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Reha in Sachsen Hintergrund: Forderungen für eine bessere Reha-Qualität
Mehr Gesundheit Reha in Sachsen Hintergrund: Forderungen für eine bessere Reha-Qualität
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10:55 14.12.2018
Der Gesundheitswissenschaftler Joachim Kugler von der TU Dresden. Quelle: Robert Michael
Dresden

Die Reha-Landschaft in Sachsen ist vielfältig – aber für Außenstehende kaum zu durchschauen. Das ist eine der Erkenntnisse, die der Gesundheitswissenschaftler Professor Joachim Kugler aus dem Reha-Kompass zieht. Der Leiter des Lehrstuhls Public Health an der TU Dresden kommt zu diesen Schlüssen:

Die Qualität der Rehakliniken ist für Patienten völlig intransparent. Während es für Krankenhäuser eine einheitliche und verbindliche Qualitätsberichterstattung gibt, erfolgt die Übermittlung der Prüfergebnisse im Reha-Bereich nur intern. Die Einrichtungen sind nicht verpflichtet, diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Es ist lobenswert, dass die Mehrzahl der Reha-Kliniken der LVZ diese Ergebnisse zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.

Patienten haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Reha-Klinik. Wie aber sollen sie fundierte Vorschläge machen, wenn sie die Qualität einer Klinik gar nicht beurteilen können? Der Vorschlag des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, die Qualitätsdaten nutzerfreundlich aufzuarbeiten und zu veröffentlichen, ist nur zu unterstützen.

Die Rehabilitation in Deutschland wird von einem Monopolisten beherrscht – der Deutschen Rentenversicherung. Sie betreibt selbst 22 Kliniken, die meisten anderen sind von ihr durch Belegungsverträge abhängig. Patienten können hier nur vertrauen, dass die Qualität stimmt – Kontrolle von außen ist nicht möglich und nicht erwünscht. Man sollte diskutieren, ob hier mehr Wettbewerb sinnvoll ist.

Die Sicht des Patienten muss mehr Beachtung finden. Für ihn ist vor allem wichtig, dass er gesund wird. Die Reha ist neben Krankenhaus und ambulantem Bereich aber nur ein Glied in der Behandlungskette. Das Denken in diesen Sektoren verhindert eine optimale Versorgung.

Die ambulante Reha muss attraktiver werden. Mehr als 80 Prozent aller Reha- Maßnahmen werden in Deutschland im stationären Bereich erbracht. Das hat vor allem historische Gründe. Dabei ist gar nicht bewiesen, ob das besser ist. In vielen Ländern wie in den USA sowie in Skandinavien ist die stationäre Reha unbekannt. Dort übernehmen Kran­kenhäuser die ambulanten Reha-Therapien.

Es gibt immer mehr Menschen mit mehr als einer Erkrankung. Es sollte überlegt werden, ob die Spezialisierung der Reha- Kliniken auf einzelne Indikationen noch zeitgemäß ist. Die geriatrische Reha ist ein guter Ansatz, aber nicht für Patienten gleichermaßen geeignet.

Von Joachim Kugler

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