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Stadtpolitik Grüne wollen die Bio-Landwirtschaft stärken
Leipzig Stadtpolitik Grüne wollen die Bio-Landwirtschaft stärken
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18:08 18.02.2019
Will die Biolandwirtschaft stärken: Grünen-Fraktionschef Norman Volger.
Will die Biolandwirtschaft stärken: Grünen-Fraktionschef Norman Volger. Quelle: Dietrich Flechtner
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Leipzig

Wer an Großstadt denkt, kommt nicht zuerst auf Landwirtschaft. Und doch wird mehr als 33,5 Prozent der Gesamtfläche Leipzigs landwirtschaftlich genutzt. Dabei kommt allerdings die ökologische Landwirtschaft viel zu kurz. Meinen zumindest die Grünen, die nun mit acht Anträgen an den Stadtrat ein Maßnahmepaket auf den Weg bringen wollen, dies zu ändern.

„Die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt, die Artenvielfalt geht zurück. Das Klima zeigt uns alljährlich, dass wir die Notbremse ziehen müssen, wenn wir es noch retten wollen“, sagt Grünen-Fraktionschef Norman Volger. Zunächst wollen die Grünen klären, wie viel Biolandfläche es genau gibt – denn da widersprechen sich Zahlen. Dabei haben sie nur jene landwirtschaftliche Fläche im Blick, die der Kommune gehört (sechs bis zehn Prozent) und die diese verpachten kann.

Grüne: Flächen ordnungsgemäß ausschreiben

Etliche Ackerflächen wurden entwidmet, für die verschiedensten Bauvorhaben, etwa Wohnungsbau und Gewerbestandorte. „Die Verwaltung verweigert Auskünfte über Verpachtungen, beruft sich dabei auf den Datenschutz“, kritisiert Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Ingo Sasama. Dabei wollen die Grünen gar nicht wissen, an wen verpachtet wurde. Es gehe lediglich darum, ob die Flächen ordnungsgemäß ausgeschrieben worden sind und wie hoch der Anteil an ökologischer Landwirtschaft sei.

Sie fordern, dass bei kommunalen Flächen durch Zukäufe und Entsiegelungen zumindest wieder das Niveau von 2010 erreicht wird – damals wurden zehn Prozent durch Biobauern genutzt, wie die Stadt sich auch selbst als Ziel gestellt hat. „Viele Flächen liegen brach oder sind versiegelt, die man nun nutzbar machen kann“, sagt Sasama. Neben dem Versuchsfeld der Firma Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) in der Gerhard-Ellrodt-Straße etwa gebe es eine zu entsiegelnde Fläche, nennt er ein Beispiel. Dafür könnte Geld für Ausgleichsflächen bei innerstädtischen Bebauungen genutzt werden.

Grüne streben regionales Siegel an

Bei allen Neuverpachtungen solle zudem in den Verträgen verankert werden, dass fünf Prozent der Fläche als Wildblumen und Feldheckenstreifen anzulegen sei, der mindestens sechs Meter breit sein soll. Alle Pächter sollen sich zudem verpflichten, auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Eine Zustimmung, Gülle und Klärschlamm auf die Böden auszubringen, soll es generell nicht mehr geben. Die Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen muss nach Ansicht der Grünen künftig generell ausgeschrieben werden, Verträge dürften nicht wie derzeit oft einfach verlängert werden.

„Bei gleichwertigen Angeboten soll die Biolandwirtschaft Vorrang erhalten“, fordert Volger. Flächen, die langfristig für eine Industrieansiedlung vorgehalten werden und meist nicht erschlossen sind, sollen als Ackerland – mindestens 25 Jahre – zwischengenutzt werden können. „Viele Vorhaben im Bioland- und Gemüseanbau scheitern, weil die Bauern keine lange Planungssicherheit haben“, erklärt er. Gleichzeitig wird gefordert, ein Siegel für zertifizierte Bioprodukte aus der Region zu entwickeln. Für die Auflagen, die die Stadt den Betrieben macht, soll es im Gegenzug Pachtzinserleichterungen geben.

Von Mathias Orbeck