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OBM-Wahl in Leipzig Im Porträt: OBM Kandidatin Gabelmann will Leipzigs Charakter bewahren
Leipzig Wahl OBM-Wahl in Leipzig Im Porträt: OBM Kandidatin Gabelmann will Leipzigs Charakter bewahren
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18:01 16.01.2020
Ute Elisabeth Gabelmann (unabhängig) beim Wahlkampf in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Dass Ute Elisabeth Gabelmann Leipzigs erste Oberbürgermeisterin werden will, liegt eigentlich an den anderen OBM-Kandidaten. „Als ich gesehen habe, wer sich um das Amt bewirbt, hab ich mir gesagt: Das kannst Du Leipzig nicht antun, da musst Du selber kandidieren“, erzählt die 38-Jährige, die in Wernigerode geboren wurde und seit 20 Jahren in Leipzig lebt. Sie habe etwas gegen „Großmannsucht, ohne die Folgen zu bedenken“ oder „Ankündigungen, denen keine Taten folgen“, meint die selbstständige Kommunikationstrainerin. Sie stehe dagegen für eine „pragmatische, bodenständige Politik“. Gabelmann: „Ich möchte gern, dass Leipzig eine kleine Großstadt oder eine große Kleinstadt bleibt. Unsere Stadt darf keine gesichtslose Großstadt werden wie Berlin, sie muss Charakter behalten.“

„Bürger zum Selberdenken anregen“

Dies verlange auch eine bestimmte Art von Oberbürgermeisterin, glaubt sie. Sie müsse unabhängig und überparteilich sein – so wie Gabelmann sich sieht. „Eine Leipziger Oberbürgermeisterin muss für alle da sein, nicht vor allem für die eigene Parteiklientel“, meint sie. Leipzigs oberster Bürger sollte auch viel stärker auf die Wünsche der Bürgerschaft hören. „Eine seiner Hauptaufgaben muss sein, die Bürger zum Selberdenken anzuregen“, sagt die studierte Journalistin. „Selberdenken ist eine schöne Sache, aber dafür braucht man Informationen.“

„Videokameras bringen keine Sicherheit“

Dafür ist Gabelmann 2007 politisch aktiv geworden, zunächst im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, der sich vor allem mit Überwachungsthemen befasst. Sie glaubt auch heute, dass sich mit Videokameras nicht mehr Sicherheit erreichen lässt. „Dafür braucht es mehr Personal bei der Polizei, eine bessere Ausstattung und eine bessere Ausbildung der Polizeibeamten“, betont sie.

Im Jahr 2009 heuerte die ledige Leipzigerin – die nach eigenen Angaben „seit 13 Jahren glücklich verliebt“ ist – bei der Piratenpartei an. Diese unterstützt jetzt auch Gabelmanns OBM-Kandidatur, ebenso wie die Humanistenpartei, die Partei Demokratie in Bewegung und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP).

2014 bis 2019 im Stadtrat

Für die Piraten zog die Ostdeutsche im Jahr 2014 in den Leipziger Stadtrat ein und arbeitete dort fünf Jahre – zuletzt in der Freibeuter-Fraktion. Dort hat sie unter anderem dafür gekämpft, dass die Stadtratssitzungen im Internet übertragen werden. Sie hat auch eine Kampagne gegen 1-Millionen-Euro-Zuschuss der Stadt für den Katholikentag initiiert und das Ziel nur knapp verfehlt: Statt der notwendigen 22 500 Unterschriften waren „nur“ 18 400 zusammen gekommen.

„Bürger auf allen Ebenen beteiligen“

„Ich stehe für mehr Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen“, betont die Gohliserin. Mit ihr als Oberbürgermeisterin würden in vielen Stadtteilen Bürgerforen zu verschiedenen Themen stattfinden, um die Wünsche der Leipziger stärker in die Stadtpolitik einfließen zu lassen. „Was vor Ort notwendig ist, weiß niemand besser als die Bürger selbst“, meint sie. Deshalb will sie auch einen „echten Bürgerhaushalt“ aufstellen lassen – also einen mit einem Budget, das nach dem Willen der Leipziger verwendet werden soll.

Als OBM würde ich zuerst...

...mich mit den Mitarbeitern zusammensetzen, die direkt mit mir zusammenarbeiten und bei jedem ein Praktikum für einen Tag machen. Ich will ja mit ihnen arbeiten und nicht gegen sie. Was mir Mitarbeiter des Rathauses erzählt haben, wie die Stadtspitze jetzt mit ihnen umgeht, würde es mit mir nicht geben. Ich will eine andere Rathauskultur. Dann würde ich Bürgerkonferenzen in verschiedenen Stadtteilen durchführen, um zu hören, was die Leipziger dort bewegt. Ich kenne ja die Probleme von Stadtteilen wie Grünau nicht so gut wie die Grünauer. Als drittes würde ich die Bürgerbeteiligung deutlich verstärken – sie würde nicht mehr nur zu Themen der Stadtentwicklung stattfinden, sondern auch in Bereichen wie Kultur oder Wirtschaft. Bei mir kommt es nicht vor, dass Entscheidungen wie die über die Freilegung des historischen Pleißemühlgrabens gegen ein Bürgervotum von 64 Prozent getroffen werden.

Mehr zur Leipziger OBM-Wahl lesen Sie hier.

Von Andreas Tappert

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