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Herzzentrum Leipzig Schonende Alternative zum Herzkatheter
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12:23 12.03.2019
In vielen Fällen ist die Diagnostik per Herz-CT ratsam, sagt Prof. Dr. Matthias Gutberlet. Quelle: Christian Hüller

Lange Jahre war Dieter Richter es gewohnt, dass sein Körper funktionierte. Er war sein Kapital: Neun Jahre lang spielte der Leipziger leistungsorientiert Basketball, fünfmal in Folge wurde er mit dem ASK Vorwärts DDR-Meister. Das ist zwar lange her – bis 1969 war Richter eine Größe in diesem Sport. Doch auf seinen Körper konnte er sich seitdem meist verlassen.

Bis vor kurzem eine Herzkatheter-Untersuchung anstand, auf Anraten seines Hausarztes. „Die Diagnose ließ Schlimmeres befürchten. Doch dann hat ein CT im Herz­zentrum ergeben, dass ich den Katheter gar nicht brauche.“

Die Erleichterung ist Dieter Richter, 73, anzumerken. Dass eine Computertomografie, kurz CT, die Untersuchung mit dem Katheter überflüssig machen könnte, erfuhr er von Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Herzzentrum Leipzig und Professor für kardiologische Bildgebung an der Universität Leipzig.

Seit zwei Jahren beteiligen sich die dortigen Fachleute an der internationalen „Discharge“-Studie. Gefördert von der Europäischen Union, wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob ein CT eine sinnvolle Alternative zu anderen Diagnoseverfahren darstellt.

„In Herrn Richters Fall konnten wir ihm die Herzkatheter-Untersuchung ersparen. Die ist zwar auch kein Teufelszeug, aber ein CT ist schon deutlich angenehmer“, erklärt Prof. Gutberlet. „Die eigentliche Untersuchung dauert weniger als eine Sekunde.“

In Deutschland und Europa werden laut dem Leipziger Spezialisten relativ viele Kathetereingriffe durchgeführt. Dabei wird ein Kunststoffschlauch vom Handgelenk oder der Leiste durch eine Ader bis zum Herzen geschoben.

Fast 2500 solcher Eingriffe gibt es bundesweit – am Tag. Doch nur in 40 Prozent dieser Fälle muss anschließend auch interveniert werden, diese Eingriffe hätte es also oft gar nicht gebraucht.

Könnte man durch eine schonendere Methode im Vorfeld abklären, welcher Patient operiert oder mittels Katheter behandelt werden muss und welcher nicht, würde das die Betreffenden wie auch das Gesundheitssystem entlasten.

„Die Discharge-Studie schließt fast 4000 Patienten ein“, erklärt Prof. Gutberlet. Das finale wissenschaftliche Ergebnis steht zwar noch aus, doch: „Den Herzkatheter konnten wir in vielen Fällen vermeiden. Und wo tatsächlich eine Erkrankung des Herzens vorlag, wussten wir durch die Computertomografie genauer, welche Behandlung notwendig wurde.“

Die Risiken für den Patienten sind dabei gering. Zwar wird der Körper einer Strahlenbelastung ausgesetzt, doch das ist auch bei der Untersuchung mit dem Herzkatheter so. „Das Gute ist: Wir können ganz genau den konkreten Ort des Geschehens darstellen, die Herzkranzgefäße.“

Theoretisch kommt das CT für jeden in Betracht. Doch bei Patienten, die mit größerer Wahrscheinlichkeit an einer Einengung dieser Gefäße erkrankt sind, bleibe der Katheter die erste Wahl, betont Gutberlet. Denn wenn operiert oder interveniert werden muss, benötigt man ihn ohnehin.

Vor allem im Notfall ist die Herzkatheter-Untersuchung die erste Wahl und ein „Segen für den Patienten“, beschreibt Prof. Gutberlet.

Mit dem CT haben die Spezialisten nun ein weiteres, schonendes Werkzeug zur Hand. In England und den USA wird es schon seit Jahren von den Krankenkassen übernommen, in Deutschland nur auf Antrag – bisher. Das könnte sich auch durch die Discharge-Studie in den nächsten Jahren ändern.

Von PR/LMG

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