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Landtagswahl Sachsen Sachsen-Wahl: Spitzenkandidaten liefern sich Schlagabtausch in Dresden
Leipzig Wahl Landtagswahl Sachsen Sachsen-Wahl: Spitzenkandidaten liefern sich Schlagabtausch in Dresden
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08:18 22.08.2019
Jan Emendörfer (M) und l.: Michael Kretschmer (CDU), Rico Gebhardt (Linkspartei) und r.: Holger Zastrow (FDP) am Mittwoch bei der Veranstaltung: "Sachsen-Wahl 2019 - Die Debatte" im Kongresszentrum in Dresden.
 Quelle: Thomas Kretschel/kairospress
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Dresden

Der amtierende Ministerpräsident gegen fünf Herausforderer: Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen ging am Mittwochabend im Dresdner Kongresszentrum der Wahlkampf-Höhepunkt über die Bühne. Gut zwei Stunden lang stellten sich CDU-Spitzenkandidat Michael Kretschmer und die Spitzenkandidaten Rico Gebhardt (Linke), Martin Dulig (SPD), Jörg Urban (AfD), Katja Meier (Grüne) und Holger Zastrow (FDP) einem politischen Schlagabtausch.

Eingeladen hatten dazu die drei großen sächsischen Regionalzeitungen Freie Presse, Sächsische Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Moderiert wurde die „Elefanten-Runde“ vor rund 400 Lesern, darunter rund 80 LVZ-Leser aus Leipzig, von den Chefredakteuren Torsten Kleditzsch (FP), Uwe Vetterick (SZ) und Jan Emendörfer (LVZ).

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Wahlforum der Spitzenkandidaten zur Sächsischen Landtagswahl

AB 18 Uhr LIVE: Sächsische Elefantenrunde - drei Chefredakteure befragen anderthalb Wochen vor der Landtagswahl sechs Spitzenkandidaten.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Mittwoch, 21. August 2019

Gäste entscheiden sich für Thema Schule als Start

Die Gäste konnten vorab entscheiden, welcher von den drei Themenblöcken - Bildung, innere Sicherheit und ländlicher Raum - zuerst diskutiert werden soll. Die Abstimmung fiel deutlich für das Thema Schule aus. In dem Block ging es speziell um eines der brennendsten Themen im Freistaat: Sollen Schüler länger gemeinsam lernen? Oder soll die Trennung weiter wie bisher nach der vierten Klasse erfolgen?

CDU-Spitzenkandidat Kretschmer sah sich bei dieser Frage einer breiten Gegnerschaft gegenüber. Er pochte zwar auf die Erfolge von Sachsen bei Bildungsvergleichen, „da wäre es falsch, etwas im System zu verändern“.

Kurz vor der Landtagswahl stellten sich die Spitzenkandidaten verschiedener Parteien den drängendsten Fragen der Sachsen.

Grüne, SPD und Linke forderten dagegen strikt, die Trennung nach der vierten Klasse aufzuheben. Martin Dulig und Katja Meier machten deutlich, dass bei einer möglichen Regierungskoalition mit SPD und Grünen eine Änderung des Schulgesetzes zwingend erfolgen müsse. Während Jörg Urban für die AfD auch die Stärkung der Oberschulen anmahnte, sagte FDP-Kandidat Zastrow, dass eine gewachsene Schulstruktur nicht zerstört werden könne. „Das kostet zu viel.“

Was tun gegen Einbrüche und für mehr Sicherheit?

Im zweiten Block drehte sich alles um die innere Sicherheit. Per Film-Einspielung klagte ein Unternehmer aus dem Raum Marienberg über zahlreiche Einbrüche in der Grenzregion. Wie das verhindert werden könne, wollte er von der Runde wissen.

Für die CDU machte Kretschmer klar, dass das nur über mehr Polizei gehen könne. Deshalb werde es in den nächsten Jahren 1000 Neueinstellungen geben. Auch die Video-Überwachung im Raum Görlitz, so Kretschmer, sei aus der Sicht der Bürger ein Erfolg.

AfD-Kandidat Urban mahnte dagegen weiter dichte Grenzkontrollen an und forderte stärkere rechtliche Konsequenzen für gefasste Straftäter, wenn nötig auch die schnelle Abschiebung. Grüne, Linke und SPD machten deutlich, dass mehr Polizei auch kein Allheilmittel sei. Bei der Videoüberwachung kündigte Katja Meier (Grüne) erneut an, dass es gemeinsam mit den Linken eine Verfassungsklage geben werde. Auch Zastrow pochte für die Liberalen auf die Einhaltung der Bürgerrechte.

Stirbt die Lausitz aus?

Schwerpunkt drei des Abends war der ländliche Raum. Wie kann verhindert werden, dass die Lausitz ausstirbt, fragte ein Mann aus Hirschfelde per Film. „Die Lausitz stirbt nicht aus“, sagte zwar der Lausitzer Kretschmer. Er musste aber auch eingestehen, dass die Abwanderung ein großes Problem in der Region bleibe. Dass zwischen den Sachsen-Metropolen Leipzig und Dresden und dem ländlichen Raum eine große Diskrepanz besteht - darüber waren sich alle Kandidaten einig.

Wie der Freistaat aus dieser Schieflage herauskommt, darüber gab es dann die verschiedensten Vorschläge - von besserer Verkehrsanbindung bis mehr Ärzte aufs Land. Zur Sache ging es vor allem beim Thema Braunkohle-Ausstieg. Kretschmer und Dulig verwahrten sich heftig gegen Vorwürfe von Zastrow, dass Mittel für den Strukturwandel nach dem Ausstieg 2038 auch für den Naumburger Dom Verwendung finden sollen.

Mit der Frage an die Kandidaten, was sie sich von Sachsen bis 2030 wünschen, ging der Abend zu Ende. LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer dankte ihnen im Namen aller drei Zeitungen für eine „faire und spannende Debatte“. 

Von André Böhmer

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