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Stadtpolitik Kammerpräsident Claus Gröhn kritisiert zurückgehende Fachkräfte-Ausbildung
Leipzig Stadtpolitik Kammerpräsident Claus Gröhn kritisiert zurückgehende Fachkräfte-Ausbildung
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22:26 25.02.2019
Pochen auf den Meistertitel: Bei der Verleihung des silbernen Meisterbriefes in Leipzig für Zimmermann Thomas Schindler (M.) – unterstützt von Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn (l.) und Hauptgeschäftsführer Volker Lux. Quelle:  Foto: André Kempner
Leipzig

Das Handwerk schlägt Alarm. „Wir fordern die Wiedereinführung der Meisterpflicht“, sagte Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig. Der Beifall seiner Zuhörer auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse war ihm sicher. Gröhn ehrte zuvor auf der Schau, die parallel zur Messe Haus-Garten-Freizeit in Leipzig läuft, 32 seiner Kollegen. Sie erhielten den silbernen Meisterbrief. Vor einem Vierteljahrhundert hatten sie diese handwerkliche Qualifikation erworben.

Attraktivität der Meister-Qualifikation ungebrochen

Die Folgen der 2004 abgeschafften Meisterpflicht in 53 Berufen sind laut Gröhn gravierend. „Heute findet in den Meisterberufen 95 Prozent der Ausbildung statt.“ In den zulassungsfreien Berufen, wie Uhrmacher, Raumausstatter, Brauer und Gebäudereiniger, seien es dagegen lediglich fünf Prozent. Kammer-Hauptgeschäftsführer Volker Lux ergänzte das. Mehr und mehr versuchten Beschäftigte in den zulassungsfreien Gewerken dennoch den Gesellenbrief oder gar den Meistertitel zu erreichen. Das zeige die Attraktivität dieser Qualifikationen.

Gröhn begrüßte, dass die große Koalition in Berlin zumindest in einigen Berufen die Meisterpflicht wieder einführen will. Der Bundesrat nahm vor gut zwei Wochen einen entsprechenden Antrag Bayerns an. Die damalige Lockerung führte dazu, dass beispielsweise die Zahl der Fliesenlegerbetriebe bundesweit von 12 400 auf über 70 000 gestiegen ist. Viele davon sind Ein-Personen-Firmen.

Meisterbetrieb auch bei möglichen Beanstandungen ansprechbar

Die Leipzigerin Anna Karoline Meinel unterstützt den Ruf nach Rückkehr zum Meistertitel. Die Musikinstrumentenbauerin, die sich auf Geigen spezialisiert hat, sagte, es sei letztlich eine Frage der Qualität des Produkts beziehungsweise der Handwerksleistung. Die Kunden müssten sichergehen können, dass ihr Auftrag von einer gut ausgebildeten Fachkraft ausgeführt werde. Wolfgang Herzog, Obermeister der Dachdeckerinnung Leipzig, verwies ebenfalls auf diesen Aspekt. Sicher sei es etwas teurer, eine Meisterfirma zu beauftragen. Aber mit Blick auf möglichen Pfusch am Bau „spart der Kunde nur auf den ersten Blick“. Der Meisterbetrieb verschwinde in der Regel nicht nach kurzer Zeit von der Bildfläche, sondern sei auch im Falle von möglichen Beanstandungen ansprechbar.

Dagegen sei die Hälfte derjenigen, die ohne Meistertitel den Sprung in die Selbstständigkeit wagten, nach fünf Jahren nicht mehr am Markt. Das sei bei Gewährleistungen ein ganz entscheidender Nachteil. Das Handwerk sei „Garant für effektiven Verbraucherschutz“, betonte Gröhn. Es gebe einen Zusammenhang zwischen Qualifikation und wirtschaftlichem Erfolg. Ofenbaumeister Wolfgang Parnow hat beobachtet, dass beim Einsatz von Nicht-Meisterbetrieben die Reklamationsquote weit überdurchschnittlich sei. Der Meisterbrief verbürge dagegen neben der Ausbildungsleistung hohe handwerkliche Leistung.

Zimmerermeister: „Meister geben ihr Wissen weiter“

„Der Meistertitel ist eine Auszeichnung für erworbene Qualifikationen“, sagte Madelaine Dörr, Friseurmeisterin in Leipzig. Thomas Schindler, der in Lauterbach bei Bad Lausick in vierter Generation einen Familienbetrieb leitet, wies darauf hin, dass nur Meister Lehrlinge einstellen dürfen. „Ohne Auszubildende fehlen uns später die Fachkräfte“, sagte der Zimmerermeister. „Meister geben ihr Wissen weiter“, ergänzte Herzog. Schließlich gehe es um die Fachkräftesicherung, meinte schließlich Präsident Gröhn.

Er plädierte für eine Aufwertung des Handwerks und eine Gleichbehandlung mit der universitären Ausbildung. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Meisterausbildung wie ein Studium gebührenfrei ist.“ Die Meisterschule kostet nach Angaben von Herzog dagegen zwischen 10 000 und 15 000 Euro.

Von Ulrich Milde

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