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Stadtpolitik Trotz Millionen-Gewinn: Leipzigs Großvermieter LWB bleibt bei Investitionen vorsichtig
Leipzig Stadtpolitik Trotz Millionen-Gewinn: Leipzigs Großvermieter LWB bleibt bei Investitionen vorsichtig
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21:09 10.07.2019
Der kommunale Großvermieter Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) ist im Stadtbild nicht zu übersehen: Mit seiner neuen Zentrale an der Ecke Georgiring/Wintergartenstraße demonstriert er Selbstbewusstsein. Mit ihren aktuell 35 300 Wohnungen hat die LWB in Leipzig einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der stadteigene Wohnungsgigant Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) hat sich im vergangenen Jahr gut geschlagen: Obwohl die Durchschnittsmiete der rund 35 300 bewirtschafteten Wohnungen mit 5,34 Euro pro Quadratmeter (netto kalt) unter der für ganz Leipzig ermittelten Durchschnittsmiete von 5,88 Euro liegt, hat das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 9,9 Millionen Euro erwirtschaftet, das neun Prozentpunkte über dem Ergebnis des Jahres 2017 liegt. Hinzu kommen noch „Gewinne“ von rund 25,5 Millionen Euro durch die gestiegenen Bodenrichtwerte der LWB-Immobilien, die jedoch nur buchhalterischen Wert besitzen, da das Unternehmen keine Objekte veräußert.

LWB-Mieten kletterten im Schnitt um 1,7 Prozent

Das Ergebnis ist aber auch dem Drehen an der Mietpreisschraube geschuldet: Dadurch sind die LWB-Miete 2018 im Durchschnitt um 1,7 Prozent geklettert. Die Schuldenlast liegt aktuell bei 589 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote ist von 37,6 Prozent (2017) auf 39,7 Prozent (2018) gestiegen. Die Leerstandsquote der LWB ist auf 4,7 Prozent gefallen – knapp ein Prozent dieser Wohnungen sind in einem nicht marktfähigen Zustand, also nicht vermietbar.

Das kommunale Unternehmen will seinen Jahresüberschuss komplett in den eigenen Wohnungsbestand investieren und dabei auch den von der Stadt geforderten Bau von neuen Wohnungen forcieren. Der Spielraum dafür sei aber sehr eng, hieß es am frühen Mittwochabend bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2018. Denn bei den aktuellen Baupreisen könnten Neubauten nur zu Kaltmieten von 12 bis 14 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. „Kaltmieten von mehr als zehn Euro pro Quadratmeter können sich trotz steigender Durchschnittslöhne auch künftig weite Teile der Leipziger Bevölkerung nicht leisten“, betonte Finanz-Geschäftsführerin Ute Schäfer und verwies auf die im bundesweiten Vergleich geringe Wirtschaftskraft und das geringe Einkommensniveau in der Stadt. „So hohe Mieten zahlen die meisten Leipziger nicht“, bekräftigte auch Iris Wolke-Haupt, Geschäftsführerin Wohnungswirtschaft und Bau.

„Mietpreise für Neubauten sind nicht darstellbar“

Wegen dieser ungünstigen Konstellation hat die LWB jüngst für drei Wohnungsneubauprojekte die Ausschreibungen aufgehoben. Die erzielten Gebote hätten Mietpreise ergeben, die am Markt nicht darstellbar seien, heißt es. „Die LWB kann und wird nicht um jeden Preis bauen“, so Wolke-Haupt. „Denn wir tragen Verantwortung dafür, dass Wohnen in Leipzig bezahlbar bleibt.“ Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben. Sobald der Markt bessere Konditionen bietet, würden die Vorhaben in Angriff genommen.

Ohne die drei gestrichenen Projekte hat die LWB aktuell mehr als 1000 Neubauwohnungen in Planung, die auch errichtet werden sollen. Eines befindet sich in der Bernhard-Göring-Straße 17, wo im Januar 2019 die Baugrube ausgehoben wurde. Für die beiden anderen Vorhaben in der Quer-, Litt- und Schützenstraße sowie in der Straße des 18. Oktober soll in diesem Monat Baustart sein (die LVZ berichtete). Für einen vierten Neubau in der Landsberger Straße, wo 106 mietpreisgebundene Wohnungen und eine Kita entstehen sollen, wird jetzt eine europaweite Ausschreibung gestartet. Für das größte Vorhaben, die Saalfelder Straße mit 300 mietpreisgebundenen Wohnungen, ist ebenfalls alles für eine Ausschreibung vorbereitet.

Selbst Sozialwohnungen sind für viele Leipziger „utopisch“

Allerdings sehen die Geschäftsführerinnen auch die aktuellen Förderprogramme für den sozialen Wohnungsbau kritisch, der vielen Mietern zugute kommen soll. Die hier fällige Miete in Höhe von 6,50 Euro pro Quadratmeter (netto kalt) sei für sehr viele Leipziger „utopisch“, so Geschäftsführerin Schäfer. Und da der Wanderungssaldo von deutschen Zuzüglern nach Leipzig im letzten halben Jahr negativ gewesen ist, werde sich daran wohl auch in naher Zukunft nicht viel ändern. „Wir müssen bei unseren Bauplanungen auch unsere zukünftigen Mieter und ihre Nettohaushaltseinkommen im Blick haben“, betonte Schäfer.

Leipzigs Baubürgermeisterin und LWB-Aufsichtsratsvorsitzende Dorothee Dubrau (parteilos) erklärte auf Nachfrage, sie glaube, der Leipziger Wohnungsmarkt sei inzwischen „sehr überhitzt“. Es sei zu beobachten, dass Neubauten nicht mehr zu den ursprünglich geforderten Mieten an den Markt gebracht werden könnten und einzelne Anbieter ihre Forderungen reduzieren, um überhaupt Mieter zu bekommen. „Der Markt wird sich wieder regulieren“, sagte Dubrau. „Es wird aber nicht wieder so werden wie vor fünf Jahren.“

Von Andreas Tappert

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