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Stadtpolitik Erziehermangel: Stadt Leipzig fördert Ausbildung bei Freien Trägern
Leipzig Stadtpolitik Erziehermangel: Stadt Leipzig fördert Ausbildung bei Freien Trägern
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10:57 11.07.2019
Spielen in der Kita: Doch ohne Erzieherin läuft nichts. Um den Mangel an Fachkräften zu lindern, setzen Stadt und Freie Träger auch auf eine berufsbegleitende Ausbildung. Quelle: dpa
Leipzig

Im Vorjahr ist die Stadt selbst aktiv geworden, um den Fachkräftemangel bei den Erziehern in kommunalen Einrichtungen zu beheben. Nun greift sie auch bei den Freien Trägern, die in ihrem Auftrag Kitas betreiben, unter die Arme. Nach langem Hin und Her ist eine Fachförderrichtlinie beschlossen worden, die diesen ermöglicht, potenzielle Erzieherinnen und Erzieher berufsbegleitend auszubilden. Dabei geht es um 50 Maßnahmen fürs Ausbildungsjahr 2019/20 sowie weitere 50 im folgenden Jahr. Eine entsprechende Fachförderrichtlinie, die der Stadtrat mit einer Verzögerung von fast einem Jahr erst im Juli absegnen konnte, stellt die notwendigen finanziellen Mittel sicher. Die Freien Träger der Jugendhilfe sind nun unter Druck, möglichst rasch potenzielle Interessenten zu finden.

Vicki Felthaus von der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in der Stadt Leipzig und Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt. Quelle: Mathias Orbeck

Jetzt müssen schnell Bewerber für das neue Lehrjahr her

„Wir haben zwar einige Bewerber, für die wir bislang keine Ausbildungsvergütung zahlen konnten“, sagt Vicki Felthaus, die der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in der Stadt Leipzig vorsteht. Der gehören 74 Träger an, die etwa 75 Prozent der vorhandenen Kita-Plätze in Leipzig betreiben. „Jetzt müssen wir uns aber viel Mühe geben, um für das neue Ausbildungsjahr schnell noch Interessenten zu finden. Das wird schwierig.“ Die Möglichkeit, die berufsbegleitende Ausbildung gefördert zu bekommen, motiviere aber viele, diese Chance zu ergreifen.

Die Initiative dazu ging vom Jugendhilfeausschuss aus: „Der steigende Bedarf an Fachkräften kann ansonsten nicht mehr gedeckt werden“, so Rüdiger Ulrich (Linke), der den Ausschuss leitet. „Im schlimmsten Fall können neu gebaute Einrichtungen nicht rechtzeitig öffnen.“ Hintergrund: In ganz Sachsen beenden jedes Jahr 2000 Erzieherinnen ihre Ausbildung. Durch die Neubauten 2019/20 benötigt Leipzig allein ungefähr 653 zusätzliche Fachkräfte. Hinzu kommt: Die Stadt muss sich darauf vorbereiten, dass viele Erzieherinnen in den nächsten Jahren in den Ruhestand wechseln. „Da müssen wir künftig mehr machen, brauchen auch Unterstützung vom Freistaat Sachsen“, so Felthaus.

Grüne: Stadt hat Richtlinie durch die Ausschüsse „geprügelt“

Michael Schmidt (Grüne) kritisiert, dass die Stadt sich zu viel Zeit genommen hat, die entsprechende Richtlinie kurz vor der Sommerpause „regelrecht durch die Ausschüsse geprügelt wurde“. Auch Karsten Albrecht (CDU) bezeichnete das Papier „als sehr mangelhaft“. Dabei gab es bis zuletzt Streit um die Finanzierung. Die Verwaltung wollte, dass die Freien Träger bei der Vergütung einen Eigenanteil von 25 Prozent übernehmen. „Das ist illusorisch.“, erklärt Michael Schmidt. „Zumal man berücksichtigen muss, dass die in gemeinnützigen Bereichen tätigen Freien Träger keine Gewinne erwirtschaften dürfen.“ Der Jugendhilfeausschuss drückte durch, dass die Stadt nun 95 Prozent der Kosten für die berufsbegleitende Ausbildung übernimmt. Drei Jahre lang. Stadtkämmerer Torsten Bonew (CDU) hatte die Kosten dafür auf bis zu 7,5 Millionen Euro beziffert. Experten der Jugendhilfe gehen aber davon aus, dass sie wesentlich geringer sind.

Praktische Ausbildung erfolgt in der Kita

Wie verläuft die berufsbegleitende Ausbildung? Die Fachschulen für Sozialwesen mit dem Fachbereich Sozialpädagogik kümmern sich derzeit um die Erzieherausbildung in Sachsen. Den theoretischen Teil der drei- bis vierjährigen Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin sollen die neuen Auszubildenden an einer selbst gewählten Bildungseinrichtung in Leipzig absolvieren. Zum Beispiel am Berufsschulzentrum „Henriette Goldschmidt“ oder auch an den anerkannten Schulen privater Bildungsträger. Die praktische, pädagogische Ausbildung erfolgt dann in einer Kita der Freien Träger.

Stadt beginnt am 5. August mit Erzieher-Ausbildung

Die Stadt selbst, bei der künftige Erzieher berufsbegleitend ausgebildet werden, hat mit dem Modell in ihren kommunalen Einrichtungen gute Erfahrungen gemacht. Im Ausbildungsjahr 2018 wurden 30 Personen eingestellt. Derzeit sind davon 22 Auszubildende beschäftigt. Im August 2019 wird die Stadtverwaltung 50 weitere Auszubildende einstellen, die bereits am 5. August beginnen. „Ich bin froh, dass wir die berufsbegleitende Ausbildung mit 50 Stellen pro Jahr nun auch bei den Freien Trägern ermöglichen können“, so Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). „Ich hoffe, dass es gelingt, viele Bewerber zu finden.“ Denn zusätzliche Fachkräfte werden dringend benötigt.

Von Mathias Orbeck

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