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Für Kinder Autofrei? Wie soll das denn gehen?
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13:56 21.09.2018
Am 22. September ist autofreier Tag.

Eigentlich ist das Auto gar kein Fahrzeug, sondern ein Stehzeug. Denn in Deutschland steht ein Auto durchschnittlich 23 Stunden pro Tag einfach nur rum – auf der Straße oder in der Garage.

Und wenn es mal fährt, wird es gefährlich. Neun Tote sterben täglich auf Deutschlands Straßen.

Gerade in der Stadt ist sehr wenig Platz, den sich auch noch Autos, Straßenbahnen, Radfahrer und Fußgänger teilen müssen. Das Auto bekommt von dem Kuchen aber ein besonders großes Stück.

Deshalb soll am 22. September, am autofreien Tag, gezeigt werden, dass es auf typischen Straßen auch ganz anders aussehen kann – nämlich leise, bunt und sicher.

Autofrei? Wie soll das gehen?

Autofreier Tag? Häh, wie soll das denn gehen, denkt ihr euch vielleicht. Wir hier in Deutschland und Europa fahren oft ganz schön viel mit dem so genannten Kraftfahrzeug. Zur Schule, zum Sport, in den Urlaub, Einkaufen und vielleicht sogar raus in die Natur.

Wo keine Autos fahren dürfen, wie hier bei Sperrungen auf der Augustusbrücke in Dresden, ist mehr Platz und weniger Lärm. Quelle: dpa

Geht nicht anders? Geht ja wohl, dachten sich schon vor rund 50 Jahren ein paar Leute in Deutschland. Damals gab es nämlich eine sogenannte Ölkrise. Benzin und Diesel waren knapp und sehr teuer. Da beschloss die Regierung, Energie und Treibstoff zu sparen und führte autofreie Sonntage ein. Und heute ist das Thema wichtiger denn je. Nur aus anderen Gründen als damals.

Zahlen & Fakten

Platz:
Ein Auto benötigt meist drei Parkplätze - zu Hause, auf der Arbeit und in der Freizeit.

10 000:
So viele Schritte am Tag gelten als gesund.

18 Prozent:
Das ist der Anteil, den der Autoverkehr zu der Verschmutzung mit Treibhausgasen beiträgt.

etwa 10 Euro:
Soviel kostet monatlich ein gutes Fahrrad, wenn Kauf und Reparaturen runtergerechnet werden.

300 bis 900 Euro:
Soviel kosten Sprit und Versicherung eines Autos jeden Monat.

Doch es gibt große Widerstände gegen die Idee „autofrei“. „Die größten Hindernisse gibt es im Kopf“, erklärt Richard Emmermacher vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Das Auto ist das Konsumgut und Statussymbol schlechthin.“

Das bedeutet: Viele Menschen in Deutschland haben ihre Autos besonders lieb. Und sie wollen mit großen oder teuren Autos zeigen, wie gut es ihnen geht oder wie viel Geld sie verdienen. Das wissen auch die Politiker und deshalb tun sie viel für die Autobesitzer. Umso schwerer ist es für Vereine wie den Verkehrsclub Deutschland, den Verkehr gesünder und umweltschonender zu machen.  

Dreckige Automobile

Es gibt viele gute Gründe, das Auto nicht zu nutzen. Zum Beispiel eben die Umwelt. Jede Person verpestet seine eigene Luft jedes Jahr mit elf Tonnen Kohlendioxid. Dieses (Treibhaus­)Gas trägt dazu bei, dass auf der Welt Felder zu Wüsten werden, das ewige Eis schmilzt und die Meeresspiegel steigen.

Schon gewusst?

Die Europäische Mobilitätswoche ist eine Kampagne der Europäischen Kommission und findet jedes Jahr vom 16. bis zum 22. September statt. In dieser Woche könnt ihr viele Dinge testen wie elektrische Fahrräder oder autofreie Angebote der Stadt.

