Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Landtagswahl Sachsen Viele Leipziger wünschen sich einen anderen Freistaat
Leipzig Wahl Landtagswahl Sachsen Viele Leipziger wünschen sich einen anderen Freistaat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:27 02.09.2019
Der Andrang riss nicht ab – hier im Wahllokal in Wiederitzsch. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

In Leipzigs Wahllokalen musste sich am Sonntag niemand über Langeweile beschweren: Als dort um 8 Uhr die Pforten geöffnet wurden, setzte ein Strom von Wählern ein, der bis 18 Uhr nirgendwo abriss. „Es läuft aber alles geordnet; es gibt nichts, was aus dem Rahmen fällt“, erklärte kurz nach 14 Uhr Wohlvorsteherin Andrea Schmutzler, die ihr Quartier in der alten Wiederitzscher Schule aufgeschlagen hatte.

Schelte und Lob für die CDU

Dort hatte unter anderem Rentner Lutz Schubert seinen Wahlzettel ausgefüllt. „Ich hoffe, dass die CDU abgewählt wird“, erklärte der 75-Jährige, als die LVZ wissen wollte, wie er die sächsische Landespolitik beurteilt. „Die CDU heißt für mich Merkel und die ist nicht gut für unser Land.“ Schubert lastet der Partei unter anderem an, dass es „immer mehr Kriminelle im Land gibt“ und dass sie im Wahlkampf „nicht ehrlich“ gewesen sei.

Ganz anders war der Tenor in zentrumsnahen Stadtteilen wie Lindenau. "Ich bin wählen gegangen, weil die AfD nicht Fuß fassen darf", erklärte dort im Wahllokal in der Helmholtzstraße Alexander Bengs (32). "Jeder soll merken, dass hinter der AfD nur eine Minderheit steht." Er sei für eine offene Gesellschaft mit möglichst vielen Fahrradstraßen. Seine Ehefrau Nadine Reinhold-Bengs (33) sieht das ähnlich. "Ich bin seit zehn Jahren in Leipzig und die Stadt hat sich extrem nach vorn entwickelt", erklärte sie. "Aber wir brauchen im ganzen Land eine bessere Umweltpolitik." Auch mehrere andere Besucher dieses Wahllokals sagten dies.

Ergebnisse der Landtagswahl

Wahlkreise in Sachsen: Alle Ergebnisse im Überblick

Interaktive Karte: So ist die Wahl in Leipzig ausgegangen

AfD zieht mit mindestens 33 Abgeordneten in den Landtag ein – Schwarz-Grün fehlt die Mehrheit

Ganz anders sah das ein Mittfünfziger, der kurz nach ihm das Wahllokal verließ. „Mir geht es gut, ich bin zufrieden“, erklärte der Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. „Ich habe Arbeit – für mich hat Schwarz-Rot gehalten, was versprochen wurde.“

Mandy Busch (28) und ihr Partner Simeon Endler (31) waren wählen, weil sie eine gute Zukunft für ihre zweijährige Tochter Mia wollen. „Wir wollen, dass mehr für Sicherheit und für die Familie getan wird“, erklärte sie. Ihn ärgert, dass „so viele Rentner im Land eine Rente bekommen, die nicht ausreicht“. „Immer mehr brauchen Unterstützung vom Amt, das geht so nicht“, sagte Endler. „Ich fürchte, dass es für mich einmal gar keine Rente mehr gibt. Das muss sich ändern.“

Kritik an Kita- und Lehrermangel

Ein anderes junges Paar kritisierte, dass es zu wenig Kita-Plätze gibt. „Auch der Lehrermangel ist inakzeptabel“, sagte die junge Frau, die wie ihr Partner ihren Namen nicht nennen wollte. Ihn stört, dass die Schule ihres gemeinsamen Kindes keine Spielgeräte anschaffen kann, weil Geld fehlt. „Und ein paar hundert Meter weiter entsteht für viele Millionen Euro eine Flüchtlingsunterkunft, die nicht ausgelastet ist und in der Tischtennisplatten und andere Dinge stehen.“

Nach der Landtagswahl

Der Tag danach: Wie geht’s weiter in Sachsen und bis wann muss die Regierung stehen?

Sachsens AfD-Chef strebt Neuwahl an

Ex-Polizeichef Bernd Merbitz scheitert – So haben prominente Kandidaten abgeschnitten

Landtagswahl: So haben sich die Kräfte in Sachsen verschoben

So haben sich die Kräfte in Brandenburg verschoben

Wollen eine bessere Umweltpolitik: Alexander Bengs und Nadine Reinhold-Bengs mit Tochter Maria Inessa. Quelle: Dirk Knofe

„Es muss mehr umverteilt werden“

Will mehr Unterstützung für den ländlichen Raum: Carsten Ritter. Quelle: Dirk Knofe

Für einen 34-Jährigen, der nur seinen Nachnamen Schneider verrät, muss Sachsens Landesregierung mehr für die kleinen Leute tun. „Das ist in den vergangenen Jahren viel zu kurz gekommen“, sagte er. „Es muss mehr Geld an Niedrigverdiener umverteilt werden und für die kleinen Leute müssen zum Beispiel mehr preiswerte Mietwohnungen entstehen.“

Fordert mehr Konzentration auf Familie und Soziales: Thomas Rosanski. Quelle: Dirk Knofe

„Mehr Freiheit und mehr Rechte für den Einzelnen“

Katharina Wehrhahn (30) sieht dies ähnlich. „Es muss mehr für junge Familien, für die Kinderbetreuung und für das Fahrradfahren getan werden", fordert sie. Letzteres geschehe bereits in Leipzig, „aber nicht im ganzen Land“. Ihr Partner Sascha Müller (32) will, dass es in Sachsen „keinen deutlichen Rechtsruck“ gibt. „Ich will nicht, dass unser Kind in einem rechten Land aufwächst“, sagte er. Er und seine Partnerin wollen ein Land mit „mehr Freiheit und mehr Rechten für den Einzelnen – so lange es niemandem weh tut“.

Lesen Sie auch:
Kommentar – Noch ist Sachsen nicht verloren

Von Andreas Tappert

Die AfD hat am Sonntagabend ihren Protest gegen das Wahlergebnis in Sachsen angekündigt. Die Partei darf nur mit 30 Listenkandidaten in den Landtag einziehen, obwohl ihr laut Hochrechnungen mehr Mandate zustehen.

02.09.2019

Sachsen hat gewählt. Alle Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen finden Sie auf unserer interaktiven Karte.

02.09.2019

Wie hat Leipzig gewählt? LVZ.de zeigt die Gewinner und Verlierer und verrät in welchen Ortsteilen die einzelnen Parteien ihre Hochburgen haben.

02.09.2019