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Stadtpolitik So will Burkhard Jung die Leipziger OBM-Wahl im Februar 2020 gewinnen
Leipzig Stadtpolitik So will Burkhard Jung die Leipziger OBM-Wahl im Februar 2020 gewinnen
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20:36 28.09.2019
Burkhard Jung (SPD), amtierender Leipziger Oberbürgermeister, freut sich am Samstag über die Nominierung seiner Partei für die OBM-Wahl am 2. Februar 2020. Quelle: Peter Endig/dpa
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Leipzig

Die Leipziger SPD hat Burkhard Jung am Samstagvormittag zu ihrem Kandidaten für die Wahl des Oberbürgermeisters am 2. Februar 2020 gekürt. 84 der 90 Teilnehmer an der Wahlvollversammlung stimmten in Halle D der Connewitzer Kulturfabrik Werk 2 für das amtierende Stadtoberhaupt – das waren 93,3 Prozent. Es gab fünf Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Einen Gegenkandidat hatte Jung nicht.

Jung, seit 2006 oberster Bürger der Messestadt, will „weitere sieben Jahre als Oberbürgermeister für diese wunderbare Stadt rund um die Uhr im Einsatz sein“, wie der 61-Jährige unter dem Beifall seiner Genossinnen und Genossen betonte. „Ich weiß, was geht und was wir schaffen können. Ich stehe auf dem Boden, auch wenn der Kopf manchmal in den Wolken ist.“

„Wir haben gezeigt, dass wir anpacken können“

Jung zog eine durchweg positive Bilanz seiner knapp 14-jährigen Amtszeit. Leipzig sei eine überaus lebenswerte Stadt, die meisten Bürgerinnen und Bürger seien mit ihrer Situation zufrieden. Die Arbeitslosigkeit sei von 21 Prozent im Jahr 2005 auf sechs Prozent in diesem Jahr geschrumpft, die stetig steigende Einwohnerzahl zeige, „wie beliebt Leipzig ist. Voraussichtlich im November werden wir 600 000 sein.“ Er freue sich über diesen Zuwachs, über den Zuzug vieler junger Familien – „auch wenn damit viel Arbeit verbunden ist. Doch wir haben gezeigt, dass wir anpacken können.“ Die Errichtung neuer Kitas schreite unvermindert voran, „im ersten Quartal 2020 werden wir keine Wartezeiten mehr haben“, kündigte der Vater von sechs Kindern an. Beim Schulbau sei zwar noch einiges mehr zu tun, brauche Leipzig bis 2030 weitere 41 neue Bildungsstätten, „aber das Thema habe ich mir auf den Tisch gezogen, weil es mir nicht schnell genug ging“, sagte der frühere Lehrer und einstige Direktor des Evangelischen Schulzentrums Leipzig.

Kandidat nimmt drei Schwerpunktthemen in den Blick

Für den Fall, dass er vom Wahlvolk im nächsten Jahr den Auftrag für eine dritte Amtszeit erhält, will Jung drei Schwerpunktthemen angehen:

Wohnen: Der OBM warnte vor flächendeckender Gentrifizierung. „Wohnungen in Neubauten sind für die meisten Leipziger schon jetzt unerschwinglich. Diese Entwicklung will ich stoppen. Zum Glück haben wir noch unsere Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, haben wir anders als Dresden unseren kommunalen Wohnraum nicht aufgegeben.“ Mit der LWB, aber auch mit privaten Bauträgern (Zitat Jung: „Eine schwierige Klientel“) sei er im Gespräch über eine zügige Umsetzung von Sozialbauprojekten.

Mobilität: Gegenwärtig werden in Leipzig Jahr für Jahr 5000 neue Autos zugelassen. 100 000 Menschen pendeln morgens in die Stadt, 40 000 aus ihr heraus. Deshalb müsse der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf ein höheres Niveau gehoben werden, sagte der Rathauschef. „Der ÖPNV ist der Schlüssel in der Stadt-Land-Entwicklung und beim Klimaschutz.“ Die Forderung seiner Partei nach einem 365-Euro-Ticket unterstütze er. Zudem gelte es, das Radwegenetz flächendeckend und vor allem sicherer zu machen. „Und im Übrigen ist jeder Radfahrer mehr gut für den Wirtschaftsverkehr“, so Jung.

Klimaschutz: Dass Leipzig ab 2023 auf Fernwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf verzichtet, stattdessen ein eigenes Gaskraftwerk baut – das ist für den SPD-Kandidaten gesetzt. Beim Städtebau will er auf mehr Gründächer und Frischluftschneisen setzen, um die Erwärmung der Stadt einzudämmen. „Wenn ich wiedergewählt werde, lege ich einen Cool-City-Plan vor“, kündigte Jung an. „Cool im doppelten Sinne.“

Stadtoberhaupt räumt Fehler ein

Seine zwischenzeitliche Bewerbung für den Präsidentenposten beim Ostdeutschen Sparkassenverband, die letztlich scheiterte, nannte Jung einen Fehler. Sein Interesse sei in eine Zeit gefallen, in der er und seine Familie massiv bedroht wurden – wegen seines Bekenntnisses für ein weltoffenes, buntes Leipzig. Er werde auch weiterhin immer sagen, „dass jeder, der zu uns kommt und sich zum Grundgesetz bekennt, egal ob Wissenschaftler oder Geflüchteter, bei uns willkommen ist“. Und er werde sich auch fortan jeglicher Hetze von Ultrarechts entgegenstellen.

Die Genossen sind begeistert

Die Parteifreunde feierten den OBM mit lautstarkem Beifall – sowohl nach dessen Rede als auch nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. SPD-Stadtchef Holger Mann (40) ist sich sicher, mit dem Amtsinhaber auf den Richtigen zu setzen: „Burkhard Jung hat eine überzeugende Bilanz, verbindet klare Standpunkte mit einer Vision für unsere Stadt bis 2030. Er hat auch in schwierigen Situationen Haltung und Durchsetzungskraft bewiesen. Er verbindet, statt zu spalten.“

Eine Frage bleibt unbeantwortet

Den Blumenstrauß, den Mann dem OBM am Ende überreichte, trug Jungs Ehefrau Ayleena aus der Halle. Sie weiß, dass der anstehende Wahlkampf kein Zuckerschlecken wird, will ihrem Gatten aber fest zur Seite stehen; so wie die zuletzt arg gebeutelte SPD. Die Frage eines Parteimitglieds, wie sich Jung verhalten werde, sollte er im ersten Wahlgang am 2. Februar nicht die meisten Stimmen erhalten, ließ das Stadtoberhaupt im Raum stehen.

Von Dominic Welters

Die SPD setzt auf den Amtsinhaber: Burkhard Jung ist am Samstag von seiner Partei mit 93,3 Prozent der Stimmen zum Kandidaten für die Leipziger Oberbürgermeister-Wahl 2020 gekürt worden. Bei der Vollversammlung im Werk 2 nannte er seine gescheiterte Bewerbung als Sparkassenverbands-Präsident einen Fehler.

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