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Landtagswahl Sachsen Bildung ist Top-Thema – auch beim Finale der LVZ-Wahlforen
Leipzig Wahl Landtagswahl Sachsen Bildung ist Top-Thema – auch beim Finale der LVZ-Wahlforen
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00:10 31.08.2019
Die Gäste von LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer (links) beim Wahlforum gestern Abend in der Kuppel des Verlagshauses waren (von links nach rechts): Dirk Panter (SPD), Christin Melcher (Grüne), Robert Clemen (CDU), Michael M. Pfüller (FDP), Jörg Kühne (AfD), Beate Ehms (Die Linke) und André Soudah (Freie Wähler). Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Auch das letzte der 60 Wahlforen, zu denen die Landeszentrale für politische Bildung und die großen sächsischen Tageszeitungen in den vergangenen Wochen eingeladen hatten, wurde durch ein Thema dominiert. Auch am Freitagabend in der LVZ-Kuppelhalle stimmten die meisten Besucher vor dem Veranstaltungsbeginn für eine Diskussion über Bildung und Erziehung – mit einigem Abstand noch für Inneres und Sicherheit.

Kandidaten für Leipzig-Mitte vorgestellt

Chefredakteur Jan Emendörfer stellte dann die Direktkandidaten des Wahlkreises 31 (Leipzig-Mitte) in Kurzbiografien vor. Zu dem Wahlkreis gehören alle Stadtbezirke, die mit dem Wort Zentrum beginnen, zudem noch Reudnitz-Thonberg. Bei den Landtagswahlen 2014 hatte sich das Direktmandat die damalige Sozialministerin Christine Clauß (CDU) mit 25,2 Prozent der Erststimmen geholt. Diesmal treten unter anderem an: Landtagsmitglied Dirk Panter (SPD, 45, Verwaltungswissenschaftler, zwei Kinder), Sachsens Grünen-Chefin Christin Melcher (36, Master in Philosophie und Logik, ein Kind), Landtagsmitglied Robert Clemen (CDU, 52, studierter Musiker, ein Kind), Michael M. Pfüller (FDP, 37, Wirtschaftsjurist, zwei Kinder), Stadtrat Jörg Kühne (AfD, 51, Krankenkassenverlagsangestellter, ledig), Stadträtin Beate Ehms (Die Linke, 54, Juristin beim MDR, drei Kinder) sowie André Soudah (Freie Wähler, 42, studierter Volkswirt und Unternehmensberater). Soudah war noch bis zum Februar 2019 Stadtverbandschef der Leipziger SPD.

CDU und Grüne weit auseinander

Auffallend war zunächst, dass sich die Grüne Melcher und der Schwarze Clemen besonders wenig schenkten. Während Letzterer betonte, dass Sachsen Klassenbester in den Pisa-Tests sei und das sächsische Gymnasium geschützt werden müsse, forderte Melcher, die CDU solle „endlich ihre Scheuklappen“ gegenüber der Gesamtschule ablegen. Diese solle ja nur als eine mögliche Option den Schulen ermöglicht werden. „Man muss deutlich sagen, dass die CDU das Problem fehlender Lehrer selbst verschuldet hat“, so die Grüne weiter. Als Bildungspolitikerin stehe sie für gleiche Bezahlung für alle Lehrkräfte – unabhängig von der Schulart, für eine Ausbildungsvergütung der Erzieher, mehr Personal und mehr Selbstbestimmung in den Bildungseinrichtungen.

Dem entgegen erklärte Clemen den Lehrermangel auch mit einer Regelung in den Neunzigerjahren, nach der zum Beispiel Grundschullehrer nur noch 56 Prozent arbeiten durften. „Andere Bundesländer hatten damals rigoros entlassen.“ Das habe zu weniger Ausbildung geführt. Deutlich mehr Studienplätze in Sachsen und die Verbeamtung von Lehrern zeigten aber längst erfreuliche Wirkungen.

Kopfnoten in Betragen und Ordnung umstritten

AfD-Mann Kühne sprach sich gegen Seiteneinsteiger im Lehrerberuf aus. Er forderte ein gemeinsames Lernen bis zur 6. oder 8. Klasse, mehr Aktivitäten, um die Zahl der Schulabbrecher zu senken und dabei auch ruhig mal „eine harte Hand“. Die Kopfnoten sollten unbedingt bleiben.

„Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was die AfD unter einer harten Hand versteht“, monierte Beate Ehms. Die Linke unterstütze klar die Gesamtschule. Das Bildungssystem in Sachsen sei leider bundesweit am wenigsten durchlässig. Von 100 Absolventen mit Hochschulreife seien hier nur 27 Arbeiterkinder. Betragensnoten wären „echt letztes Jahrhundert“.

Klassenteiler an privaten Schulen kleiner

Seine Lebensgefährtin sei Grundschullehrerin, jedoch an einer Privatschule, wo der Klassenteiler bei 16 Kindern liege, berichtete André Soudah. Für eine bessere Arbeit solle der staatliche Klassenteiler von 26 auf 20 gesenkt werden.

Ob die Sanierung der Gebäude und Sanitäranlagen oder die Einführung von digitalen Lernunterstützungen – es dauere alles noch viel zu lange, so Michael M. Pfüller. Der Liberale forderte mehr Freiheiten und mehr Geld für die Schulen.

Die SPD habe entscheidend daran mitgewirkt, dass die Stadt Leipzig vom Freistaat im aktuellen Doppelhaushalt 166 Millionen Euro Extrazuschüsse für die Schulsanierung erhält, erklärte Dirk Panter. In der letzten Legislatur seien vor allem die Oberschulen gestärkt worden, um die Schulabbrecherquote zu senken.

Erfreulicher Beitrag zur Debattenkultur

Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, dankte den beteiligten Tageszeitungen – auch im Namen der Parteien – für die gute Zusammenarbeit bei der Veranstaltungsreihe. Die Foren in jedem Wahlkreis seien von insgesamt rund 7000 Besuchern zur Meinungsbildung genutzt worden, sie hätten „einen erfreulichen Beitrag zur Debattenkultur“ geleistet.

Von Jens Rometsch

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