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Stadtpolitik Nach Brandanschlag: CG-Chef Gröner kritisiert Leipziger Stadtpolitik
Leipzig Stadtpolitik Nach Brandanschlag: CG-Chef Gröner kritisiert Leipziger Stadtpolitik
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10:57 05.10.2019
Tag eins nach dem Brandanschlag: Die beiden völlig zerstörten Kräne werden mit Gewichten stabilisiert, damit ihre tonnenschweren Ausleger nicht in das ehemalige Technische Rathaus stürzen. Das Gebäude wird gerade zu einem riesigen Wohnquartier umgebaut. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Der Brandanschlag auf die Großbaustelle des Leipziger Bauträgers CG Consultan der Prager Straße hat offenbar einen hohen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht. Wie die LVZ am Freitag vor Ort erfuhr, handelt es sich bei den beiden völlig ausgebrannten Kränen um hochmoderne Geräte, die Spitzenlasten von 500 beziehungsweise 400 Tonnen heben können. Beide seien „Vollschrott“, erklärten Experten, die an der Südseite der Baustelle des ehemaligen Technischen Rathauses darum bemüht sind, die zerstörten Mobilkräne zu bergen.

Großanschlag verursacht einen Monat Zeitverzug

Auf der Baustelle herrschte am Freitag eine höchst angespannte Lage. Fachleute der Firmen Liebherr und Wiemann waren schwer damit beschäftigt, die beiden Kräne mit Gewichten zu stabilisieren, um ein Umstürzen zu verhindern. „Ja, es bestand die Gefahr, dass einer der Kräne in das Gebäude stürzt“, bestätigte Christoph Gröner, Chef der CG Gruppe.

Der Unternehmer kündigte gleichzeitig an, dass die Arbeiten auf der Großbaustelle in einer Woche wieder auf vollen Touren liefen und in spätestens 14 Tagen die ramponierten Kräne durch neue ersetzt worden seien. „Wir werden durch diesen feigen Anschlag einen Monat verlieren, aber den holen wir bei guter Witterung wieder auf“, sagte Gröner. „Wir halten unsere Versprechen.“ Der Brandanschlag treffe weniger seine Unternehmensgruppe als vielmehr die Versicherungen und in letzter Konsequenz deren Kunden.

Gröner kritisiert Verwaltung und Politik

Kritik richtete der Unternehmer an Leipzigs Stadtpolitik.Seine CG Gruppe sei in Leipzig schon mehrfach das Ziel von politisch motivierten Anschlägen gewesen, aber Verwaltung und Kommunalpolitik hätten dies nie zum Anlass genommen, die Verursacher zur Verantwortung zu ziehen. Auch jetzt geschehe dies nicht. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) spreche zwar von einem „Terroranschlag“, aber ausschließlich mit Blick auf betroffene Nachbarn.

Mitten in der Nacht zu Donnerstag weckten laute Explosionen die Anwohner an der Prager und der Platostraße. Zwei Baukräne waren auf der Baustelle des ehemaligen Technischen Rathauses in Brand geraten.

„In Leipzig interessiert es niemanden, wie die betroffenen Unternehmen damit klarkommen“, klagte der Unternehmer. „Wir haben in Leipzig mehrere Hundert Arbeitsplätze geschaffen und weitere rund 1000 Menschen leben als Zulieferer von uns. Da wünsche ich mir, dass der Oberbürgermeister auch mal an uns denkt. Wäre dieser Anschlag auf einer unserer Baustellen in Köln passiert, hätte mich Oberbürgermeisterin Henriette Reker am nächsten Tag angerufen und gefragt, was die Stadt für uns tun kann. In Leipzig geschieht das nicht. Da frage ich mich schon, ob wir ein Fremdkörper sind.“

Gemkow will „feige Angriffe“ zügig aufzuklären

Für Gröner steht fest, dass das Großfeuer politisch motiviert war. Dass Konkurrenten oder vor Ort arbeitende Unternehmen den Brand gelegt haben könnten, schließt er aus. „Wir haben viele Neider. Wenn man so groß ist wie wir, gehört das dazu. Aber dass jemand aus unserer Branche einen Brandanschlag verübt haben soll, ist lächerlich“, sagte er.

Neben dem Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum beim Landeskriminalamt Sachsen (LKA) hat jetzt auch die Staatsschutzabteilung der Staatsanwaltschaft Leipzig die Ermittlungen aufgenommen. Deren Bereitschaftsdienst wurde kurz nach der Tatbegehung von den polizeilichen Behörden informiert. Inzwischen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung gegen unbekannt eingeleitet.

Spurenlage schwierig

„Von den Brandanschlägen auf die Baukräne ging eine sehr große Gefahr für Leib und Leben zahlreicher vollkommen unbeteiligter Bürger aus“, erklärte Sachsens Staatsminister der Justiz Sebastian Gemkow (CDU) am Freitag. „Solche Taten sind absolut unverantwortlich, abstoßend und müssen mit der vollen Härte des Rechtsstaates verfolgt werden. Die Staatsanwaltschaft wird gemeinsam mit der Polizei alles daran setzen, diese feigen Angriffe zügig aufzuklären.“

Beim LKA hieß es am Freitag, es seien Vernehmungen und kriminaltechnische Untersuchungen angelaufen. Aber es sei schwierig, vor Ort verwertbare Spuren zu finden. Nicht nur wegen des Großbrandes, sondern auch weil die Täter darauf geachtet hätten, Spuren zu vermeiden. „Wir ermitteln in alle Richtungen und ziehen alles ins Kalkül“, betonte LKA-Sprecher Tom Bernhardt. „Denn es kann nichts ausgeschlossen werden.“ Für öffentliche Aussagen zum Täterkreis sei es noch zu früh.

Von Andreas Tappert

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