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Landtagswahl Thüringen Linke gewinnt im Altenburger Land – CDU gibt Direktmandat an AfD ab
Leipzig Wahl Landtagswahl Thüringen Linke gewinnt im Altenburger Land – CDU gibt Direktmandat an AfD ab
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23:54 27.10.2019
Jubel bei der Linken in der Altenburger Geschäftsstelle nach der ersten Hochrechnung zur Thüringer Landtagswahl 2019 Quelle: Thomas Haegeler
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Altenburg

Erstmals seit dem Mauerfall verliert die CDU bei einer Landtagswahl im Altenburger Land ein Direktmandat. Den Wahlkreis 43 mit Schmölln, Meuselwitz und Lucka musste Simone Schulze (CDU) mit 23,7 Prozent an Thomas Rudy abgeben, der 29,5 Prozent holte. Den Wahlkreis 44 konnte Christoph Zippel (CDU) mit 37 Prozent verteidigen. Bei den Zweitstimmen lagen allerdings die Linken mit 29,6 Prozent vorn, vor der AfD (28,7). Die Wahlbeteiligung betrug 59 Prozent und war damit eine der schlechtesten in ganz Thüringen.

Lautstarkes Klatschen und vereinzelte Freudenschreie gab es in der Geschäftsstelle der Linken in der Altenburger Moritzstraße, als der Balken der ersten Hochrechnung der ARD bei 29,5 Prozent endete. Auch das Abrutschen der CDU auf 22 Prozent nahmen die gut 20 Anwesenden kurz nach 18 Uhr wohlwollend zur Kenntnis. Die Geräuschkulisse änderte sich aber beim Blick auf das Abschneiden der beiden Koalitionspartner von SPD und Grüne. „Oh“, war besonders bei den Grünen, die nur noch knapp über 5 Prozent lagen, zu vernehmen.

Linke sehen klaren Regierungsauftrag

„Das tut mir wirklich weh“, sagte die Schmöllner Landtagsabgeordnete Ute Lukasch (Linke) mit Blick auf das schwache Abschneiden der bisherigen Regierungspartner. Ansonsten überwog bei ihr die Freude über den Wahlsieg der eigenen Partei den Ärger über den wiederholten Rang zwei im Wahlkreis 43. Der Altenburger Direktkandidat, Ralf Plötner, zeigte sich mit dem Abschneiden ebenfalls „sehr zufrieden“. „Das ist ein klarer Regierungsauftrag für uns und Bodo Ramelow“, so der Kreischef der Linken. „Wir haben seit 1990 zu jeder Wahl zugelegt.“

AfD verhöhnt CDU-Chef Mohring

Lautstark feiern die AfD-Anhänger ihr Ergebnis in der Geschäftsstelle in der Kesselgasse, unter ihnen Kreissprecher Thomas Rudy (vorn 2.v.l.) Quelle: Jens Rosenkranz

Ebenfalls mit ohrenbetäubendem Jubel quittierten die AfD-Anhänger in der Geschäftsstelle in der Kesselgasse den 18 Uhr verkündeten Zugewinn für ihre Partei. Schnell folgte der Sprechchor: „Mohring, Mohring – alles ist vorbei“, mit dem die Anwesenden den gescheiterten Versuch des CDU-Landeschefs Mike Mohring verhöhnten, eine Regierung der Mitte mit SPD, Grünen und FDP zu bilden. „Unser Hauptziel, die rot-rot-grüne Landesregierung zu verhindern, ist aufgegangen“, freute sich AfD-Kreissprecher Thomas Rudy. Das gelte auch für eine CDU-geführte Regierung, es sei denn, die Union setze Mohring ab und koaliere doch noch mit der AfD. „Ansonsten führt kein Weg an Neuwahlen vorbei“, sagte Rudy der OVZ.

Von dem Sieg in seinem Wahlkreis zeigte er sich überrascht. Da habe ich mit einem Kopf-An-Kopf-Rennen mit den Kandidaten von Linken und CDU gerechnet. Offenbar haben sein Wahlkampf und seine Themen die Wähler überzeugt. Das starke Abschneiden der AfD im Landkreis werde er nutzen, um dem Altenburger Land in Erfurt ein stärkeres Gewicht zu verschaffen, kündigte Rudy an.

Betretene Mienen in CDU-Geschäftsstelle

Betretene bis angespannte Gesichter in der CDU-Geschäftsstelle nach den ersten Hochrechnungen. Quelle: Thomas Haegeler

Ganz anders die Stimmung bei der CDU. Nur rund ein knappes Dutzend Parteimitglieder hatten sich aufgrund von Krankheitsfällen und anderweitiger Verpflichtungen in die Geschäftsstelle am Weibermarkt verirrt. Ihre Mienen wirkten nicht nur nach den ersten Hochrechnungen mit Werten um die 22 Prozent angespannt bis betreten. Schließlich blieb das bis zum Schluss so.

Daran konnte auch Zippels letztlich klar verteidigtes Mandat nichts ändern. So zeige der Blick auf die Zweitstimmen das aktuelle CDU-Potenzial im Kreis, erklärte Zippel. „Wenn die AfD einen Kandidaten gehabt hätte, wäre es nicht so deutlich geworden.“ Er werte das Ergebnis als doppelte Aufgabe. „Zum einen, mich für den Wahlkreis einzusetzen und zum anderen auf Landesebene Inhalte und Personen zu hinterfragen.“

Von Thomas Haegeler und Jens Rosenkranz

Tief enttäuscht haben die beiden Direktkandidaten der Grünen, Bernhard Stengele und Nick Purand, auf ihr eigenes und das Abschneiden der Grünen reagiert. Für eine Überraschung sorgte dagegen der Kreischef der Freien Demokraten. Marco Thiele holte in seinem Wahlkreis 13 Prozent und damit mehr als SPD und Grüne.

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