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Reha in Sachsen Reha bei Krebs: Mehr Kraft, weniger Schmerzen
Mehr Gesundheit Reha in Sachsen Reha bei Krebs: Mehr Kraft, weniger Schmerzen
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13:23 11.01.2019
Skeptischer Blick: Wenn ein Arzt die Diagnose Krebs stellen muss, bedeutet das für den Patienten immer einen dramatischen Einschnitt in sein Leben.
Bad Elster

Hoch oben auf dem Berg, inmitten einer Parkanlage, liegt die Paracelsus-Klinik „Am Schillergarten“ in Bad Elster. Ruhe ist hier garantiert.

Wohlfühlatmosphäre herrscht auch innen: Neben dem gläsernen Eingangsbereich gibt es eine gemütliche Leseecke mit Ohrensesseln, gegenüber ein kleines Bistro.

Patienten und Gäste sollen zu Kräften kommen, denn sie haben viel durchgemacht. Die Rehaklinik hat sich auf die Nachbehandlung von Krebspatienten spezialisiert.

Vier solcher Kliniken gibt es in Sachsen. Zuständig dafür ist die Rentenversicherung.

Die Expertin: Dr. Constanze Junghans, Paracelsus-Klinik Bad Elster. Seit 2003 ist Dr. Junghans hier Ärztliche Leiterin und Chefärztin für internistische Onkologie. Spezialisiert hat sie sich auf die bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems – die Hämatologie. Die Zusammenarbeit von Kollegen unterschiedlichster Spezialisierung ist besonders im Rehabereich gegeben. Das hat sie an dieser Arbeit fasziniert. Sie schätzt sich als gesundheitsbewusst ein. Krebs- Früherkennungsuntersuchungen nimmt sie deshalb auch konsequent wahr. Dr. Junghans ist 59, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Bad Elster. Quelle: kairospress

Die Diagnosen

Eine onkologische Reha kann bis zum Ablauf eines Jahres nach einer abgeschlossenen Erstbehandlung von bösartigem Krebs oder auch unmittelbar nach einer Krankenhausbehandlung in Anspruch genommen werden. Dann kümmert sich meist schon das Krankenhaus um die nötigen Antragsformulare.

Laut Deutscher Rentenversicherung müssen die Patienten jedoch ausreichend belastbar sein, um an Einzel- und Gruppentherapien teilnehmen zu können. Eine begonnene ambulante Chemotherapie sei kein Hinderungsgrund.

„Die Hälfte unserer 180 Krebspatienten ist wegen Brustkrebs oder anderen gynäkologischen Tumoren bei uns“, sagt Dr. Constanze Junghans, Ärztliche Leiterin der Rehaklinik „Am Schillergarten“ in Bad Elster.

Die andere Hälfte seien Patienten mit Darmkrebs und Tumoren der Verdauungsorgane, mit Leukämie- und Lymphom oder Schilddrüsen-, Lungen- und Hautkrebs.

Bundesweit ist es ähnlich: 53 Prozent kommen wegen Brustkrebs in die onkologische Reha, 39 Prozent wegen Prostatakrebs.

Laut der Deutschen Rentenversicherung ist in den letzten zehn Jahren die Zahl der onkologischen Rehapatienten im erwerbsfähigen Alter bundesweit um fast 30 Prozent gestiegen – von 59 .000 auf 77.000.

Die Zahl der Rentner dagegen ging um 15 Prozent auf rund 77 .000 zurück.

Das wichtigste Ziel der onkologischen Reha ist es, die körperlichen und seelischen Folgen der Tumorerkrankung zu mildern oder zu beseitigen und eine bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.

Die Patienten

Krebserkrankungen werden heute früher erkannt und sind damit besser behandelbar“, sagt Constanze Junghans. Die Reha ist dabei ein Therapiebestandteil.

Damit steigen aber auch die Patientenzahlen. Drei Viertel von ihnen absolvieren eine Anschlussheilbehandlung, ein Viertel eine onkologische Nachsorge.

Die meisten Patienten in Bad Elster sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, kommen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Bayern.

Laut Rentenversicherung ist der Altersdurchschnitt in der onkologischen Reha mit 62 Jahren am höchsten. Zum Vergleich: Psychisch Kranke sind im Schnitt knapp 50 Jahre alt. „Doch auch in der Onkologie behandeln wir zunehmend junge Menschen“, sagt die Ärztliche Leiterin. „Sie haben oft Familie und damit natürlich andere Probleme als 70-Jährige.

