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Herzzentrum Leipzig Großer Druck auf kleinen Schultern - Hoch spezialisierte Teams sorgen für Kinder
Mehr Gesundheit Herzzentrum Leipzig Großer Druck auf kleinen Schultern - Hoch spezialisierte Teams sorgen für Kinder
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12:24 12.03.2019
Prof. Dr. Ingo Dähnert kümmert sich um kranke Kinderherzen. Quelle: Christian Hüller

Wenn Kinder operiert werden müssen, ist das für alle eine Ausnahmesituation. Für das Kind, für die Eltern – aber auch für die Ärzte, so erfahren sie auch sein mögen.

„Das macht den Beruf so besonders schön, wenn die Behandlung gelingt“, sagt Prof. Dr. Ingo Dähnert, Direktor der Universitätsklinik für Kinderkardiologie am Leipziger Herzzentrum. „Es macht aber auch die Fälle, in denen wir nicht erfolgreich sind, so besonders schmerzhaft und tragisch.“

Doch der hohe Druck, unter dem die Ärzte stehen, sei nichts im Vergleich zu den Belastungen für die betroffenen Familien.

„Die Herausforderungen beginnen im Grunde schon vor der Geburt“, sagt Prof. Dähnert. Angeborene Fehlbildungen der Herzens und der großen Gefäße oder Herzrhythmusstörungen erforderten bei Kindern eine gänzlich andere Herangehensweise und völlig andere Behandlungsmethoden als bei Erwachsenen, sagt der Arzt.

Zugleich seien auf dem Gebiet der Kinderkardiologie unglaubliche Fortschritte erzielt worden. „In den 60ern und 70ern sind mehr als 90 Prozent der Patienten mit angeborenen Herzfehlern gestorben. Heute werden mehr als 90 Prozent von ihnen erwachsen“, sagt Prof. Dähnert.

Im vergangenen Jahr haben die Spezialisten am Herzzentrum 350 Operationen am offenen Brustkorb vorgenommen und 400 per Herzkatheter.

Für diese Erfolge verantwortlich sei vor allem eine möglichst individuelle Betreuung durch interdisziplinär aufgestellte Teams. „Nur dort, wo hoch spezialisierte Kinderherzchirurgen, Kardiologen, Anästhesisten, Intensivmediziner und Kinderkrankenschwestern zusammenarbeiten, kann das gelingen.“

Ganz wichtig bei den kleinen Patienten ist die psychologische Betreuung. Hierfür gibt es speziell zusammengesetzte Teams. „Eine große Rolle spielt natürlich auch das vertraute Lieblings-Kuscheltier“, ergänzt Prof. Dr. Martin Kostelka, leitender Oberarzt der Kinderherzchirurgie.

Stress und Sorgen sind bei Operationen am Kinderherzen ständiger Begleiter. Die ganz kleinen Patienten können sich noch nicht ausdrücken oder nachfragen – und reagieren mit Schreien.

Um den Stress für die Kinder möglichst gering zu halten, werden bis zum Alter von sechs Jahren die Eltern mit im Herzzentrum aufgenommen. Auch Geschwister beziehen die Mitarbeiter nach Möglichkeit ein.

Für Eltern größerer Kinder oder Jugendlicher gibt es Appartements in unmittelbarer Nähe zum Herzzentrum. Wenn das Kind etwa nach einer Operation langsam aufwacht, kann es ein entscheidender Faktor sein, wenn Mama und Papa direkt am Bett stehen.

Um zum Beispiel Strahlenbelastungen zu vermeiden, geschieht die Diagnostik bei den ganz Kleinen prinzipiell mittels Ultraschall. Das ist schonender als ein Herzkatheter oder eine Untersuchung im MRT.

In diese Richtung geht auch die Forschung, sagt Prof. Dähnert: „Früher haben wir alles getan, damit die Kinder überleben. Das haben wir geschafft. Heute geht es stärker um die Lebensqualität: Wie können wir alle Prozeduren möglichst schonend durchführen?“

Eine weitere Idee sind mitwachsende Herzklappen oder -gefäße, für die man körpereigenes Gewebe züchten könnte. Nur ein Gedanke, aber einer, der das Leben dieser kleinen, starken Patienten ein wenig erleichtern könnte.

Von PR/LMG

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