Mehr als 2000 Städte und Gemeinden nehmen in ganz Europa an der Aktionswoche teil.

Mehr Informationen findet ihr unter www.dresden.de/mobilitaetswoche

Dabei haben unsere Politiker eigentlich ausgemacht, dass wir hier in Deutschland statt elf nur knapp drei Tonnen Kohlendioxid in die Luft blasen sollen. „Wenn man bedenkt, dass eine Urlaubsreise mit dem Auto in die Alpen hin und zurück schon 300 Kilogamm Kohlendioxid frisst, dann bleibt nicht mehr viel übrig“, erklärt Emmermacher.

Jeder kann was tun

Zeit also, umzudenken. „Ich habe kein Auto und nutze nur eines, wenn ich es brauche, zum Beispiel um etwas aus dem Baumarkt zu holen. Das kam aber im vergangenen Jahr nur zweimal vor“, sagt er. „Ansonsten radel ich auf Arbeit und Reisen unternehme ich mit dem Zug. Das ist spannender und man lernt Menschen kennen.“

Natürlich ist das in der Stadt einfacher als auf dem Land. Es geht auch gar nicht darum zu sagen, wer Auto fährt ist doof. Aber jeder einzelne kann bei sich selber gucken, was er tun kann.

„Fragt doch einfach mal eure Eltern, warum das Auto für die Urlaubsreise genutzt wird. Macht ihnen klar, dass ihr keine Lust mehr darauf habt, sondern euch bewegen wollt, dass ihr mal mit dem Zug fahren wollt oder einfach von der Haustür loslaufen wollt“, schlägt Emmermacher vor. „Kinder reisen günstig mit Bus und Bahn, auch das könnt ihr nachgucken.“

Elterntaxi stehenlassen

Auch der Schulweg lässt sich oft autofrei machen. "Elterntaxi stehenlassen" heißt zum Beispiel das Motto vom Deutsche Kinderhilfswerk und Verkehrsclub Deutschland. Die steigende Zahl der Mama-­ und Papa­-Chauffeure hat nämlich Staus und Unfallzahlen vor Schulen wachsen lassen.

Ob nun zu Fuß, mit dem Roller oder auf dem Fahrrad – bis zum 28. September wollen bundesweit 60 000 Kinder aus mehr als 2000 Schulklassen bei den Aktionstagen bewusst ohne Elterntaxi zur Schule kommen, sagen die Organisatoren.

Schon gewusst?

Der Begriff "Autofreier Sonntag" wurde während der ersten Ölkrise 1973 allgemein verwendet. West-­Deutschland reagierte auf die Ölkrise mit einer ungewöhnlichen Sparmaßnahme und verhängte per Gesetz vier autofreie Sonntage.

Staunend nutzten viele Bundesbürger die seltene Möglichkeit, einmal eine Autobahn zu Fuß oder per Fahrrad zu erkunden. Nur Taxis, Ärzte sowie Frischware-­Lieferanten durften fahren.

Neben Bewegung und Umweltschutz gehe es vor allem auch um mehr Eigenständigkeit für Kinder, sagt Claudia Neumann für das Kinderhilfswerk. Von 100 Schülern werden heute 20 mit dem Auto gefahren.

Wie ist das denn bei euch zu Hause? Ob das bei euch auch funktionieren könnte? Vielleicht auch nur ein paar Mal die Woche ...  

„Man kann sehr gut ohne Auto leben. Es eröffnet eine größere Freiheit und Gelassenheit, als es auf den ersten Blick erscheint“, sagt Roland Emmermacher. Und genau das wollen der Verkehrsclub Deutschland und viele Partner noch bis heute zeigen. „Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche (siehe Infokasten) wollen wir die Menschen anregen, doch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen.“

Welche anderen Möglichkeiten gibt es neben dem Auto? Und warum tut uns allen ein bisschen weniger Kraftfahrzeug gut? Probiert es einfach mal aus.

Thomas Bothe

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