Deshalb bieten wir für sie ein indikationsübergreifendes Konzept an, das speziell auf die Bedürfnisse Jüngerer ausgerichtet ist.“ Es umfasst psychosoziale Betreuung, Gymnastik und Konditionstraining, Ernährungsberatung, Kochen und Einkaufstraining sowie Yoga als Entspannungstherapie.

Vom Krebs sind aber nicht nur die Erkrankten selbst betroffen, sondern die ganze Familie, besonders die Kinder. Sie können in Bad Elster mit aufgenommen werden, wenn sie zwischen drei und zwölf Jahre alt sind. Qualifizierte Erzieherinnen betreuen die Kinder tagsüber, auch in die regionale Schule können sie gehen.

Ein besonderes Angebot nennt sich PIKE – Psychologische Intervention für Kinder krebskranker Eltern. Es umfasst Entspannungsangebote, kreatives Malen, Basteln und Bewegung. „In der Reha lernen Kinder, mit der Erkrankung ihrer Eltern umzugehen“, so Junghans. Dabei helfen ihnen geschulte Pädagogen und Psychologen.

Die Therapien

Die Krebstherapien haben häufig Nebenwirkungen, mit denen viele Patienten in der Reha zu kämpfen haben. So führen Chemotherapie und Bestrahlung oft zu Gefühlsstörungen an Händen und Füßen, den sogenannten Polyneuropathien. „Für diese Patienten haben wir ein spezielles sensomotorisches Training und Elektrotherapie“, so Junghans.

Die Therapiepläne werden bei der Aufnahmeuntersuchung individuell festgelegt. Sie sind auch Bestandteil der Qualitätsüberprüfung durch die Rentenversicherung. So nutzen nahezu alle Patienten laut aktuellem Reha-Bericht die Informations-, Motivations- und Schulungsangebote.

Sie zielen darauf ab, den Patienten Wissen über ihre Erkrankung zu vermitteln und ihnen den Umgang mit der Diagnose zu erleichtern. Weitere Schwerpunkte sind Bewegung, Physiotherapie und ernährungsmedizinische Leistungen. Sie werden ebenfalls von fast allen Patienten in Anspruch genommen.

Selbst Frischoperierte bekommen die Möglichkeit, ihre Muskulatur zu kräftigen. Während der Reha werden bereits Übungsprogramme vermittelt, die anschließend zu Hause fortgesetzt werden können.

Für jede Krebsart ist in der onkologischen Reha spezialisiertes Personal gefordert. So haben beispielsweise Patienten mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang Anspruch auf Anleitung und Schulung zur Selbstversorgung. Kehlkopflose werden intensiv logopädisch behandelt.

Die Krebserkrankung und die Therapien führen aber häufig auch zu einer starken Gewichtsabnahme, zu Appetitmangel oder zu Problemen beim Schlucken. Die Patienten bekommen deshalb mehrmals täglich kleine Mahlzeiten, zum Beispiel Suppen, die leicht schluckbar sind.

Manche brauchen Sondennahrung oder Infusionen, weil sie durch ihre Erkrankung noch nicht wieder richtig essen können. Ganz langsam werde die Kost wieder aufgebaut.

Die Therapiedauer

Im Schnitt sind Krebspatienten 21 Tage in Bad Elster. Eine Verlängerung sei besonders nach schwerwiegenden Eingriffen oder bei komplizierten Verläufen gegeben. Sie werde dann vom Kostenträger auch genehmigt. „Bei den meisten reicht eine dreiwöchige effektive Therapie aus“, sagt Dr. Junghans.

Vor der Entlassung erhalten die Patienten spezielle Ernährungsempfehlungen, Verordnungen für Rehasport und die leitliniengerechte Nachsorge. „Im Regelfall ist diese durch den behandelnden Onkologen bereits geplant“, sagt die Ärztin.

Der Heilerfolg

Nach der Reha ist eine Krebserkrankung meist nicht vollständig geheilt. Laut der sozialmedizinischen Beurteilung im Anschluss können 76 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer wieder sechs Stunden und länger pro Tag in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten. Doch die Praxis sieht anders aus.

Wirklich arbeitsfähig waren dem aktuellen Reha-Bericht zufolge nur 30 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer. 65 bis 75 Prozent bleiben auf Dauer arbeitsunfähig. „Allerdings verlässt die Mehrzahl unserer Patienten die Reha-Klinik mit neuem Lebensmut, mit mehr Kraft und weniger Schmerzen. Das ist nicht wenig“, sagt Constanze Junghans.

