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Kommunalwahl Leipzigs Stadtrats-Parteien im Social-Media-Check
Leipzig Wahl Kommunalwahl Leipzigs Stadtrats-Parteien im Social-Media-Check
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12:01 24.05.2019
Vor allem Facebook wird von den Parteien in Leipzig rege genutzt.
Vor allem Facebook wird von den Parteien in Leipzig rege genutzt. Quelle: dpa
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Leipzig

Am Sonntag ist Stadtrats- und Europawahl – auf den letzten Metern kämpfen Leipzigs Politiker um jede Stimme. Ein Schauplatz: die sozialen Netzwerke. Ein geschickter Post kann Tausende Wähler erreichen. Doch wie gut sind die Stadtratsparteien auf den Plattformen überhaupt aufgestellt? Klar, Facebook ist Pflicht – aber wie sieht es beispielsweise mit Instagram und Twitter aus, die vor allem junge Wähler anziehen? Die LVZ hat sich die Auftritte der Parteien in den sozialen Medien angeschaut (Stand: 22. Mai).

CDU – Die Verkopften

Mit mehr als 3000 Fans gehört die Leipziger Union zu den beliebtesten Stadtratsparten auf Facebook. Ihr Publikum wird jedoch relativ eintönig unterhalten. Mittels der Kampagne „30 Tage – 30 Spitzenkandidaten“ wird täglich ein Stadtratskandidat vorgestellt. Das Konzept ist gut: Neben einem Porträt mit Zitat werden die Ideen der Kandidaten in kurzen Sätzen aufgelistet. Nur findet auf der Seite ansonsten wenig statt: Im Mai wurde nur ein einziges Video hochgeladen, es gibt keine Bilder von den Kandidaten im Wahlkampfeinsatz.

Zudem wird auf keine Veranstaltungen hingewiesen. So scrollt man eine lange Leiste von Köpfen herunter. Auf Instagram dieselbe Kampagne, dieselben Köpfe. Fast Tausend Nutzer folgen der Partei auf der Bilder-Plattform – unter den Stadtratsparteien liegt die CDU auf Instagram damit auf den Spitzenplätzen. Auf Twitter ist die Fraktion nicht vertreten.

Die Linke – Die Getriebenen

Bei den Linken fällt auf Facebook die große Zahl an Veranstaltungen auf, zu der Parteivertreter einladen, oder an denen sie teilnehmen. Allein 20 sind es bislang im Mai: Vom Tag der Arbeit bis zum europaweiten Klimastreik – die Partei zeigt vielerorts Flagge. Ähnlich wie bei der CDU werden die Kandidaten mittels Porträts vorgestellt – allerdings ohne konkrete politische Forderungen.

Aufgrund vieler Fotos von Wahlkampfterminen wirkt die Seite abwechslungsreicherer als bei der Union. Videos aus dem Mai fehlen auch bei den Linken gänzlich, immerhin fasst ein einminütiger Clip, ganz oben auf der Seite zu sehen, die Standpunkte der Partei zusammen. Das Gesamtpaket kommt an: 3600 Menschen „gefällt“ der Facebook-Auftritt.

Auf Twitter und Instagram sind die Beiträge ähnlich gestaltet, mit fast 2800 Followern liegt die Fraktion im Twitter-Ranking auf Rang eins, dem Instagram-Profil folgen rund Tausend Nutzer.

SPD – Die Einbeinigen

Auf Facebook machen die Sozialdemokraten ordentlich Betrieb: Porträts von den Kandidaten, Bilder von Wahlkampfterminen, Verlinkungen auf Presseartikel, Veranstaltungshinweise, ein Wahlkampf-Video – die Partei nutzt viele Instrumente, um auf sich aufmerksam zu machen. Rund 1650 Nutzer konnten als Fans gewonnen werden.

Auf der Twitter-Seite und der Instagram-Seite der Partei finden sich im Mai dagegen jeweils nur drei Einträge. Auf dem Twitter-Profil der Stadtratsfraktion datiert der letzte Eintrag vom 2. April: „Welchen Aprilscherz fandet ihr am besten?“. Der letzte Instagram-Eintrag der Fraktion ist ebenso aus dem April – von Wahlkampf keine Spur.

Die Grünen – Die Kopflosen

Was bei CDU und Linken ins Auge sticht, fehlt auf der Facebook-Seite der Grünen: Porträts der Kandidaten. Bei wem die Wähler am Sonntag ihr Kreuz machen sollen, wird deshalb nicht sofort ersichtlich. Zwar gibt es viele Fotos von Wahlkampfterminen, auf denen auch Kandidaten zu sehen sind; eine einheitliche Vorstellung mit Porträt, Name und Zitat fehlt jedoch. So fehlt eine Orientierung an Personen, die Seite wirkt dafür im Vergleich mit den anderen Parteien ungekünstelt.

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Im Mai gibt es fast so viele Veranstaltungseinträge wie bei den Linken, auch bei den Grünen gibt es in diesem Monat bislang nicht viele Videos. Mit etwas mehr als 1700 Facebook-Fans liegt die Fraktion im Parteien-Vergleich im Mittelfeld.

