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Kommunalwahl Für die Grünen geht die Sonne auf
Leipzig Wahl Kommunalwahl Für die Grünen geht die Sonne auf
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01:04 27.05.2019
Mit Sonnenblumen vorbereitet auf den Erfolg: Stefanie Gruner, Norman Volger und Katharina Krefft (v.l.) freuen sich über die großen Zugewinne ihrer Partei. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Eklat zu später Stunde im Rathaus. Mit weißen T-Shirts und der Aufschrift „Danke, Leipzig“ zog die AfD am Abend durch die Rathausflure. „So sehen Sieger aus“, sangen sie lautstark aus voller Kehle. Und: „Die Gedanken sind frei“. Viele der Zuschauer im dicht gefüllten Rathaussaal, in welchem die Ergebnisse der Wahl auf die Leinwand projiziert worden sind, fühlten sich provoziert. Der Ruf „Nazis raus!“ schallte ihnen ebenso lautstark entgegen wie der Ruf „Leipzig bleibt Rot“. Es kam zum Gerangel, die Polizei musste eingreifen. Sogar Sören Pellmann, der Bundestagsabgeordnete und Chef der Linksfraktionen warf sich dazwischen. „Nazis raus“ sei ein legitimer Ruf. „Was ich für ein falsches Signal halte, sind aber jegliche Handgreiflichkeiten“, sagte er. Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) bat darum, dass alle ruhig bleiben und zivil miteinander umgehen. Ansonsten müsse die Wahlparty beendet werden.

Linke haben ihr Ziel erreicht

„Wir haben unser Ziel erreicht, werden stärkste Fraktion“, kommentierte Pellmann das Ergebnis für die Linken. „Was uns freut: Es reicht für eine linke Mehrheit mit rot-rot-grün.“ Darüber waren auch die Grünen froh. „Ein Superergebnis für uns“, freute sich Grünen-Fraktionschef Norman Volger.

SPD ist enttäuscht

Christopher Zenker (SPD) fand es erfreulich, dass die Leipziger SPD sich ein wenig vom Bundestrend absetzen konnte. „Dennoch ist unser Ergebnis enttäuschend“, kommentierte er. „Nach fünf Jahren erfolgreicher Kommunalpolitik ist das Ergebnis für uns hart“, so Leipzigs SPD-Vorsitzender Holger Mann. „Wir müssen aber vor allem den Grünen gratulieren, die uns den einen oder anderen Wähler stibitzt haben.“ Wieder dabei: Christian Schulze. Der 56-jährige ist kontinuierlich seit 1990 und damit am längsten im Stadtrat. Nicht geschafft hat es dagegen Urgestein Siegfried Schlegel von den Linken.

Lange Gesichter bei der CDU

Lange Gesichter gab es bei vielen CDU-Leuten. „Es wird eine deutliche Polarisierung im Stadtrat geben“, sagte CDU-Kreischef Robert Clemen. „Wir müssen uns in Ruhe überlegen, wie wir mit der Situation umgehen.“ Gibt es eine Zusammenarbeit mit der AfD? „Die Positionen der AfD auf kommunaler Ebene sind ziemlich konfus“, so der Christdemokrat. Die CDU wolle konkrete Sachpolitik machen und müsse überlegen, ob sie ein Korrektiv zur rot-rot-grünen Mehrheit wird. „Es ist erschreckend, dass die beiden Extremparteien so viele Stimmen gezogen haben“, sagte CDU-Stadtrat Andreas Habicht, der es in Grünau geschafft hat. „Ich bin 1989 für freie Wahlen auf die Straße gegangen, muss nun auch mit dem Ergebnis leben“, so Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU).

AfD zeigt sich euphorisch

„Wir haben unser Ergebnis im Rat mehr als verdoppelt“, sagte Christian Kriegel (AfD) nahezu euphorisch. „Das macht uns sehr zufrieden. Durch die „gute Stimmung an den Wahlständen“ sowie in den sozialen Netzwerken sei man darauf vorbereitet gewesen. Und Falk-Gert Pasemann, der 1995 bis 1999 für die CDU im Stadtrat saß, ergänzte: „Mehr konnten wir als AfD nicht machen.“ Kommt es nun im Stadtrat häufig zu Auseinandersetzungen wie an diesem Wahlabend? „Wir haben den Eklat nicht verursacht“, so Kriegel.

„Die Partei“ kommt in den Stadtrat

In den Stadtrat zieht auch die Die Partei, eine Satire-Gruppierung. „Das ist Gerechtigkeit“, kommentierte Thomas „Kuno“ Kumbernuß. „Wir sind schließlich die stärkste außerparlamentarische Kraft und haben Legida verhindert.“ Die FDP wirkte ein wenig enttäuscht: „Wir wollten in Fraktionsstärke in den Rat einziehen. Das ist leider nicht gelungen“, so Stadtrat Sven Morlok. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 61 Prozent – ein deutlicher Anstieg zu 2014.

Von Mathias Orbeck

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