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3G geht in Rente: Was bedeutet das für Mobilfunk-Kunden?

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04:57 09.06.2021
Zum Telefonieren reichen 3G-Handys noch, wer aber weiter unterwegs ins Netz möchte oder Messenger-Apps benutzen will, braucht ein neues Smartphone.
Zum Telefonieren reichen 3G-Handys noch, wer aber weiter unterwegs ins Netz möchte oder Messenger-Apps benutzen will, braucht ein neues Smartphone. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
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München

Diesen Sommer ist Schluss. Mit Telefonica beginnt am 1. Juli der dritte Mobilfunknetzbetreiber mit der Abschaltung der alten 3G-Sendetechnik. Bei der Telekom geht es einen Tag früher los, Vodafone will bis Ende Juni sogar schon fertig sein. Was bedeutet das für Kunden?

Was passiert da eigentlich?

Die 3G-Funktechnik (UMTS) ist in die Jahre gekommen und wird abgeschaltet. Der Datenverkehr und die Telefonie sollen künftig nur noch über die 4G-Funktechnik (LTE) abgewickelt werden. Die freiwerdenden Frequenzen werden mit 4G-Technik und teilweise mit 5G-Technik weitergenutzt.

Soll heißen: Wo es früher kein 4G gab, aber 3G, soll es künftig 4G geben - und kein Funkloch. Wenn das überall funktioniert, ist die Versorgung nach dem Umstieg besser.

Wie lange dauert der Umstieg?

Bei Telefonica sollen schrittweise bis Jahresende die 3G-Antennen in den Ruhestand gehen, im Netz gibt es eine Übersichtskarte mit den Regionen und den Abschaltmonaten. Auch die Telekom will bis Jahresende fertig sein. Vodafone will nach eigenen Angaben bis zum 30. Juni die letzte 3G-Station abgeschaltet haben.

Wer ist betroffen?

Grundsätzlich sind Kunden aller Anbieter in Deutschland betroffen, auch von Discountanbietern oder Untermarken der großen Netzbetreiber. Aber: Nur wer noch sehr alte Telefone benutzt oder in sehr alten Verträgen steckt, muss tätig werden.

Wer jetzt schon das 4G-Netz nutzt, muss nichts tun. Ein sicheres Anzeichen ist die Anzeige "LTE", "4G" oder "4G+" in der oberen rechten Displayecke. Telefonica bietet im Netz auch einen Gerätecheck an.

Was muss ich tun?

Nach Angaben der Netzbetreiber sind viele Kunden schon informiert worden, in etlichen Fällen wurden die Tarife einfach auf 4G erweitert. Wer bisher nicht von seinem Mobilfunkanbieter in der Sache kontaktiert worden ist - oder sich unsicher ist - fragt am besten über die Telefonhotline nach. In der Regel werden die Tarife kostenlos umgestellt. Manchmal braucht man auch eine neue SIM-Karte, die es ebenfalls kostenlos gibt.

Achtung: 4G muss nicht teurer sein als der bisherige Tarif. Das Vergleichsportal "Check24" hat Preise ab 9,39 Euro monatlich beim Netzanbieter und ab 4,61 Euro monatlich beim Discounter ermittelt. Es kann also sein, dass man nach einem Tarifwechsel deutlich günstiger da steht, als mit einem seit Jahren nicht angefassten Alt-Tarif.

Was passiert mit meinem alten Telefon?

Wer ein wirklich altes Telefon ohne 4G-Technik benutzt, zum Beispiel ein iPhone 3S oder andere Smartphones der UMTS-Ära, kann es weiternutzen - allerdings nur noch zum Versand von SMS oder für Anrufe. Diese Aufgaben übernimmt das weiter aktive 2G-Netz (GSM). Für Onlinedienste müsste man dann in ein WLAN ausweichen.

Wer auch zukünftig unterwegs ins Netz möchte oder Messenger-Apps wie Signal, Threema, Whatsapp und Co. benutzen will, braucht ein neues Smartphone. Netzbetreiber Telefonica etwa bietet Kundinnen und Kunden mit sehr alten Telefonen Austauschgeräte an. Hier lohnt aber ein Preisvergleich: Günstige 4G-Smartphones und auch einfachere Mobiltelefone mit 4G-Technik gibt es schon für unter 100 Euro.

Und warum machen die das jetzt?

3G ist langsam und reicht für viele heutige Anwendungen wie Streaming hochauflösender Videos oder Online-Gaming nicht mehr aus. Entweder weil die Bandbreite zu klein ist oder die Reaktionszeiten des Netzwerks zu groß. 4G- und 5G-Netze bieten mehr Bandbreite und kürzere Reaktionszeiten.

Auf diese Weise, so erklärt ein Telefonica-Sprecher wird auch dem ständig wachsenden Datenumsatz Rechnung getragen. Vereinfacht gesagt: Der Schlauch 3G-Netz ist einfach zu eng für den Datenstrom.

Der Betrieb des 3G-Netzes kostet die Unternehmen Geld - verdienen können sie mit der Technik aber nichts mehr. Deswegen sollen die knappen Funkfrequenzen mit der schnelleren 4G- und 5G-Technik weitergenutzt werden. Die Unterhaltskosten des Netzes seien im Vergleich zu den Investitionen für den Ausbau allerdings nur ein kleiner Posten, so der Sprecher.

Nicht zuletzt müssen die Unternehmen auch Vorgaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu Mindestgeschwindigkeiten erfüllen. Die Agentur schreibt zwar keine Technik vor, aber Abdeckung und Mindestgeschwindigkeiten.

Ein Beispiel: Bis Ende 2022 müssen sie nach Angaben der BNetzA die Hauptverkehrswege in Deutschland und 98 Prozent der Haushalte mit einer Bandbreite von 100 Megabit pro Sekunde (100 MBit/s) versorgen. Mit dem bestehenden 3G-Netz ginge das nicht oder nur mit erheblichem Aufwand. Mit 4G und 5G hingegen lassen sich diese Geschwindigkeiten erreichen.

© dpa-infocom, dpa:210608-99-911181/4

dpa