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Aktuelles Thrombose liefert Hinweis auf Krebs
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10:00 14.03.2019
Ein Gefäßultraschall hilft bei der Diagnose einer Thrombose. Quelle: Aleksey Khripunkov/fotolia.com
Leipzig

Axel Joliet-Helfricht geht es körperlich schlecht. Sein rechtes Bein schmerzt stark. Es ist leicht angeschwollen.

Der 65-Jährige, der bereits wegen einer Durchblutungsstörung in der Leipziger Uniklinik in Behandlung ist, lässt sich untersuchen. Beim Gefäßultraschall wird klar: Er leidet an einer Thrombose. Ein Gerinnsel verstopft seine Beinvene und verhindert den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Er bekommt Blutverdünner, die Beschwerden gehen zurück.

Gleichzeitig begeben sich die Ärzte auf Spurensuche. Denn eine Ursache lässt sich auf den ersten Blick nicht ausmachen.

Axel Joliet-Helfricht Quelle: foto privat

Gerinnung, wo keine sein sollte

Eine Thrombose entsteht durch Blutgerinnung. Ein Mechanismus, der uns eigentlich vor dem Verbluten schützt.

Doch statt beim Verschließen einer Wunde gerinnt das Blut in einem Gefäß, in aller Regel einer Vene, und verstopft sie.

Das kann passieren, weil die Blutzusammensetzung gestört, der Blutfluss verlangsamt oder die Gefäßwand verändert ist.

„Es gibt Situationen, in denen sich einer oder mehrere Faktoren so verändern, dass eine Thrombose entsteht“, erklärt Dr. Katja Sibylle Mühlberg, Oberärztin am Universitätsklinikum Leipzig und Joliet-Helfrichts behandelnde Angiologin.

Verantwortlich können angeborene oder erworbene Veränderungen des Blutes sein sowie Operationen. Auch Immobilität, Krampfadern, Schwangerschaft oder Wochenbett können eine Rolle spielen. Übergewicht, Rauchen oder Veränderungen des Hormonhaushaltes, durch die Antibabypille oder die Wechseljahre, bergen ebenfalls Risiken.

Auch eine Krebserkrankung und eine damit verbundene Therapie könne die Neigung zu Blutgerinnseln erhöhen. So verursachen etwa 20 Prozent aller Tumorerkrankungen Thrombosen.

Thrombose als Indiz für Krebs

Thrombosen sind manchmal auch das erste Indiz für einen Tumor.“ Die Angiologin spricht in diesem Fall von „Glück im Unglück“. Denn: Etwa 15 Prozent aller Patienten, die das erste Mal eine Thrombose bekommen, haben eine Tumorerkrankung, von der sie nichts wissen.

Die Hälfte davon befinden sich in einem heilbaren Stadium. „Wenn ein Patient aus scheinbar heiterem Himmel eine Thrombose bekommt, muss man klären, ob nicht ein Tumor dahinter steckt“, sagt Dr. Mühlberg.

Auch Axel Joliet-Helfricht hat „Glück im Unglück“. Bei der Suche nach der Ursache seiner Thrombose entdecken sie Darmkrebs in einem frühen, heilbaren Stadium.

Thrombose kann jeden treffen

Ärzte sprechen von einer lautlosen Gefahr, weil die Symptome oft uneindeutig sind oder sogar ganz fehlen.

„Oft spürt man Schmerzen im Bein, es schwillt an, ist gerötet, die Haut ist gespannt.“ Wichtig ist, jetzt schnell zu handeln und die Diagnose mittels Gefäßultraschall zu sichern.

Blutverdünner sollen das Weiterwachsen des Blutgerinnsels verhindern und die Gefahr bannen, dass sich ein Teil löst und mit dem Blutstrom Richtung Herz geschwemmt wird, sich über die rechten Herzkammern in der Lunge festsetzt und dort Gefäße verstopft.

Dann spricht man von einer Lungenembolie. „Patienten haben Luftnot, auch blutigen Husten oder werden kurz bewusstlos. In Verbindung mit dem Beinschmerz müssen alle Alarmglocken angehen.“

Im schlimmsten Fall tödlich

Die Lungenembolie ist die häufigste Komplikation einer Thrombose. Im schlimmsten Fall endet sie tödlich.

So sterben allein in Deutschland jährlich mehr als 40 000 Menschen an einer Lungenembolie. Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, Brust- und Prostatakrebs und HIV zusammen.

Viele dieser Todesfälle seien vermeidbar, ist Dr. Mühlberg sicher: „Wenn Ärzte und Bevölkerung besser aufgeklärt wären.“ Deshalb engagiert sie sich im Aktionsbündnis Thrombose, will so das Bewusstsein für Prävention, Diagnose und Therapie schärfen.

Angiologin Dr. Katja Sybille Mühlberg engagiert sich im Aktionsbündnis Thrombose. Quelle: André Kempner

Zwei Säulen der Behandlung

Neben der Behandlung mit Blutverdünnern ist die Kompressionstherapie die zweite große Säule der Thrombose-Behandlung. Durch äußerlichen Druck unterstützen Kompressionsstrümpfe den Rückstrom des Blutes zum Herzen.

„Je konsequenter man vorgeht, umso weniger muss man mit Spätfolgen wie einem Postthrombotischen Syndrom rechnen.“

Bei einigen Patienten bildet sich das Blutgerinnsel nicht vollständig zurück oder ist die Funktionsfähigkeit der Venenklappen geschädigt. Der Venenfluss ist dauerhaft gestört, es kommt zum chronischen Blutstau, im schlimmsten Fall zu offenen Beinen.

Die wichtigste Gegenmaßnahme sind gut sitzende Kompressionsstrümpfe: „Man sollte sich die Strümpfe individuell im Sanitätshaus anpassen und im Verlauf der Erkrankung vom Arzt kontrollieren lassen“, appelliert Dr. Mühlberg. Drei bis sechs Monate dauert die Thrombose-Behandlung mindestens.

Bewegung ist das A und O

„Je mehr sich jemand bewegt, umso schneller löst sich das Gerinnsel auf und umso besser sind die Langzeitergebnisse“, betont Mühlberg. Denn anders als Arterien haben Venen keinen eigenen Antrieb. Dass das Blut von den Zehenspitzen bis zum Herzen zirkuliert, geschieht vor allem durch Bewegung.

Auch Axel Joliet-Helfricht bringt seine Venen mithilfe einer Bewegungstherapie wieder in Schwung. Die Schmerzen in den Beinen sind endlich weg.

Jetzt muss er wieder Kondition aufbauen, die durch die Thrombose und seine Vorerkrankungen gelitten hat. Radfahren soll ihm dabei helfen.

Alle wichtigen Infos zum Thema Thrombose, Risiko-Checklisten oder Kontakte zu Gefäßmedizinern in der Nähe liefert die Internetseite www.risiko-thrombose.de.

Von Uta Zangemeister

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