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Zuhause - Wohnen, Einrichten, Gestalten Was man vom Hoteldesign für die eigene Einrichtung lernen kann
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15:14 22.01.2020
Trends aus dem Urlaub in das eigene Wohnkonzept mitnehmen. Quelle: Christian Kretschmar für JOI-Design

Hoteldesign – die spezielle Form der Inneneinrichtung betrifft all jene Bereiche des Hotels, die der Gast sehen kann. „Alle öffentlichen Bereiche werden vom Hoteldesigner gestaltet. Das reicht bis zum privaten Bereich mit Zimmer und Bad“, erläutert Corinna Kretschmar-Joehnk, Geschäftsführerin von JOI-Design. Seit 1984 entwirft die Firma Raumkonzepte für die internationale Hotellerie. „Spannend ist das, weil es sich hier um ganz verschiedene Bereiche handelt. Einmal das sehr Öffentliche und dann wieder intime Bereiche, in denen man mit sich ist – da muss man jeweils in einer ganz anderen Skalierung denken“, erklärt die 51-Jährige.

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Wohnen im Design

Vor allem müssen Hoteldesigner dabei an das Erlebnis des Gastes denken, der mit den Gegenständen lebt. „Wir entwerfen als Menschen für Menschen, schaffen Lebensräume und reagieren auf wechselnde Wünsche.“ Das bedeutet, am Puls der Zeit zu bleiben und ein Gespür dafür zu haben, was Gäste von ihrem Hotel erwarten.
Grundsätzlich muss ein Zimmer sowohl dem Business-Reisenden als auch dem Paar auf WochenendTrip gefallen. Hierbei gibt es klare Trends: „Frauen reisen immer mehr im Business, damit haben sich die Anforderungen geändert. Mehr Ablageflächen sind gefragt und gute Beleuchtung im Bad, die keine Schatten wirft, sowie Ganzkörperspiegel“, sagt die Designerin. „Wir springen glaub ich auch mehr auf atmosphärische Elemente an. Emotionale Wohlfühlkomponenten werden wichtiger.“

 

Funktion und Wohlgefühl auf kleinem Raum: Im Hoteldesign kommt es auch auf kleine technische Details, gemütliche Nischen in öffentlichen Bereichen und gut durchdachte Ablageflächen an. Quelle: Christian Kretschmar für JOI-Design

Lichtstimmung ist dabei ein Thema. „Es muss hell genug sein, um sich sicher zu fühlen. Bewegungslicht und Lichtpunkte in öffentlichen Bereichen gehören dazu.“ Im Zimmer wiederum dürfe es nicht zu hell sein. Hier braucht es indirektes Licht. Stimmungsvolle Effekte erziele etwa eine beleuchtete Kleiderstange.


Kernelemente im Raum sind ohne Frage Bett und Dusche. „Dann gibt es viele Spielwiesen drum herum, zum Beispiel Ablageflächen für den Koffer und Hängemöglichkeiten, wenn etwas nicht knittern soll.“ Hier setzen sich offene Garderobenkonzepte zunehmend durch. Die Bedienung aller technischen Geräte – vor allem im Bad – muss einfach und schnell begreifbar sein. Der Laptop braucht einen Arbeitsplatz, Steck- dosen sollten auch aus dem Bett heraus leicht erreichbar sein.
 


Die öffentlichen Bereiche sind heute offen und multifunktional – Lobby, Restaurant, Lounge und Arbeitsbereiche verschmelzen. „Als Frau alleine unterwegs hat man aber gerne verschiedene Bereiche, etwas Geschützeres“, findet Corinna KretschmarJoehnk. Daher wird „zoniert“: Kleine Nischen vermitteln Sicherheitsgefühl.
Zimmer mit offener Garderobe. Kleine Nischen vermitteln Sicherheitsgefühl. Quelle: Christian Kretschmar für JOI-Design

Neue, alte Gemütlichkeit

„Eine witzige Entwicklung“ nennt Kretschmar-Joehnk einen augenscheinlichen Widerspruch: „Durch die digitale Welt wünschen wir es uns in den Innenräumen wieder gemütlicher. Dass man in Hotels Gemütlichkeit schafft, ist recht neu. Vor 15 Jahren war Gemütlichkeit noch ein Schimpfwort.“ Heute sei eine Rückbesinnung auf Gemütlichkeit modern – ein spannendes Wechselspiel. Denn der „Hygge“-Trend kam aus dem privaten Bereich heraus. „Wir haben uns am privaten Wohnen orientiert und das ins Hotel geholt. Man wollte kein uniformiertes Hotel mehr, eher übernachten wie bei Freunden.“

