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Stadtpolitik Naturkundemuseum: 140.000 Besucher pro Jahr aufs Spinnereigelände locken
Leipzig Stadtpolitik Naturkundemuseum: 140.000 Besucher pro Jahr aufs Spinnereigelände locken
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15:24 21.01.2016
Die Halle 7 auf dem Spinnereigelände wird für das Naturkundemuseum und Theater der freien Szene saniert.
Die Halle 7 auf dem Spinnereigelände wird für das Naturkundemuseum und Theater der freien Szene saniert.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Das jahrelange Hin- und Her ist vorbei. Am Mittwoch schlug der Stadtrat gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit der Entscheidung für die Halle 7 auf dem Ausstellungsareal der Spinnerei im Leipziger Westen bekommt nicht nur das Naturkundemuseum eine Zukunftschance, auch das jahrelang diskutierte Theaterhaus für die freie Szene rückt mit unter das Dach der einstigen Fabrikhalle. Das Lofft und das Leipziger Tanztheater (LTT) ziehen ein, dazu bekommt das Theater der Jungen Welt weitere Probenräume.

Insgesamt kostet die Sanierung des ehemaligen Industriekomplexes rund 11,7 Millionen Euro, von denen 6,6 Millionen aus Fördertöpfen von Bund und Land fließen sollen. Der aktuelle Eigentümer des Gebäudes steuert rund 1,7 Millionen Euro bei. Die Stadt trägt rund 3,3 Millionen Euro und finanziert die Fördermittel zum Teil vor. Ab 2020 soll ein modernes Museum dann jährlich mehr als 100.000 Besucher nach Neu-Lindenau locken.

Kulturbürgermeister Faber sprach in der Ratsversammlung vom glücklichen Ende, dankte viel und schlug höchst versöhnliche Töne an. Doch dann folgte eine mehr als einstündige Debatte der Fraktionen, die schließlich erfolgreich für eine direkte ÖPNV-Anbindung zur City kämpften sowie um die umgehende Ausschreibung der Direktorenstelle für ein Museum der Zukunft.

Zukunftskonzept in neun Monaten

„Wenn künftig 140.000 Besucher pro Jahr kommen sollen, dann müssen Dauer- und Sonderausstellung so attraktiv sein, dass die Leute eine längere Anfahrt in Kauf nehmen“, so Skadi Jennicke, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Der neue Museumsleiter müsse nicht nur die Gelegenheit bekommen, das Konzept auf der Grundlage des Masterplans zu entwickeln und das neue Museum zu gestalten, so Andrea Niermann von der CDU-Fraktion. Auch Kooperationen, etwa mit dem Zoo oder der Universität, seien wünschenswert. Über weitere Vernetzungen müsse ein zukünftiger Direktor auch Drittmittel einwerben können.

Neun Monate bekommt der neue Leiter Zeit, um auf der international als Ausstellungsgelände der bildenden Kunst gerühmten Spinnerei einen naturkundlichen Museums-HotSpot des 21. Jahrhunderts zu schaffen.

„Die Katze im Sack?“

Die baulichen Gegebenheiten werden durch die Standortwahl für eine Fabrikhalle aus dem Jahr 1906/07 schon einiges umreißen. Die Schätze des Naturkundemuseums sollen künftig in Halle 7 aber auf jeden Fall genug Platz haben: „Bimbotown“ mit seinen lebenden Skulpturen von Aktionskünstler Jim Whiting wird innerhalb der Spinnerei umziehen. Damit stehen für das Museum rund 3700 Quadratmeter im Edgeschoss, dem ersten Obergeschoss und in Kellerräumen zur Verfügung.

Das Haus in der Lortzingstraße soll zum Höchstgebot verkauft werden. Quelle: André Kempner

Die Verwaltung spricht von einer komfortablen Situation, die Stadträte blieben skeptisch. „Wir müssen uns schon fragen: Kaufen wir die Katze im Sack? Vorerst sehen wir nur ein industrielles Bauwerk – allerdings auf einem Gelände, das bereits Kulturbesucher anzieht“, gab Annette Körner, Grünen-Stadträtin und Vorsitzende des Kulturausschusses, zu bedenken. Dieter Deissler, Abgeordneter der Wählervereinigung, sah zu viele Fragezeichen beim Vorschlag des Kulturdezernats. „Wir unterschreiben blanko für einen Rohbau, ohne zu wissen, was danach kommt“. Die AfD-Fraktion fürchtete ebenfalls Zusatzkosten für die Sanierung, favorisierte weiter den angestammten City-Standort.

Doch das ehemalige Schulhaus in der Lortzingstraße soll meistbietend verkauft werden, nach Vorlage eines Konzepts für die Zukunft. Der Erlös wird in die Finanzierung des neuen Standorts einfließen.

Von Evelyn ter Vehn