ulrich. Damit der Traum von der idealen Kita-Betreuung nicht abstrakt bleibt, wird er zum Ende hin für alle noch einmal im übertragenen Sinne veranschaulicht: bei einem Bastelwettbewerb um den „schönsten Betreuungsschlüssel“.

Julia (33) und Tim (35) Fichtner mit Timo (3 Jahre) und Anni (9 Monate): „Wir wünschen uns, dass es einfach genug Erzieherinnen gibt, um die Bedürfnisse aller Kinder abzudecken.“

Maik Lange (35) mit Arthur (3). Quelle: Kempner
Julia (33) und Tim Fichtner (35) mit den Kindern Anni (9 Mon.) und Timo (3). Quelle: Kempner
Anne Nörlich (31) mit Kurt (7). Quelle: Kempner

Anne Nörlich (31) mit Kurt (7): „Ich bin Mutter und selbst Erzieherin. Ich habe auch eine Gruppe von 19 Kindern, das ist nicht tragbar. Die Bildung der Kinder bleibt dabei total auf der Strecke.“

Kurt (7): „Ich freue mich einfach auf das Fest hier.“

Katrin Langnese (35) mit Mathilda (3): „Es gibt zu wenige Betreuer in den Kindergärten, es kommt immer wieder zu Engpässen, und der Blick auf das Kind steht gar nicht mehr im Mittelpunkt. Wir wollen einfach, dass Kinder so gefördert werden, wie sie es brauchen.“

Maik Lange (35) mit Arthur (3): „Das Bildungsziel kann mit 21 Kindern in der Gruppe nicht erreicht werden. Mehr Personal und

Katrin Langnese (31) mit Mathilda (4). Quelle: Kempner

kleinere Gruppen, das wäre meine Forderung.“

Von Anna Flora Schade

Vergangenes Wochenende gab es bereits einen Testlauf. Am Sonnabend, 22. September, nimmt die Demokratiestraßenbahn erneut Fahrt auf. Sie fährt um den Ring, Interessenten können zu vier Zeiten am Augustusplatz einsteigen.

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