Inspiration für Zuhause

Jetzt dreht sich das wieder um: Hotels werden die Trendsetter. „Jeder sucht ‚instagrammable moments‘ und nimmt sich Inspiration aus dem Hotel mit nach Hause.“ Gäste fotografieren, filmen und posten auf Social Media überraschende oder inspirierende Details. Genau solche kleinen Details können daheim für Pfiff in der Einrichtung sorgen.
„Praktische Dinge werden immer ausgetüftelter“, sagt die Expertin. Sie empfiehlt etwa Leseleuchten am Bett, sodass der Partner schon schlafen kann. Oder einen beleuchteten Schminkspiegel auf dem Zimmer, sodass man sich nicht übers Waschbecken beugen muss. Und eine große Dusche mit guter Handbrause. „Es sind so kleine funktionale Tricks, die man für den Komfort im Hotel bieten möchte.“, fasst Corinna KretschmarJoehnk zusammen, „und das kann man sich wiederum für das eigene Zuhause abschauen. Dann hat man es da auch funktionaler.“

Traumhaftes Trendmöbel: Kauftipps für das Boxspringbett

Traumhaftes Trendmöbel: Kauftipps für das Boxspringbett

Ein gutes Beispiel für einen Trend, der zuerst in zahlreichen Hotels und schließlich auch in privaten Schlafzimmern Einzug hielt, ist das Boxspringbett. Was macht dieses besondere Bett aus und worauf sollte man bei der Anschaffung achten?


Es ist aber nicht für jeden traumhaft. Denn während sich einer glücklich in die Kissen kuschelt, ist dem anderen das Bett zu weich, zu hoch, zu warm. Für manche ist das Boxspringbett wegen ihrer Rückenprobleme gar nicht geeignet.


„Die Entscheidung zwischen dem Lattenrost-System und einem Boxspringbett fällt vielen nicht leicht“, bestätigt Axel Augustin, Geschäftsführer des Verbandes der Bettenfachgeschäfte. Es sind zwei
Schlafsysteme, die unterschiedliche Liegegefühle vermitteln. „Das Boxspringbett verfügt nicht über einen variablen Unterbau wie der Lattenrost, darum kann man für den Becken- und Schulterbereich keine Härtegrade wählen.“ Dafür liegen die Matratzen auf dem BoxspringUnterbau eben auf. Dadurch ist die Rückstützkraft des Untergestells in allen Bereichen sehr hoch.


Für das Mehrschicht-Bett sprechen die wohnliche Optik und angenehme Höhe. „Während ein normales Bett 40 bis 50 Zentimeter hoch ist, fangen Boxspringbetten erst bei 50 Zentimetern an und können bis zu 80 Zentimeter hoch sein“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. „Da ist der Ein- und Ausstieg deutlich angenehmer.“ Auch das bessere Schlafklima sei ein Argument für das Boxspringbett. „Das Federungssystem lässt die Luft besser zirkulieren.“ Allerdings ist ein Boxspringbett pflegeintensiv. „Die Matratzen müssen regelmäßig umgedreht werden, damit sich keine Kuhlen bilden“, erklärt Geismann.


Augustin empfiehlt, beim Kauf auf Qualität und auf Variabilität zu achten. Betten, die sich kaum individualisieren lassen, sind preiswerter, können aber für große und schwere sowie für kleine und leichte Menschen problematisch werden. Bei guten Anbietern stehen diverse Federungen, Matratzentypen und Härtegrade zur Wahl.


„Am besten ist es, sich vor dem Kauf eine Liste mit wichtigen Fragen zu machen“, rät er. Wie groß und schwer sind die Menschen, die im Bett schlafen werden? Wie breit und hoch soll das Bett sein? Braucht im Doppelbett jeder eine einzelne Matratze? Sind unterschiedliche Härtegrade der Unterlagen erforderlich? Neigen die Schläfer zu starkem Schwitzen? Wenn all das geklärt ist, kommt der schönste Teil des Kaufs: Das Probeliegen ist das A und O.