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Unternehmen Jobabbau wegen Elektromobilität? Beschäftigte der Autoindustrie in Sachsen haben weniger Angst
Leipzig Unternehmen Jobabbau wegen Elektromobilität? Beschäftigte der Autoindustrie in Sachsen haben weniger Angst
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07:11 11.09.2019
Volkswagen setzt in Zwickau voll auf Elektromobilität – unter anderem mit dem am Montag vorgestellten ID.3: Das Werk wird für 1,2 Milliarden Euro umgerüstet. Quelle: dpa
Berlin/Leipzig/Zwickau

Die Angst um ihren Job ist bei den Beschäftigten in der ostdeutschen Autoindustrie gesunken. „Die Zuversicht in den Wechsel zur Elektromobilität hat zugenommen“, sagte gestern Olivier Höbel, Chef des Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall). Das ist das Ergebnis einer von Oktober 2018 bis Mai 2019 gelaufenen Untersuchung über die Einschätzung der Betroffenen zu ihrer beruflichen Perspektive. Höbel sagte, die Stimmung habe sich in diesem Zeitraum„deutlich verbessert“. Als einen der Gründe nannten die Autoren der Studie Investitionen, die bereits umgesetzt werden.

Volkswagen baut Zwickauer Werk für 1,2 Milliarden Euro um

Volkswagen steckt in den Standort Zwickau 1,2 Milliarden Euro, um das Werk komplett vom Verbrennungsmotor auf Elektromobilität umzustellen. Im November soll der ID.3, das erste Fahrzeug einer völlig neuen Generation von Elektroautos, von den Bändern rollen. „Damit bricht für Volkswagen eine neue Ära an“, sagte VW-Markenvorstand Thomas Ulbrich. Der Umbau der Fabrik soll Ende 2020 abgeschlossen sein. In Zwickau herrschte am Ende der Untersuchung Aufbruchstimmung, „was den Hochlauf der Elektromobilität betrifft“, haben die Studienautoren unter Leitung der Automobilexpertin Antje Blöcker festgestellt.

>> Lesen Sie auch: Nach großspuriger Ankündigung: Kommt das E-Auto für 10.000 Euro?

Investitionen der Autohersteller in Sachsen sorgen für Optimismus

Verantwortlich für das bessere Klima sind laut Ansicht von Höbel auch die500 Millionen Euro, die Porsche für den Ausbau des Werks im Leipziger Norden ausgibt. Hier sollen die 4300 Arbeitnehmer das Erfolgsmodell Macan künftig vollelektrisch herstellen. Zudem wird gemeinsam mit der Schuler Group in Halle für 100 Millionen Euro ein neues Presswerk hochgezogen. BMW setzt mit dem Stromer i3 in Leipzig bereits seit dem Jahr 2013 auf die E-Mobilität. Die Fabrik mit ihren 5300 Mitarbeitern wird gegenwärtig für 300 Millionen Euro erweitert. Dadurch soll die jährliche Fertigungskapazität um 100.000 auf 350.000 flotte Flitzer steigen.

Beim Bau von Elektroautos wird weniger Personal benötigt

Hintergrund der Sorgen ist, dass ein Elektroauto deutlich weniger Teile benötigt als ein Fahrzeug mit Verbrenner. Dessen Antrieb besteht aus 1400 Teilen, der Elektromotor nur aus 210. Der Umstieg zu Stromautos könnte einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation zufolge allein 100.000 der bundesweit 210.000 Jobs in der Antriebstechnik kosten. Dem stünden 25.000 neue Stellen gegenüber.

Trotz allem sind die Arbeitnehmer noch skeptisch

Höbel verwies darauf, dass die Beschäftigten dem Wandel durch die Digitalisierung insgesamt aber nach wie vor skeptisch gegenüberstünden. Sie fürchteten, „von Maschinen überrollt zu werden – in der Arbeitswelt, aber auch in ihrer Lebenswelt“. Es bleibe die Aufgabe von Unternehmen, IG Metall und Politik, die Menschen auf diesem Weg der Veränderung mitzunehmen. „Qualifizierung der Kollegen ist hierbei der Schlüssel“, sagte Höbel. Die Ergebnisse hätten auch gezeigt, dass es vor allem in vielen kleinen Zulieferbetrieben an ausreichender Personalplanung fehle und es zu wenig Qualifizierungsangebote für die Mitarbeiter gebe.

In Sachsen arbeiten 95.000 Menschen in der Autoindustrie

In Sachsen sind 95.000 Personen in der Autoindustrie beschäftigt, in Berlin-Brandenburg 22.000. Insgesamt sind davon gut 80 Prozent in Zulieferbetrieben tätig.

Von Ulrich Milde

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