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Reha in Sachsen Hintergrund: Wie weiter nach der Reha
Mehr Gesundheit Reha in Sachsen Hintergrund: Wie weiter nach der Reha
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10:54 14.12.2018
Zurück ins Berufleben nach der Reha? Verschiedene Wege stehen den Patienten offen. Quelle: dpa
Leipzig

Nach drei oder vier Wochen intensiver Rehabilitation sind viele Patienten wieder leistungsfähiger. Doch können sie auch zurück in ihren Job? Diese Frage ist Bestandteil der ärztlichen Abschlussuntersuchung in der Reha-Einrichtung. Der Arzt schätzt dort das in der Reha erreichte Leistungsvermögen des Patienten ein und erarbeitet eine Empfehlung. Folgende Szenarien sind denkbar:

Fall 1: Sofort arbeitsfähig

Stellt der Arzt bei der Abschlussuntersuchung fest, dass mithilfe der verordneten Medikamente, einem intensivierten Nachsorgeprogramm und ärztlichen Tipps für das Verhalten danach die Leistungsfähigkeit gegeben ist, kann er die Arbeitsfähigkeit des Patienten feststellen.

Fall 2: Wiedereingliederung

Kann der Patient nach der Reha seine bisherige Tätigkeit nicht sofort wieder im gewohnten zeitlichen und inhaltlichen Umfang aufnehmen, wird er als arbeitsunfähig entlassen. In diesem Fall muss der Arzt die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung prüfen. Diese Maßnahme dient der Erprobung und dem Training der Leistungsfähigkeit.

„Eine Mindestleistungsfähigkeit von zwei Stunden pro Tag muss jedoch vorhanden sein“, sagt Andreas Walther, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung.

Auch muss die Aussicht bestehen, dass nach der Wiedereingliederung die Arbeitsfähigkeit am alten Arbeitsplatz gegeben sein wird. Die Wiedereingliederung muss spätestens vier Wochen nach der Reha beginnen. Der Arbeitnehmer gilt in dieser Zeit als arbeitsunfähig und bezieht Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger. Begonnen wird mit wenigen Stunden Arbeit pro Tag oder Woche.

Unter ärztlicher Kontrolle durch den Hausarzt oder den Betriebsarzt des Unternehmens kann das Arbeitspensum individuell angepasst werden. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen dieser Maßnahme zuvor zustimmen.

Empfiehlt der Reha-Arzt die stufenweise Wiedereingliederung nicht, kann dies auch der behandelnde Arzt des Patienten tun.

Im Jahr 2017 hat die Rentenversicherung in knapp 2200 Fällen von stufenweiser Wiedereingliederung Übergangsgeld gezahlt.

„Der überwiegende Teil – mehr als 1900 Männer und Frauen – konnten regulär oder sogar vorzeitig ihre vorherige Tätigkeit wieder vollständig ausführen“, so Andreas Walther.

Bei knapp 160 Patienten wurde die Wiedereingliederung abgebrochen, weil für sie die Belastung am bisherigen Arbeitsplatz zu hoch war.

Fall 3: Berufliche Reha

Wenn aufgrund der Erkrankung keine stufenweise Wiedereingliederung in den zuletzt ausgeübten Beruf möglich ist, kann der Reha-Arzt Rehabilitationssport, Reha- Nachsorge, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation, Funktionstraining oder die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe empfehlen.

In vielen Fällen ist zwar eine Rückkehr in die alte Tätigkeit nicht möglich, die Arbeitsfähigkeit ist aber grundsätzlich weiterhin gegeben. Dann kann der Reha-Arzt eine Umsetzung in der bisherigen Firma oder eine andere berufliche Tätigkeit empfehlen.

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, zum Beispiel Kraftfahrzeughilfen, Berufsvorbereitung, Ausbildung oder Umschulung, sogar ein Gründungszuschuss bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, sind Aufgabe der Rentenversicherung. Die Initiative muss aber vom Versicherten selbst ausgehen, informiert die Rentenversicherung.

Laut aktuellem Reha-Bericht stellten im Jahr 2016 bundesweit fast 450 000 Versicherte Anträge auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Das sind dreimal so viele wie 1991.

Wird dem Antrag stattgegeben, erhalten Versicherte einen Bescheid, in dem die konkreten Leistungen zugesichert werden, zum Beispiel eine berufliche Umschulung, Lohnzuschüsse an den Arbeitgeber oder die Kostenerstattung für eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes.

Die beiden Haupterkrankungsgruppen, für die nach der Reha zum Beispiel Umschulungsleistungen übernommen wurden, sind Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems und psychische Erkrankungen einschließlich Sucht.

Fall 4: Rente trotz Reha

Auch eine gut und konsequent durchgeführte Reha ist nicht immer ein Garant dafür, dass die Erwerbsfähigkeit vollständig wieder hergestellt wird.

Wenn auch Nachsorgeprogramme keine Besserung brachten und abzusehen ist, dass sich diese Situation für einen langen Zeitraum nicht ändert, kann eine zeitweise Berentung wegen Erwerbsminderung folgen.

Da die Gewährung auch an nichtmedizinische Voraussetzungen geknüpft ist, sollte man sich vorher in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung Rat holen.

Fast alle Reha-Kliniken verfügen über einen Sozialdienst. Dort können sich Patienten über die weiteren Schritte nach der Reha informieren.

Von Stephanie Wesely

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