Auf Twitter ist die Fraktion überaus aktiv: 10.000 Tweets haben die Grünen seit der Account-Gründung verschickt – unter den Stadtratsparteien sind das mit Abstand die meisten Beiträge. Auf Twitter folgen der Partei fast so viele Nutzer wie bei den Linken. Auch auf Instagram stimmt die Mischung: Mehr als 600 Nutzer folgen dem bunt gestalteten Profil.

AfD – Die Maßlosen

Die Facebook-Seite der AfD hat mit großem Vorsprung die meisten Fans: Fast 4500 Nutzer klickten auf „Gefällt mir“. Punkt für Punkt wird das Kommunal- und Europawahlprogramm hier vorgestellt: Jeweils ein Beitrag beschäftigt sich mit einem Themenfeld.

Für die Beiträge, die jeweils mit einem klassischen Kandidatenporträt versehen sind, braucht es deshalb Geduld: Sie sind oft sehr lang. Zwar fällt positiv auf, dass die Partei ihre Inhalte umfassend mitteilt; im Zeitalter der sozialen Medien wirken solche lange Texte aber eher abschreckend. Dazu ist der Ton häufig aufgeregt: Wenige Beiträge kommen ohne Ausrufezeichen aus.

Auf Veranstaltungen weist die AfD nicht hin. Der letzte Tweet des Kreisverbands ist aus dem März, auf Instagram wurde für etwa Tausend Follower bislang ein Beitrag im Mai gepostet.

FDP – Die Grellen

Man nehme eine gelbe Schrift plus einen magentafarbenen Hintergrund, umrahme den Kasten in Babyblau, stelle einen Politiker vor eine gelbe Wand und bekomme: Aufmerksamkeit. Die grelle Gestaltung der FDP-Wahlplakate soll auch den Leipziger Liberalen Erfolg bringen. Und ja, auf der Facebook-Seite der FDP stechen die großformatigen Fotos ins Auge – im wahrsten Sinne des Wortes. Nur ist auf dem Auftritt ansonsten wenig los: Fünf Veranstaltungen, zwei Fotos aus dem Mai vom Wahlkampfstand, keine Videos.

Auf Twitter wurden in diesem Monat erst neun Tweets veröffentlicht, etwa 500 Follower folgen dem Profil. Genauso viele Nutzer haben die Partei auf Instagram abonniert – zu dem auf Inszenierung bedachte Netzwerk passt das hippe FDP-Design gut, dennoch wurden im Mai erst wenige Beiträge geteilt. Für die Auftritte in den sozialen Medien gilt deshalb der FDP-Facebook-Claim für die Stadtratswahl: „Da ist noch Luft nach oben!“

Piratenpartei – Die Zahnlosen

Bei den auf digitale Themen spezialisierten Piraten sind die Erwartungen an die Netz-Auftritte hoch. Auch wenn aktuell nur eine Piraten-Politikerin im Stadtrat vertreten ist: Mit fünf Beiträgen und sieben Veranstaltungseinträgen sieht es auf der Facebook-Seite im Mai bislang recht karg aus. Die Kandidaten werden zwar mit Porträt und Namen vorgestellt, aber ohne inhaltliche Aussagen. Mit etwas über 500 Fans haben die Piraten auf Facebook die zweitwenigsten Follower.

Auf Twitter sieht der Piraten-Auftritt um einiges besser aus: Hier werden den knapp Tausend Followern vereinzelt Punkte aus dem Wahlprogramm vorgestellt. Die Farbe Orange funktioniert als Hingucker ähnlich wie bei der FDP. Auf Instagram sind die Piraten nicht vertreten.

Freie Wähler – Die Unsichtbaren

Es wirkt etwas unübersichtlich, was die Freien Wähler ihren etwas mehr als 200 Facebook-Fans kredenzen: Mal eine Nachricht von den Freien Wählern aus Dresden, mal aus Bayern. Screenshots von Zeitungsartikeln und Pressemitteilungen, ein unscharfes Bild von einer Podiumsdiskussion in Anger-Crottendorf. Wer die Freien Wähler in Leipzig vertritt, wird nicht deutlich. Die verwendeten Motive erinnern an Werbefotos und wirken nicht authentisch. Auf Twitter und Instagram sind die Freien Wähler nicht vertreten.

Während die Parteien auf Facebook allesamt einen mehr oder weniger soliden Eindruck machen, besteht insbesondere bei Instagram Nachholbedarf. Bis auf die Linke und den Grünen konnte in dem beliebten Netzwerk keine Partei überzeugen. Auf Twitter sind mit den Linken und den Grünen ebenfalls jene Fraktionen stark vertreten, deren Wählermilieus sich vorwiegend auf der Plattform tummeln. Insgesamt könnten die Parteien auf ihren Plattformen mehr Videos hochladen – bewegte Bilder verbreiten sich besser. Was zudem auffällt: Unter kaum einem Beitrag wurde diskutiert, die Kommentarspalten waren meist leer. Schade, dass die Wähler die Parteien nicht häufiger herausfordern – ein Wettstreit um die besten Ideen kann so nicht stattfinden.

Von Maximilian König