Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Aktuelles Leipziger Firma macht Mitarbeiter fit
Mehr Gesundheit Aktuelles Leipziger Firma macht Mitarbeiter fit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:50 23.03.2019
Das Gesundheitszentrum kann jederzeit von den Mitarbeitern genutzt werden. Quelle: André Kempner
Leipzig

Für Arbeitgeber ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter gesund und fit sind, damit sie effizient und konzentriert arbeiten können. Dafür setzen viele Firmen auf eine Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF).

Laut der Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK) bieten 62 Prozent der sächsischen Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitern gesundheitsfördernde Maßnahmen an.

Ziel der BGF ist es die Belastungen der Mitarbeiter zu verringern und die eigenen Ressourcen zu stärken. Es geht um ein gutes Betriebsklima, sowie um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben der Mitarbeiter.

Krankenkassen, wie die AOK Plus, helfen dabei eine Gesundheitsförderung in Unternehmen zu etablieren. „Unser Ziel ist es, Verhältnisse des Betriebes und das Verhalten der Mitarbeiter so zu gestalten, dass jeder Arbeitnehmer über den gesamten Zeitraum seiner Erwerbstätigkeit in der Lage ist, die an ihn gestellten Aufgaben gesund zu bewältigen“, erklärt Hannelore Strobel, Pressesprecherin der AOK Plus.

Aber bitte mit Hantel: Im Gesundheitszentrum der Firma Ontras in der Maximilianallee 4 in Leipzig trainieren Thomas Völkner, Stefanie Thiele, Peggy Hesse und Michael Berger (v. l.) gemeinsam für eine bessere Fitness und beugen damit Krankheiten vor. Quelle: André Kempner

Stress, Unausgeglichenheit und wenig Bewegung führen oftmals zu Erkrankungen. Laut AOK Plus sind die häufigsten Ursachen für Krankschreibungen die Atemwege, Muskel- und Skeletterkrankungen sowie die Verdauung.

Wie eine Gesundheitsförderung im Betrieb aussehen kann, zeigt die Firma ONTRAS Gastransport GmbH in Leipzig.

Schon im Eingangsbereich des Unternehmens stehen auf zwei Tischen Obstschalen mit Äpfeln, Kiwis und Bananen bereit. In den Gängen befinden sich Wasserspender und Kaffee.

Alle zwei bis drei Jahre werden die Mitarbeiter von Ergonomie-Experten beraten, wie sie ihren Arbeitsplatz gesundheitsfördernd einrichten können.

Das Unternehmen hat ein eigenes Gesundheitszentrum im Gebäude. Der Sportbereich ist ein kleiner, offener und heller Raum mit verschiedenen Sportgeräten und Übungsanleitungen.

In einem angrenzenden Raum befindet sich zudem eine Tischtennisplatte sowie ein Massageraum, wo sich eine Physiotherapeutin mehrmals die Woche um das gesundheitliche Wohl der Beschäftigten kümmert.

Unterstützung von Krankenkassen

Zurzeit unterstützt die AOK Plus im Raum Leipzig 211 Firmen innerhalb der betrieblichen Gesundheitsförderung. Ein pauschales Konzept, das auf jedes Unternehmen zutrifft, gibt es nicht.

So richtete sich die Beratung der Krankenkasse individuell an den Bedürfnissen und Wünschen des Betriebes aus. Vertreter der AOK Plus werden zu den Unternehmen geschickt, um mit ihnen zusammen Ziele und Lösungswege zu entwickeln, die dem Anspruch „Gesundes Unternehmen“ entsprächen.

Die Krankenkasse verstehe sich als zeitlich begrenzter Lotse, um das Unternehmen auf dem eigenen Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Der Berater fördert das Unternehmen mit Sensibilisierungsmaßnahmen, umfassenden Maßnahmen wie Workshops und Schulungen, bis hin zum Aufbau von gesundheitsförderlichen Strukturen in der Organisation.

Angesichts des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels sei das Thema gerade in kleinen und mittelständigen Unternehmen unumgänglich. Viele der kleineren Firmen erkannten die betriebliche Gesundheitsförderung als Wettbewerbsvorteil an.

Familiäre Unternehmenspolitik kann ein Vorteil sein und dazu genutzt werden, um Gesundheit im Betrieb zu thematisieren. Hierbei besäße der Geschäftsführer eine entscheidende Schlüsselposition.

Das Entwickeln von Selbstachtsamkeit für Führungskräfte im Sinne einer Vorbildfunktion, das Schaffen von förderlichen Rahmenbedingungen für gesundes Arbeiten, Motivation zur Teilnahme an konkreten Gesundheits­angeboten stärken oder mit anderen Unternehmen kooperieren, könnten laut AOK Plus geeignete Unterstützungs­angebote für diese Firmen sein.

„Jeder Arbeitgeber wünscht sich natürlich leistungsstarke Mitarbeiter“, sagt Thomas Völkner, Leiter für Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz. Das funktioniert am besten, wenn die Beschäftigten Zeit für einen Ausgleich finden und den Sport in den Arbeitsalltag einbinden können. „Im Sportzentrum findet jeder die für ihn geeignete sportliche Aktivität – ob Rücken-, Ausdauer- oder Krafttraining“, erzählt Stefanie Thiele, Projektmanagerin für Anlagen und Leitungsbauprojekte.

