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Stadtpolitik Muss der nächste OBM ein gebürtiger Leipziger sein? – Ein Kommentar
Leipzig Stadtpolitik Muss der nächste OBM ein gebürtiger Leipziger sein? – Ein Kommentar
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10:31 11.06.2019
Ist es wichtig, ob ein gebürtiger Leipziger ist, wer ab nächstem Jahr im Rathaus die Geschäfte führt? Quelle: Christian Modla
Leipzig

In der aktuellen Debatte über die nächste Oberbürgermeisterwahl ist mir ein Satz besonders hängengeblieben. AfD-Kreischef Siegbert Droese hatte in einem LVZ-Interview erklärt, seine Partei werde 2020 auf jeden Fall mit einem eigenen Kandidaten antreten. „Für das Selbstwertgefühl der Leipziger ist es wichtig, dass 30 Jahre nach der Wende wieder ein gebürtiger Leipziger an die Stadtspitze kommt“, sagte Droese, der selbst gebürtiger Leipziger ist.

Ich hab’ mal drüber nachgedacht. Vielleicht, weil auch ich in Leipzig geboren bin. Ergebnis: Nein, für mein Selbstwertgefühl ist es nicht wichtig, wo ein Politiker zum ersten Mal gewindelt wurde. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand ernsthaft zum Psychologen geht, weil Wolfgang Tiefensee (SPD) erst als Kleinkind von Gera nach Leipzig kam. Über die Hälfte der heutigen Einwohner erblickte das Licht der Welt sowieso nicht in Leipzig. Und bevor jemand fragt: Das galt auch schon vor dem Flüchtlingsjahr 2015, denn es ist für Metropolen normal. So leben in Berlin zurzeit 18 000 gebürtige Leipziger.

Vielleicht meinte der AfD-Mann ja was anderes? Etwa, dass hier Entbundene besser mit den Steuergroschen umgehen als Zugezogene? Nun – mir persönlich rinnt das Geld leider viel zu schnell durch die Finger. Droese hatte ein Insolvenzverfahren und 300 000 Euro Schulden am Hals – als er 2017 in den Bundestag gewählt wurde.

Übrigens: Unter den 30 Nobelpreisträgern, die bisher an der Alma Mater Lipsiensis wirkten, war nur ein gebürtiger Leipziger. Und dieser eine – der Mediziner Bernard Katz – musste 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft nach London emigrieren. Ein Blick in die Geschichte zeigt auch, dass in den letzten 100 Jahren drei gebürtige Leipziger an der Stadtspitze standen. Ein Glücksgriff war dabei allein der liberale Karl Rothe (1918 – 1930). Er wurde von den Nazis aus allen Ehrenämtern entfernt. NSDAP-Mitglied Rudolf Hake (nie gewählt, aber 1937 – 1939 zweimal eingesetzt) ließ das Mendelssohn-Denkmal abreißen. Als OBM tat er nichts gegen die Deportation Leipziger Juden oder die Zerstörung von fünf Synagogen. In die Amtszeit von Walter Kresse (SED, 1959 – 1970) fiel dann die Sprengung der Paulinerkirche.

Der Geburtsort besagt demnach wenig über die Eignung für solch ein hohes Amt. Wenn schon Eigenschaften wichtig sein sollten, die sich kein Mensch selbst aussuchen kann, würde ich mir als nächsten Leipziger Oberbürgermeister eine Frau wünschen. Nach über 1000 Jahren, in denen ausschließlich Männer die Amtskette tragen durften, wäre das irgendwie doch bald mal dran.

Von Jens Rometsch

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