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Stadtpolitik Wahlhilfe für Leipziger Clubgänger
Leipzig Stadtpolitik Wahlhilfe für Leipziger Clubgänger
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09:01 16.05.2019
Das Podium bei „Vote! for your right to Party“ in der Moritzbastei. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Wer Clubkultur liebt und lebt, wählt eher nicht rechts. So könnte eine Erkenntnis des Dienstagabends in der Moritzbastei lauten. Auf alle Fälle merkte der Beobachter schnell, wer von den anwesenden Lokalpolitikern das Leipziger Nachtleben aus eigenem Erleben kennt und wer vornehmlich mit politischer Expertise aus dem eigenen Lager arbeitet.

CDU kann bei Clubkultur noch dazulernen“

Die IG Livekommbinat, Interessenvertretung der Leipziger Clubs und Musikspielstätten, hatte zur Podiumsdiskussion „Vote! for your right to Party“ geladen. Vorgestellt und diskutiert wurden die sogenannten Wahlprüfsteine anlässlich der bevorstehenden Stadtratswahl: Fünf Themenkomplexe mit insgesamt 21 Forderungen und Anregungen für die hiesige Clubkultur wurden den Parteien vorab zur Beantwortung vorgelegt. Als Entscheidungshilfe sind in einem Flyer nun alle Positionen in einfacher Ja-Nein-Vielleicht-Manier nebeneinandergestellt – nachlesbar auf der Homepage der IG. Einzig der CDU war die E-Mail mit den Fragen verlorengegangen. Der zur Diskussion anwesende Lucas Schopphoven bemühte sich um Schadensbegrenzung. Insgesamt gab der 22-Jährige – für seine Partei ungewöhnlich – einen der Clubkultur zugewandten Vertreter ab, der immer wieder betonte: Auch die CDU könne hier noch dazulernen.

Plädoyer gegen Schmuddelkinder-Image

MDR-Frau und DJane Wiebke Binder moderierte den Abend mit einer Mischung aus Nachhaken und lockerem Gespräch. Ihr Anspruch, alle Parteien gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen, zerfaserte in zweieinhalb Stunden jedoch zunehmend am allzu aktiven Wahlkampfmodus einiger Kandidaten. Distillery-Chef Steffen Kache eröffnete als Podiumsvertreter der Clubs die Debatte und verwahrte sich gegen das Schmuddelkinder-Image seiner Szene, indem er betonte: „Clubkultur ist Lebensqualität und damit Teil der Gesellschaft.“ Mit dem Konzept der Wahlprüfsteine verbindet er einen klaren Apell an das nachtaffine Publikum. „Geht wählen!“, sagte er.

Bunte Debatte um Subkultur

Zunächst ging es um Stadtplanung, Kulturraumschutz und die Frage, wie die Kommune ihre subkulturelle Vielfalt stützen kann. Diese stellt für Jürgen Kasek von den Grünen auch einen systemischen Faktor dar. Viele sähen in der Freien Szene ein Argument für den Zuzug nach Leipzig. FDP-Vertreter René Hobusch gab sich bei diesem Thema wirtschaftsliberal und verwies auf die privaten Geschäftsverhältnisse der Clubbetreiber. Etwas unglücklich trennte er (Hoch-)Kultur und Vergnügen. Bei einer unternehmerischen Entscheidung mit eigenem Risiko sei ein Scheitern „manchmal einfach traurig“. Auch die CDU sieht Stadt und Land bei der Subkultur weniger in der Pflicht. Christopher Zenker von der SPD hielt dagegen, dass die Verwaltung hier noch mehr Möglichkeiten ausschöpfen könne und wünscht sich langfristige Lösungen. Denn auch Clubkultur, zu der von Jazz bis Techno eine große Bandbreite gehört, müsse als Kultur definiert werden. Auch Kasek, Kache und Werner Kujat für die Linke mahnten immer wieder an, Kunst und Kultur nicht rein wirtschaftlich zu betrachten. Für die Freien Wähler innerhalb der Wählervereinigung Leipzig plädierte André Soudah dafür, städtebaulich attraktive Flächen nicht ausschließlich Investoren zu überlassen, sondern kommunal zu betreiben und zu gestalten. Ute Elisabeth Gabelmann von den Piraten würde sich in ihrer, wie sie selbst zugab, „romantischen“ Vorstellung in Anlehnung an Grassimuseum und Mendebrunnen sogar ein modernes Mäzenatentum unter gut betuchten Investoren wünschen.

AfD-Mann um Konsens bemüht

Realistischer, was die tatsächliche Einflussnahme angeht, aber nicht weniger kämpferisch gab sich der linke Kujat an anderer Stelle: Präventions- und Aufklärungsangebote wie Drug Checking, wofür auch Grüne, SPD, FDP und Piraten plädieren, werde es geben, sobald die CDU in Sachsen abgelöst sei, argumentierte er. AfD-Vertreter Tobias Keller hielt sich insgesamt zurück. In seinen wenigen Wortmeldungen bemühte er sich vereinzelt um Konsens – etwa im Punkt nächtlicher öffentlicher Nahverkehr. Allerdings offenbarte er, dass er von Clubkultur und Nachtleben in praktischen Belangen einige Jahrzehnte entfernt ist.

Von Karsten Kriesel

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