Zudem stehen den Mitarbeitern eine Reihe an Sportveranstaltungen, wie eine unternehmenseigene Tischtennismeisterschaft zur Verfügung. „Gerade als neuer Mitarbeiter ist es toll, um Kontakte zu knüpfen“, sagt Michael Berger, Immobilienmanager.

Er hat im Januar dieses Jahres bei der Gastransport Firma angefangen und trainiert regelmäßig im Gesundheitszentrum. Die Beschäftigten des Unternehmens können das Gesundheitszentrum zu jeder Zeit nutzen, um einen Ausgleich leichter in den Alltag zu integrieren.

Zusätzlich werden Rücken- und Laufkurse sowie Yoga in den Räumen der Firma organisiert, welche die Mitarbeiter selbst bezahlen. „Mir ist bewusst, dass nicht jede Firma so ein Angebot bereitstellen kann, allerdings ist es ein Zugewinn für Mitarbeiter und Unternehmen – eine Win-Win-Situation“, sagt Thiele.

Jedes Unternehmen sei anders, daher ist es wichtig, individuelle Maßnahmen zu erarbeiten. „Angesichts des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels ist das Thema Gesundheit im Betrieb gerade für kleine und mittelständige Unternehmen unumgänglich“, erklärt Strobel. Allerdings besäßen kleine Unternehmen oft nicht die Strukturen und Ressourcen, um eine BGF aufzubauen.

Andere gesundheitsfördernde Angebote sind für die Mitarbeiter von ONTRAS kostenfrei. Betriebsmediziner führen regelmäßig einen erweiterten Gesundheits-Check-Up mit Laboruntersuchungen und EKG durch, den über 50 Prozent der 353 ONTRAS-Mitarbeiter in Anspruch nehmen.

An mindestens fünf Tagen im Jahr besteht die Möglichkeit ein Stress-Check-Up zu machen. Dabei wird das Stressniveau anhand des Pulses und eines Fragebogens gemessen. „Es ist wichtig frühzeitig zu erkennen, ob Mitarbeiter an ihre persönlichen Grenzen kommen. Insbesondere wenn die Gründe hierfür im beruflichen Umfeld liegen“, erklärt Völkner. So könne man Überlastungen vorbeugen oder zumindest reduzieren, denn im schlimmsten Fall erkrankt ein Mitarbeiter an Burnout und fällt ein halbes Jahr oder länger aus.

Positive Wirkung

Laut AOK Plus und IHK habe die Gesundheitsförderung in Betrieben eine Reihe von positiven Effekten.

Das Konzept vertrete eine Unternehmens- und Fehlerkultur, wodurch sich Arbeitnehmer langfristig an das Unternehmen binden. Die Mitarbeitermotivation würde steigen und die krankheitsbedingten Fehlzeiten sinken.

Gerade jüngere Generationen legen viel Wert auf ihre Freizeit und eine so genannte „Work-Life-Balance“. Auch dieser Fokus könnte unterstützt werden sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Einen Rechtsanspruch auf BGF gibt es nicht. Ein starker Betriebsrat könne mit vernünftigen Forderungen viel erreichen, aber im Arbeitsgesetzbuch sei nichts konkretes verankert, so AOK Plus.

Allerdings könne jeder einzelne für sich selbst schon etwas Gutes tun, indem auf eine gesunde Ernährung geachtet wird, man Treppen steigt und das Auto stehen lässt, um mit dem Fahrrad auf die Arbeit zu fahren.

Damit das Privatleben nicht leidet, bietet ONTRAS seinen Mitarbeitern auch hierfür Hilfe an. Durch eine flexible Arbeitszeit im Zeitraum von 6 bis 21 Uhr und die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, können Arbeitnehmer ihren Alltag flexibler gestalten. Außerdem ist die Arbeitsstruktur sehr wichtig. Arbeitgeber nehmen an Seminaren zu Stressmanagement oder Führung teil.

„Es ist schön zu sehen, dass der Mensch als Ganzes im Fokus steht und nicht nur die Arbeit, die er erledigt“, erzählt Peggy Hesse, die in der Unternehmenskommunikation arbeitet.

Auf mehreren Thementagen können die Mitarbeiter zusammenkommen und sich beispielsweise über gesunde Ernährung informieren oder an einem Fahrrad-Fahrsicherheitstraining teilnehmen.

„Solche Veranstaltungen fördern Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen“, sagt Völkner, „außerdem fördern sie, neben den gesundheitlichen Aspekten auch die Vernetzung der Mitarbeiter untereinander“.

Von Nicole Grziwa

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn wir einen Schritt vor den anderen setzen, ist daran der ganze Körper aktiv beteiligt. Meist denken wir darüber nicht nach – bis es zu „knirschen“ anfängt. Oft liegen die Probleme in der Hüfte oder im Knie. Linderung schafft eine Endoprothese, ein künstlicher Gelenkersatz.

23.03.2019

Chronische Schmerzen sind bei vielen Behandlungsfeldern nicht ausgeschlossen. In der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie des Helios Park-Klinikums Leipzig gibt es eine Methode, den Schmerzkreislauf zu durchbrechen: die rückenmarksnahe Stimulation, im Englischen Spinal Cord Stimulation (SCS).

23.03.2019

Zuerst auf offener Straße angemacht, dann zusammengeschlagen: Wer nach einer Gewalterfahrung nicht ins normale Leben zurückkehren kann, sollte sich zeitnah Hilfe suchen, meinen Fachleute zum Tag der Kriminalitätsopfer.

22.03.2019