Von Stephanie Wesely

Übersicht

Diese Kliniken in Sachsen bieten eine onkologische Reha an.

Hier können Sie ein PDF der Übersichtstabelle herunterladen.

So lesen Sie die Tabellen der Reha-Serie

Die LVZ hat in den vergangenen Wochen umfangreiche Recherchen unternommen. Wir haben alle Kliniken angeschrieben und gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Bis auf eine Ausnahme sind alle der Bitte gefolgt – dafür an dieser Stelle ein Dankeschön.

Die Antworten der Kliniken finden Sie übersichtlich in Tabellenform. Die Tabellen sind mal kürzer, mal länger – je nachdem, wie viele Kliniken für die entsprechende Erkrankung eine stationäre Rehabilitation anbieten. Diese Angaben finden Sie in den Tabellen:

Kostenträger: Hier sind alle Reha-Träger aufgeführt, die die Leistung für die entsprechende Erkrankung anbieten. Am häufigsten sind das die Deutsche Rentenversicherung (DRV) und die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die Erklärung zu den Abkürzungen finden Sie in der Legende unterhalb der Tabelle.

Patienten: Die Zahl gibt an, wie viele Patienten im vergangenen Jahr die Klinik besucht haben. Ob diese Patienten alle mit dem gleichen Krankheitsbild – also zum Beispiel nach einer Krebserkrankung – zur Behandlung in dieser Klinik waren, geht daraus allerdings nicht hervor. Die Mehrheit der sächsischen Reha-Einrichtungen hat sich auf mehrere Indikationen spezialisiert, sodass auch diese Patienten in die Zahl einfließen können.

Besondere Leistungen: Hier konnten die Kliniken angeben, welche Therapien sie über das Standardprogramm hinaus anbieten, ob sich die Ausstattung von der in anderen Einrichtungen abhebt oder besondere Patientengruppen aufgenommen werden.

Begleitperson/Kosten: Für manche Patienten ist es wichtig, dass sie während der Rehabilitation ein Familienmitglied in der Nähe haben. Das ist so gut wie überall möglich. Die Preise bewegen sich in der Regel zwischen 40 und 60 Euro pro Tag inklusive Verpflegung.

Weitere medizinische Schwerpunkte: Hier erfahren Sie, welche Erkrankungen in der Einrichtung noch behandelt werden. Aus diesem Grund werden einige Kliniken im Verlaufe der Serie mehrmals in der Tabelle erscheinen.

Qualitätsprüfung: Reha-Einrichtungen sind zu einem Qualitätsmanagement verpflichtet. Dazu gehören sowohl interne als auch externe Kontrollen und Befragungen. Für die Kostenträger übernehmen die Deutsche Rentenversicherung und der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Überprüfung. Im Wesentlichen geht es dabei um die gleichen Qualitätsmerkmale, allerdings unterscheiden sich die Methoden und die Darstellung der Ergebnisse.

Damit die Ergebnisse der Kliniken vergleichbar werden, finden Sie bei mehreren medizinischen Fachrichtungen (zum Beispiel Orthopädie) zwei Tabellen – eine mit den Kliniken, die von der Rentenversicherung geprüft wurden, und eine mit Kliniken, die die Krankenversicherung bewertet hat. Geprüft werden Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.

Aus der Vielzahl der Parameter haben wir drei ausgewählt, die für Patienten besonders wichtig sind: die Qualität der Therapien und die Zufriedenheit der Patienten mit der Reha insgesamt sowie mit dem Behandlungserfolg. Eigene interne Befragungen haben wir dabei nicht berücksichtigt.

Bei den Kliniken, die von der Rentenversicherung geprüft wurden, erfolgt die Bewertung in Punkten (maximal 100) beziehungsweise Noten (1–6). Die Krankenversicherung errechnet aus den Ergebnissen Mittelwerte. Maximal möglich ist hier eine 10.

Die Kliniken sind aus Datenschutzgründen nicht verpflichtet, diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Mit Ausnahme von elf Einrichtungen haben uns alle diese Angaben zur Verfügung gestellt. Wir haben mit k.A. kenntlich gemacht, welche Kliniken die Veröffentlichung abgelehnt haben. Eine Begründung erfolgte in der Regel nicht.

Bei einigen Kliniken lagen bei Redaktionsschluss noch keine beziehungsweise keine aktuellen Ergebnisse vor.