Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Unternehmen Neuer Chef im Stelzenhaus
Leipzig Unternehmen Neuer Chef im Stelzenhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 26.07.2019
Konrad Sell ist der neue Leiter des Social Impact Lab in Leipzig-Plagwitz. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Das Social Impact Lab Leipzig (SIL) hat seit Februar 2019 einen neuen Standortleiter: Konrad Sell führt jetzt die Geschäfte in Plagwitz. Der 35-Jährige hat die Nachfolge von Marcus Bittner angetreten, der das Lab seit dessen Eröffnung im Jahr 2014 geleitet hat. Auf den neuen Chef warten nun einige Herausforderungen.

Der gebürtige Berliner Sell ist Betriebswirt, lebt seit zehn Jahren in Leipzig, wo er auch einen Masterstudiengang an der Handelshochschule HHL erfolgreich abgeschlossen hat. Der Vater von vier Kindern war unter anderem für die Q Cells-Tochter Sovello AG tätig, zuletzt leitete er das Marketing-Team des Medizintechnikunternehmens Sonovum in der BioCity Leipzig. Der begeisterte Chorsänger kann also auf jede Menge Erfahrung bei der Leitung schlagkräftiger Teams zurückgreifen. Zusammen mit seinem sechsköpfigen Mitarbeiterstab betreut er jetzt die Startup-Teams des SIL. „Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe, stecke ja schon längst mitten in der Arbeit”.

Pitch-Gewinner bekommen sechs Monate Förderung

Die Gründerteams am Lab müssen mit ihren Unternehmensideen sozial nachhaltig agieren, einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz verfolgen und im idealen Fall eine positive Veränderung für eine Vielzahl von Menschen bewirken. Dabei setzen die Startups oftmals moderne Technologien, Software und Kommunikationsmethoden ein, nutzen aber auch erprobte betriebswirtschaftliche Modelle, um tragfähige und belastbare Geschäftsmodelle zu etablieren. Teams können sich mit ihren Geschäftsideen bewerben, werden bei einem Pitch durch eine Jury ausgewählt. Die ins Lab aufgenommenen Teams bekommen ein halbes Jahr lang Förderung, Beratung und ein gut ausgebautes Netzwerk innerhalb der deutschen Startup-Szene. Die aktuelle Bewerbungsphase hat im Juni begonnen, der entscheidende Pitch findet am 17. Oktober statt.

Auf Partnersuche bei Industrie und Wirtschaft

Vorerst bis April 2020 läuft der Vertrag des neuen Standortleiters. Nicht grundlos, denn das ist auch der Zeitpunkt, zu dem der bisherige Groß-Förderer, die Schweizer Drosos-Stiftung, seine aktive finanzielle Förderung des Leipziger Standorts einstellt. Ab kommendem Jahr muss das Leipziger SIL im Plagwitzer Stelzenhaus neue Finanzierungsformen finden. Um weiterarbeiten zu können, werden Sell und das Lab neue Wege gehen. “Wir haben für die nächste Kohorte thematische Schwerpunkte aufgestellt, die Themen am Puls der Zeit aufgreifen. Für die Finanzierung der Kohorte und der jeweiligen Arbeitsfelder suchen wir daher aktive Partner aus Wirtschaft und Industrie.”

Auf die Kohorte kommen Challenges zu

Schwerpunkte der neuen Kohorte werden die Bereiche Ernährung, Gesundheit und Mobilität sein, ebenso der Komplex Kunst/Kultur/Medien, Gesellschaftliche Teilhabe sowie Ökologie. „Unsere Partnerunternehmen können den Teams spezifische Challenges – also konkrete geschäftliche Herausforderungen – stellen, welche dann innerhalb der Förderzeit am SIL gelöst werden sollen”, erläutert Konrad Sell. Neben der Lösung der gestellten Challenge können weitere positive Effekt beidseitig wirken: Einerseits bringt die andere Denkweise der sozialen Startups frischen Wind in die Partnerfirma, was hilfreich gegen eine gewissen Betriebsblindheit sein kann. „Andererseits begleiten die Firmen die Entwicklung unserer Startups durch ihr enormes Marktwissen und langjährigen Erfahrungen, sie können aber auch Partner bei Inhalten und der Finanzierung sein.”

Ideen und Macher auf dem Silbertablett

Konrad Sell möchte daher gerade die regionale und lokale Wirtschaft einladen, sich am Social Impact Lab zu engagieren. Er sieht eine Menge Entwicklungspotenzial für beide Seiten, hält die Gelegenheit für Firmen aus der klassischen Wirtschaft für sehr günstig, sich mit einem Startup zusammenzutun. „Wir präsentieren unsere motivierten Gründer, deren Ideen und Leistungsfähigkeit im übertragenen Sinne auf einem Silbertablett.”

Ein weitere Neuerung wird sein, dass die angebotenen Seminare und Workshops im Block angeboten werden. „Das erlaubt es auch Teams und Gruppen, die ihren Hauptsitz nicht in Leipzig haben, an den Vorteilen des Labs zu partizipieren.” Bislang waren die angebotenen Schulungen unregelmäßig über die Dauer der Kohorten-Laufzeit verteilt, eine dauerhafte Präsenz der Teams war notwendig. „Mit der neuen Regelung können die Teammitglieder in ihrer angestammten Arbeitsumgebung bleiben, weiter an ihrem Geschäftsmodell arbeiten und dennoch unsere Förderung genießen.“ Die Teilnehmer werden im in einem Sprint-Format betreut, aller drei bis vier Wochen gibt es kompakte Seminarblöcke zu unterschiedlichsten Themen.

Digitalisierung ist und bleibt das Über-Thema

Konrad Sell sieht das aktuelle Über-Thema Digitalisierung trotz aller negativer Nebengeräusche als riesige Chance an. „Ich bin überzeugt, dass die bestehenden und künftigen digitalen Entwicklungen den Menschen zu einem besseren Leben und besserem Wirtschaften verhelfen werden.“ Digitale Lösungen erlauben, Staat, Demokratie und Gesellschaft partizipativ und sozial wie ökologisch gerechter zu gestalten. Als positives Beispiel nennt er hier Estland. Das baltische Land hat seinen Staatsapparat konsequent digitalisiert und „ans Internet angeschlossen“. Deutschland könne das auch, das Land habe die Kraft und alle Möglichkeiten dafür, so Sell: „Das Argument, dass wir als Land zu groß dafür sind, wird langsam alt. Wir sollten uns nicht mehr hinter unserer eigenen Größe verstecken, sondern den notwendigen Umbau mit Mut voranbringen.“

Von Frank Schmiedel

Leipziger intelligent fluids gibt als weltweite erste Chemiefirma digitale Firmenanleihe aus: 37 Millionen Euro Kapitalisierung durch Genussschein wird angestrebt, die Basis ist Ethereum-Blockchain.

28.06.2019

Die Lösungen des Plagwitzer Startups schützen kritische Infrastrukturen

28.06.2019

Als er das erste Mal in seinem Betrieb war, musste Holger Födisch als Praktikant noch Bier holen. Inzwischen ist der 59-jährige Chef, verkauft mit seine Staubmessgeräte vor allem nach China –und ist jetzt Sachsens Unternehmer des Jahres.

11.05.2019