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Europawahl Grünes Leipzig, tiefblaues Hinterland – das sind Sachsens Wahlhochburgen
Leipzig Wahl Europawahl Grünes Leipzig, tiefblaues Hinterland – das sind Sachsens Wahlhochburgen
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18:26 27.05.2019
In Leipzig wurde zur EU-Wahl am Sonntag mehrheitlich grün gewählt. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Sachsen hat gewählt – und ist am Sonntag noch einmal deutlich nach rechts gerutscht. Bei den Europawahlen im Freistaat konnte die AfD in 277 der sächsischen Gemeinden als stärkste Kraft triumphieren. Das sind genau zwei Drittel aller Kommunen und Verwaltungsgemeinschaften. Als eine von vielen AfD-Hochburgen stellte sich dabei der Landkreis Görlitz heraus, wo die Rechten insgesamt 32,4 Prozent Zustimmung erhielten. In der Kleinstadt Neißeaue an der polnischen Grenze wählten sogar 46,5 Prozent die AfD – landesweit das beste Ergebnis. In Schönbach, westlich von Löbau, waren es 45,5 Prozent, in Neschwitz bei Bautzen satte 45 Prozent.

Vergleichsweise schlecht lief es für Spitzenkandidat Jörg Meuthen erwartungsgemäß in Leipzig – mit letztlich 15,5 Prozent Unterstützung. Im angrenzenden Markkleeberg (Landkreis Leipzig) waren es zwei Punkte mehr. Dass nicht ganz Ostsachsen inzwischen zum Kernland der AfD gehört, bewiesen am Sonntag unter anderem die gut 2000 Einwohner in Panschwitz-Kuckau, von denen „nur“ 16,8 Prozent den Rechtspopulisten den Einzug ins EU-Parlament wünschten.

CDU gewinnt ein Drittel der Gemeinden

Sachsens bisheriger Parteien-Platzhirsch CDU konnte am Sonntag lediglich in 141 von 419 sächsischen Gemeinden Wahlsiege feiern. Das beste Ergebnis wurde aus dem obersorbischen Crostwitz (Landkreis Bautzen) gemeldet, wo jeder zweite Wähler den Christdemokraten die Stimme gab. Im bereits genannten Panschwitz-Kuckau und gleich um die Ecke in Ralbitz-Rosenthal waren es jeweils mehr als 45 Prozent CDU-Wähler.

Kaum überraschend: Landesweit am schlechtesten lief es für die Union in Sachsens größter Kommune. Nur 16,1 Prozent Unions-Support aus Leipzig dürften aber weit unter den Erwartungen gewesen sein. Ähnliche Debakel erlebte die Partei in der AfD-Hochburg Schönbach und in Dohma, südlich von Pirna mit jeweils nur gut 17 Prozent Zustimmung.

Linke stark in HoyWoy – Grüne angeln sich Leipzig

Trotz herber Verluste gegenüber 2014 noch drittstärkste Kraft wurden die Linken mit 11,7 Prozent Gesamtergebnis. Deren Hochburgen liegen in Hoyerswerda, Lugau (Erzgebirge) und in Rochlitz (Mittelsachsen), wo jeweils um die 16 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen für EU-Spitzenkandidat Martin Schirdewan machten. Für einen echten Wahlsieg in einer sächsischen Gemeinden reichte das nicht. Gar nicht gut lief es zudem in Dorfchemnitz (Mittelsachsen), wo nur 3,7 Prozent den Linken ihre Stimme gaben.

Die Grünen wurden am Sonntag bundesweit als große Wahlgewinner gefeiert, in Sachsen übertraf das EU-Spitzenduo Ska Keller und Sven Giegold die Erwartungen mit 10,3 Prozent – und angelte sich dabei die Metropole. In Leipzig stand letztlich auf jedem fünften Wahlschein das Kreuzchen bei den Grünen. Überdurchschnittlich gut lief es zudem in Dresden (17,7 Prozent) und in Radebeul (15,1 Prozent). Weitgehende Ablehnung schlug den Grünen dagegen in Kreba-Neudorf und in Großschweidnitz (beide Landkreis Görlitz) entgegen, wo weniger als drei von Hundert Wählern ihr Herz für den Klimaschutz in die Wahlkabine trugen.

SPD-Stadt MarkkleebergFDP punktet in Nordsachsen

Für die SPD bot sich am Sonntag ein ähnliches Debakel wie für die CDU – allerdings kamen die Sozialdemokraten schon vorher von einem niedrigeren Niveau. Landesweit wurde es mit 8,6 Prozent nun erstmals einstellig. Da halfen auch die 14,8 Prozent Rückenwind aus Bergen (Vogtlandkreis) oder die 13,9 Prozent in Markkleeberg (Landkreis Leipzig) nicht mehr viel. Kaum noch sozialdemokratischen Boden gibt es offenbar im Landkreis Görlitz, beispielsweise in Dürrhennersdorf (2,8 Prozent) und in der AfD-Hochburg Nebelschütz (3,0 Prozent).

Viele kleinere Parteien konnten am Sonntag in Sachsen zumindest Achtungserfolge erzielen. Für die FDP resultierten ihre sachsenweit 4,7 Prozent unter anderem aus jeweils mehr als zehn Prozent Zustimmung in Deutschneudorf (Erzgebirgskreis) und in Elsnig (Nordsachsen). In Trebsen an der Mulde (Landkreis Leipzig) und in der AfD-Hochburg Neißeaue lief es mit unter drei Prozent dagegen besonders mies am liberalen Wahlabend.

Freie Wähler punktuell gut – Partei bedeutet Großstadt

Die Freien Wähler konnten in Niederfrohna und Limbach-Oberfrohna (beide Landkreis Zwickau) jeweils deutlich mehr als zehn Prozent holen. Ein Achtungserfolg, aber nicht mehr. Landesweit reichte es nur für 2,9 Prozent.

Die Partei von Spitzenkandidat Martin Sonneborn ist ein Großstadtphänomen – was sich am Sonntag auch an 5,7 Prozent in Leipzig und 4,7 Prozent in Dresden zeigte. Insgesamt schafften die häufig auch sehr ernsthaften Satirepolitiker 2,9 Prozent im Freistaat.

Hochburg der rechtsradikalen NPD ist seit langem Reinhardtsdorf-Schöna (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Aus den einstmals 23,1 Prozent bei den Landtagswahlen anno 2004 waren am vergangenen Sonntag noch 6,3 Prozent geworden. Im benachbarten Gohrisch wählten indes 3,8 Prozent braun. Landesweit waren es für die NPD 0,8 Prozent.

Von Matthias Puppe

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