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Weihnachten in Corona-Zeiten: Wie Familien neue Rituale finden

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00:58 21.11.2020
Bescherung im kleinen Kreis: So wird es dieses Jahr wohl bei den meisten Familien aussehen. Quelle: Christin Klose/dpa
Leipzig

Vereinsfeiern, Adventssingen, Verwandtenbesuche: Die Weihnachtszeit geht oft mit vielen Terminen einher. Durch die Corona-Pandemie wird das in diesem Jahr anders sein. Events finden höchstens eingeschränkt statt, von Treffen mit der ganzen Familie rücken viele lieber ab. Gibt es also nur ein Weihnachten in der Light-Variante – höchstens halb so schön wie sonst?

Auf keinen Fall, findet Autorin Nathalie Klüver: „Dass die Weihnachtszeit in diesem Jahr ganz anders ist, muss nicht unbedingt negativ sein. Schließlich fällt eine Menge Stress weg.“ Klüver beobachtet, dass viele Menschen das Weihnachtsfest mit hohen Erwartungen aufladen.

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Weniger Termine können auch entlasten

Das Menü muss perfekt durchkomponiert sein, das Wohnzimmer großartig geschmückt, alle sollen sich wohlfühlen. Fallen Besuche und Termine weg, kann das für Entlastung sorgen. Das schafft Raum, um sich zu fragen: Welche Weihnachtstraditionen mögen wir wirklich? Wen wollen wir treffen? Welche Traditionen halten wir nur aus Verpflichtungsgefühlen aufrecht?

„So können Eltern und Kinder gemeinsam zusammentragen, was sich jeder für dieses besondere Weihnachtsfest wünscht“, sagt Melanie Gräßer, Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Auf diese Weise kann man sich von dem Fest, wie man es vorher kannte, verabschieden und sich neuen Dingen öffnen.

Frust der Kinder ernst nehmen

Und doch: Gerade für Kinder kann der Frust groß sein, wenn Traditionen ausfallen oder die Oma nicht kommen kann. „Weihnachten ist ein sehr emotionales Fest“, sagt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Katharina Schiersch. „Wichtig ist, dass sich Eltern in ihre Kinder einfühlen und anerkennen, dass es eben traurig ist, wenn bestimmte Traditionen nicht stattfinden können.“

Wie füllen Familien die Vorweihnachtszeit und die Feiertage stattdessen? „Ich kann mir vorstellen, dass einige Familien davor Bammel haben – und insgeheim froh sind, dass normalerweise so viele Termine von außen festgelegt sind“, sagt Schiersch.

Dabei gibt es auch in Zeiten von Corona viele Wege, ein wohliges Weihnachtsgefühl zu erzeugen. Schiersch rät, sich in den Wochen vor Weihnachten umso mehr Zeit fürs gemeinsame Basteln, Singen oder Backen zu nehmen.

Zeit nehmen für neue Dinge

Besondere Erlebnisse entstehen, wenn Aktivitäten drinnen und draußen verbunden werden. „Viele Weihnachtsgeschichten spielen im Tierreich. Da spricht es Kinder an, wenn man diese Geschichten mit auf den Waldspaziergang nimmt“, so Schiersch. Auch das Weihnachtssingen lässt sich vom Wohnzimmer in den Wald verlegen.

Gefragt ist hier vor allem die Kreativität. „Bei der Entwicklung solcher Rituale und Ideen lassen sich auch die Kinder prima einbeziehen. Und bei allem gilt: Es muss nicht perfekt sein, viel wichtiger ist das Miteinander.“

Weihnachtsmarkt-Essen nach Hause holen

Melanie Gräßer kennt eine Frage, die bei der Gestaltung von Weihnachten Orientierung geben kann: Wie können wir das, was uns wichtig ist, anders umsetzen? Wer zum Beispiel das Weihnachtsmarkt-Essen vermisst, kann heiße Champignons, Crêpes und Kinderpunsch in der heimischen Küche zubereiten. Ob die nun auf dem Sofa oder an selbstgebauten „Marktständen“ verzehrt werden – die Füße bleiben dabei warm.

Kontakt zur Familie halten

Wie lassen sich Nähe und Verbundenheit schaffen, wenn die Familie nicht an einem Tisch sitzen kann? „Ich kann mir gut vorstellen, dass in diesem Jahr Briefe und Karten an Wert gewinnen“, sagt Nathalie Klüver.

So können Familien in der Vorweihnachtszeit Päckchen für die Liebsten packen, in denen auch selbst gebackene Kekse Platz finden. Und an den Weihnachtstagen selbst? So müde viele von den Videokonferenzen auch sind: Zum Fest können virtuelle Treffen für Verbundenheit sorgen. „Das gilt vor allem, wenn man sich zum gemeinsamen Essen verabredet – es gibt ganz viele Möglichkeiten“, sagt Katharina Schiersch.

Platzhalter für Oma und Opa finden

Selbst das Krippenspiel im Wohnzimmer kann durch Zoom, Skype und Co. vor den Augen der gesamten Familie stattfinden. Gerade für Kinder kann es tröstend sein, eine Art Stellvertreter für die fehlenden Verwandten an der Weihnachtstafel zu platzieren. „Wenn die Großeltern nicht kommen können, kann man stellvertretend für sie ein Foto oder Kuscheltiere auf dem Tisch aufstellen, so dass sie doch irgendwie dabei sind“, sagt Melanie Gräßer.

Wer die Familie an den Feiertagen sehen möchte, sich damit in geschlossenen Räumen jedoch nicht wohlfühlt, kann einen ausgiebigen Weihnachtsspaziergang anregen. Mit Zimtsternen und heißem Tee in der Thermoskanne sorgt er für ordentlich Weihnachtsstimmung – anders, aber auch gut.

Von Ricarda Diekmann/dpa