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Landtagswahl Sachsen Die CDU ist in der Wählergunst der Leipziger immer noch ganz vorn
Leipzig Wahl Landtagswahl Sachsen Die CDU ist in der Wählergunst der Leipziger immer noch ganz vorn
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11:12 02.09.2019
Reger Betrieb herrschte in den Wahllokalen – wie hier in der Helmholtzschule. Die Wahlbeteiligung in Leipzig lag am Ende bei 65,1 Prozent (2014: 44,3 Prozent). Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Die CDU ist Gewinner der Landtagswahl in Leipzig – auch wenn sie mit einem Stimmenanteil von 25,4 Prozent 4,5 Prozentpunkte in der Wählergunst verlor. Die zweitmeisten Stimmen in Leipzig erzielten die Grünen, die ihren Stimmenanteil von 11,3 Prozent auf 18,1 Prozent steigern konnten. Auf Platz drei folgt die AfD, die sich in Leipzig als Gewinner der Wahl sieht, weil sie ihren Stimmenanteil von 7,3 Prozent auf 17,3 Prozent steigern konnte – einen größte Zuwachs schaffte am Sonntag keine Partei. Leipzigs Linke kommt mit 15,9 Prozent – 6,7 Punkte weniger als bei der letzten Landtagswahl – auf Platz 4. Die SPD stürzte in Leipzig von 16,2 Prozent auf 9,9 Prozent ab. Die FDP erreichte 3,9 Prozent, die Freien Wähler 2,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung in Leipzig lag am Ende bei 65,1 Prozent (2014: 44,3 Prozent).

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“

Die Christdemokraten konnten in Leipzig auch die mit Abstand meisten Direktmandate erobern – ihre jetzt vier Mandate sind allerdings zwei weniger als bei der letzten Landtagswahl (siehe Seite 14). Die Grünen konnten zwei Direktmandate gewinnen, die Linken eins.

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„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, kommentierte Leipzigs CDU-Kreischef Robert Clemen das Abschneiden der Christdemokraten. Clemen war selbst für den Landtag angetreten, bekam jedoch nicht genug Stimmen. „Das war nach der Europawahl vorherzusehen“, sagte er und hob hervor, dass der CDU-Verlust an Wählerstimmen in Leipzig geringer war als im Landesdurchschnitt. „Das ist nicht schön, aber besser als erwartet“, so Clemen.

Zufrieden äußerten sich die siegreichen Direktkandidaten der Christdemokraten. „Das war die härteste Wahlkampagne, die mein Team und ich geführt habe“, sagte der alte und neue Landtagsabgeordnete Andreas Nowak. „Dieser Sieg ist aber auch ein Lohn für fünf Jahre ganz intensive Wahlkreisarbeit.“ So habe er unter anderem sein Wahlkampfversprechen wahr gemacht, dass die S-Bahn ab 2021 in Grünau alle 15 Minuten fahren wird.

„Wenn es einer richtet, dann ist es der Pohle

Ronald Pohle führte seinen Wiedereinzug in den Landtag auf seine gute Vernetzung im Wahlkreis zurück. „Die Leute wissen: Wenn es einer richtet, dann ist es der Pohle“, sagt der Unternehmer. Er sei finanziell unabhängig und habe deshalb auch keine Scheu, in Dresden gegen seine eigene Partei zu stimmen, wenn dies seinem Wahlkreis nutzt.

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Der Christdemokrat Holger Gasse begründete seinen Erfolg ähnlich. „Ich denke, die Menschen merken, wenn man an den Dringen dran beleibt und hoch motiviert ist“, erklärte er. Für ihn hätten die Ergebnisse der letzten Legislaturperiode gesprochen – unter anderem die Einlösung seiner Zusage, ein Gymnasium in der Ihmelsstraße anzusiedeln. Der ebenfalls erfolgreiche CDU-Landtagsabgeordnete Wolf-Dietrich Rost war am Sonntag Abend für Nachfragen nicht erreichbar.

Bei den Grünen konnten Christin Melcher und Claudia Maicher über Direktmandate jubeln. „Ich habe es nicht erwartet, aber gehofft“, sagte Melcher über ihr deutliches Ergebnis in Leipzig-Mitte. „Vor zwei Jahren hätte hier keiner an so ein Resultat gedacht. Aber das AfD-Ergebnis ist furchtbar.“

„Das Gesamtbild ist sehr unerfreulich“

Auch Maicher nannte das Gesamtbild der Wahl „sehr unerfreulich“, ist aber glücklich über ihren Sieg in Leipzig-Südwest. „Dieses Ergebnis zeigt, dass wir mit unserer progressiven Politik in Sachen Klimapolitik und dem Plädoyer für Weltoffenheit die Menschen erreicht haben. Auch mit dem Ergebnis im Land können wir zufrieden sein, es ist unser bisher stärkstes. Das Gesamtbild der Landtagswahl ist aber sehr unerfreulich.“

Juliane Nagel (Linkspartei) zeigte sich vom Zuspruch der Wähler überwältigt. „Ich habe einen klaren Auftrag bekommen und werde meine Politik für ein offenes und gerechtes Land fortführen“, kündigte sie an. Dabei werde sie „noch lauter sein“. Das landesweite Ergebnis ihrer Partei sei eine klare Niederlage. „Wir müssen in die Offensive gehen für ein soziales, freiheitliches Sachsen“, erklärte sie. „Und wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Menschen geschützt und gestärkt werden, wo der rechte Mob Oberwasser hat.“

„Wir haben Menschen zu verstehen gegeben, dass wir uns um ihre Probleme kümmern“

AfD-Kreischef Siegbert Droese hatte bis zuletzt gehofft, dass seine Partei ein Direktmandat in Grünau gewinnt – was jedoch nicht gelang. Andere Parteien hätten Flyer verteilt, in denen sie der AfD Dinge untergeschoben hätten, die nicht stimmten, behauptete Droese. „Das hat uns am Ende vielleicht die Prozentpunkte zum Direktmandat gekostet. Aber wir haben den Menschen zu verstehen gegeben, dass wir uns um ihre Probleme kümmern.“

Von Andras Tappert und Mark Daniel

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