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Stadtpolitik Leipzigs Oberbürgermeister Jung: „Polizeischutz stand vor der Tür“
Leipzig Stadtpolitik Leipzigs Oberbürgermeister Jung: „Polizeischutz stand vor der Tür“
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11:14 02.01.2020
Burkhard Jung will erneut OBM von Leipzig werden. (Archivbild)
Burkhard Jung will erneut OBM von Leipzig werden. (Archivbild) Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Seit knapp 14 Jahren ist Burkhard Jung (SPD) Oberbürgermeister in Leipzig. Seit Juni ist er außerdem Präsident des Deutschen Städtetags. Amtsmüde ist der 61-Jährige nach eigenen Angaben nicht - er kandidiert im Februar für weitere sieben Jahre als Stadtchef der Metropole in Sachsen.

Was motiviert Sie, noch einmal zur Wahl anzutreten?

Es gibt noch so viel zu tun. Meine erste Amtszeit war geprägt von Wirtschaftsförderung und davon, der Verwaltung und den städtischen Betrieben Sicherheit zu geben. Die zweite Amtszeit war geprägt durch die Wachstumsstrategie. Nun sind wir als Stadt wieder auf Augenhöhe mit den anderen großen Metropolen. Unser Wirtschaftswachstum ist nach wie vor gut, das Bevölkerungswachstum verlangsamt sich etwas. Wir können uns jetzt noch besser um Lebensqualität in der Stadt kümmern.

Was werden die Herausforderungen der kommenden Jahre sein?

Klimaschutz, Verkehr, Wohnen und Nachhaltigkeit werden bestimmende Themen sein. Es wird darum gehen, eine Verkehrs- und Energiewende umzusetzen und zum Beispiel die Stadt mit Luftschneisen und Grünflächen kühl zu halten. Gleichzeitig soll das pralle Kulturleben erhalten bleiben.

Wo muss bei der Verkehrswende angesetzt werden?

Öffentlicher Nahverkehr ist ein Schlüsselthema für Wohnen, Klimaschutz und Verkehr. Der ÖPNV löst viele Probleme. Wenn ich das Umland mit Bussen und S-Bahn vernünftig an die Stadt anbinde, habe ich Emissionen und Staus viel besser im Griff und verbinde Stadt und Land. Es geht darum, Projekte wie einen zweiten City-Tunnel und die Ausweitung des S-Bahn-Netzes anzustoßen - auch wenn sie erst in 15 oder 20 Jahren zu Änderungen führen.

Anschläge von mutmaßlichen Linksextremisten haben sie im Herbst scharf verurteilt. Eine Mitarbeiterin einer Immobilienfirma wurde überfallen und verletzt, Kräne in Brand gesetzt. Bleiben Sie dabei, dass es sich um Terror handelt?

Ich war wirklich sehr erschrocken. Diese neue Dimension von Angriffen auf Eigentum bis hin zu dem Überfall auf die junge Frau war eine Dimension, die wir so in Leipzig noch nicht hatten. Die Bekennerbriefe legen nahe, dass die Täter aus der linken Szene kommen könnten. Es gibt Erkenntnisse des Verfassungsschutzes, dass es ein hartes, kleines kriminelles und gewaltbereites Netzwerk gibt. Das müssen wir sehr ernst nehmen: Wir tun gut daran, es nicht zu verniedlichen, wenn ein Kran brennt. Das sind hochkriminelle Machenschaften. Da soll Angst verbreitet werden, das ist Terror.

Einige Leipziger nehmen Ihnen die Kandidatur für den Posten des Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes 2018 noch übel. Wie rechtfertigen Sie den Schritt?

Es handelte sich um unsere kommunalen Sparkassen, das ist erstmal gar nichts Schlimmes. Hinzu kommt die besondere Situation damals: Es gab Morddrohungen gegen mich und damit verbunden Ängste in meiner Familie, der Polizeischutz stand vor der Tür. In dieser Zeit wurde ich gefragt, ob ich kandidieren will. Ich glaube, es ist nicht verwerflich, so ein Angebot in Betracht zu ziehen. Die Kandidatur hat nicht geklappt. Und die Städtetagspräsidentschaft seit Juni hat mir noch einmal ganz klar vor Augen geführt was meine Berufung ist: Ich möchte weiter als Oberbürgermeister unsere Stadt mitgestalten und kann Sprecher der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister dieses Landes sein.

Falls Sie die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl verlieren - werden Sie weiterhin in Leipzig leben?

Ja, wir ziehen gerade in den Stadtteil Holzhausen um. Hier in Leipzig ist unser Lebensmittelpunkt. Aber mit Verlieren beschäftige ich mich jetzt nicht.

Von Theresa Held, dpa