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Fit & Gesund Leipzig Anträge, Fristen, Kosten: Das muss man zur ambulanten Reha in Sachsen wissen
Mehr Gesundheit Fit & Gesund Leipzig Anträge, Fristen, Kosten: Das muss man zur ambulanten Reha in Sachsen wissen
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10:51 15.03.2019
Ziel der Reha ist, die Menschen wieder fit zu machen: für Schule, Beruf und Alltag. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die ganztägige ambulante Reha wird bei Patienten in Sachsen und Thüringen immer beliebter. Doch wo stellt man den Antrag? Was sind die Vorteile?

Was ist der Unterschied zwischen ganztägiger ambulanter und stationärer Reha?

Die Therapien und das Programm unterscheiden sich nicht und werden je nach Patient und Krankheitsbild individuell erstellt. Neben medizinischen Behandlungen gehören auch Bewegungstraining, Ernährungsberatung und psychologische Beratung dazu.

Der entscheidende Unterschied: Bei der stationären Reha übernachten die Patienten in der Klinik, bei der ambulanten zu Hause. Die Kosten für die tägliche Hin- und Rückfahrt übernimmt der Kostenträger.

Wann macht man eine medizinische Reha?

Auch hier gelten grundsätzlich für stationär wie ambulant die gleichen Kriterien: Die Menschen sollen wieder fit gemacht werden, um im Alltag nach und mit einer Krankheit gut leben zu können.

„Das betrifft alle chronischen Gesundheitsstörungen, die sonst Gefahr laufen würden, dass Erwerbsfähigkeit gemindert wird oder Krankheit sich wesentlich verschlechtert, bis hin zum Pflegefall“, sagt Dr. Ina Ueberschär.

Die erfahrene Sport- und Sozialmedizinerin hat lange bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland gearbeitet, zuletzt als Vize-Geschäftsführerin. Nach ihrer Pensionierung leitet sie das Median Sportmedizinische Institut Leipzig.

Dr. Ina Ueberschär: Die Sport- und Sozialmedizinerin hat lange bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland gearbeitet, zuletzt als stellvertretende Geschäftsführerin. Nach ihrer Pensionierung leitet sie das Median Sportmedizinische Institut Leipzig. Quelle: privat

Welchen Vorteil hat eine ambulante Reha?

Man bleibt in seinem vertrauten Umfeld, ist zum Schlafen zu Hause. „Familie, Freunde und den Arbeitgeber um sich herum zu haben, kann gesundheitsstabilisierend sein“, erklärt Dr. Ueberschär.

Für Eltern von kleinen Kindern oder Menschen mit Haustieren kann es besonders wichtig sein, nicht wochenlang in der Klinik zu sein.

„Außerdem kann der Patient die Dinge, die er in der Reha tagsüber lernt – wie gesünder leben, mehr für sich tun und auf sich selbst zu achten – gleich zu Hause anwenden. Aber: Für Menschen mit vielen Erkrankungen und starken Mobilitätseinschränkungen ist der stationäre Aufenthalt oft die bessere Wahl. Ebenso für Patienten, die den Abstand von zu Hause für ihre Genesung brauchen."

Wonach wird entschieden, ob eine Reha ambulant durchgeführt werden kann?

Grundsätzlich entscheidet das der Kostenträger. Aber die Wünsche des Patienten werden dabei berücksichtigt.

Voraussetzung: Die ambulante Reha muss genauso gute Erfolgsaussichten haben wie ein stationärer Aufenthalt.

Auch der Gesundheitszustand und eventuelle Einschränkungen in der Mobilität spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Die einfache Pendelstrecke sollte dabei nicht länger als 45 Minuten beziehungsweise 50 Kilometer sein. Dafür bieten viele Reha-Einrichtungen Fahrdienste an.

Bei wem stellt man den Antrag für eine Reha?

Bei dem zuständigen Kostenträger. Für Rentner sind das in der Regel die Krankenkassen, bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter die Deutsche Rentenversicherung.

Bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheit ist die Berufsgenossenschaft zuständig.

Man kann sich direkt bei den Kostenträgern beraten lassen. Die prüfen bei Anträgen auch, ob sie zuständig sind und leiten diese gegebenenfalls weiter.

Wer direkt nach einem Krankenhausaufenthalt in eine Reha-Maßnahme geht, wird meistens vom Sozialdienst der Klinik beraten.

Wie oft kann man eine medizinische Reha beantragen?

Grundsätzlich hat man – wenn eine entsprechende Erkrankung vorliegt – alle vier Jahre einen Anspruch auf eine Reha.

„Aber wenn sich der Zustand stark verschlechtert, kann man jederzeit einen neuen Antrag stellen“, erklärt Dr. Ueberschär.

Wie lange dauert eine Reha?

Das hängt von der Krankheit ab: Bei körperlichen Erkrankungen in der Regel drei Wochen, bei neurologischen Krankheiten vier Wochen, bei psychosomatischen Erkrankungen fünf Wochen.

Suchterkrankungen werden deutlich länger behandelt.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für die Reha werden vom zuständigen Kostenträger übernommen. Bei einem stationären Aufenthalt muss einkommensabhängig eine Zuzahlung von maximal zehn Euro pro Tag geleistet werden.

Ob eine Zuzahlung vom Patienten geleistet werden muss, hängt vom Kostenträger ab.*

Wie finde ich richtige Reha-Einrichtung für mich?

Für eine erste Übersicht hilft eine Internet-Recherche. „Ich empfehle die Auskunfts- und Beratungsstellen der Kostenträger aufzusuchen und zu fragen, was empfohlen werden kann“, sagt Dr. Ueberschär.

Welche Krankheiten werden bei der ambulanten Reha am häufigsten behandelt?

Am häufigsten sind laut Reha-Bericht der Deutschen Rentenversicherung orthopädische Erkrankungen. Dieser Anteil ist ambulant auch deutlich höher als im stationären Bereich.

Auch die Behandlung psychischer, neurologischer, kardiologischer und onkologischer Erkrankungen wird häufig ambulant durchgeführt.

Von Nadine Marquardt

*Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes hatten wir geschrieben, dass es bei der ambulanten medizinischen ganztätigen Rehabilitation keine Zuzahlung gibt. Das ist nur zum Teil richtig: Denn ob eine Zuzahlung vom Patienten geleistet werden muss, hängt vom Kostenträger ab. Bei der Deutschen Rentenversicherung und der gesetzlichen Unfallversicherung ist die ambulante Reha in der Regel zuzahlungsfrei. Bei ambulanten Rehas, die über die gesetzlichen Krankenkassen laufen, ist in der Regel eine Zuzahlung fällig. Hintergrund sind verschiedene gesetzliche Grundlagen. Wir bitten, diese Ungenauigkeit zu entschuldigen. Im Zweifel sollte jeder Patient bei seinem Kostenträger nachfragen, ob zugezahlt werden muss.

Morgens in die Klinik und nachmittags wieder nach Hause: Für viele Patienten in Mitteldeutschland ist die ambulante Reha ideal, um zwischen Genesung und Familienalltag die Balance zu halten. Das bestätigen Studien von AOK plus und der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

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