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Für Kinder Bestens ausgebildet: Blindenführhunde sind Helfer auf vier Pfoten
Mehr Schlingel & Familie Für Kinder Bestens ausgebildet: Blindenführhunde sind Helfer auf vier Pfoten
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12:16 25.01.2019
Blindenführhunde unterstützen Menschen im Alltag im Straßenverkehr z.B. beim Überqueren der Kreuzung oder beim Treppensteigen. Die Oschatzer Tierärztin Guntrun Heidemann (Mitte) bildet Blindenführhunde aus. Quelle: Dirk Hunger, privat

Sicher hast du sie auch schon gesehen, die sogenannten Blindenführhunde. Sie helfen stark sehbehinderten und blinden Menschen unter anderem sicher durch den Straßenverkehr.

Diese Hunde tragen nicht nur Halsband und Leine, sondern ein weißes Führgeschirr, dass den Brustkorb des Hundes umfasst. Am Geschirr ist ein Führbügel angebracht.

Blindenführhunde müssen für ihre Aufgabe eine extra Ausbildung durch laufen.

Eine, die diese Hunde in ihrer Schule ausbildet, ist die Oschatzer Tierärztin Guntrun Heidemann. Im Interview gibt sie uns Einblick in die Arbeit der Blindenführhunde.
Was ist ein Blindenführhund?

Das ist ein speziell ausgebildeter mittelgroßer Hund, der Menschen, die nichts mehr oder nur noch ganz wenig sehen können, in vielen Alltagssituationen hilft. Das ist wirklich Teamarbeit zwischen Hund und Mensch. Die Profis nennen solch ein eingespieltes Team „Gespann“. Aus diesem Grund nennt man die Abschlussprüfung auch „Gespannprüfung“.

Wie hilft der Blindenführhund dem Menschen?

Ziel ist es, dass der blinde Mensch trotz seiner Einschränkung weiter mobil, also im Straßenverkehr unterwegs sein kann – um ganz normale Dinge zu tun, wie zum Beispiel einzukaufen. Der Hund warnt dann vor Hindernissen oder beschützt seinen Blinden, damit er nicht von der Bahnsteigkante fällt, sondern ausreichend Abstand hält.

Blindenführhunde machen den Menschen auf Hindernisse auf dem Weg aufmerksam. Quelle: privat

Was muss ein Blindenführhund alles können?

Der Hund erlernt während seiner Ausbildung mehr als 30 Hörzeichen, mit denen der Blinde seinem Hund Anweisungen gibt. Anweisungen sind aber keine Kommandos – wie bei einem Familienhund. Im Einzelfall muss sich der Hund nämlich den Anweisungen seines Halters aktiv widersetzen. Das darf ein Familienhund nicht, der muss hören. Ein Beispiel: Der Führhundhalter gibt an der Kreuzung das Hörzeichen zum Straße überqueren, plötzlich kommt ein Rechtsabbieger gefährlich nahe, der Hund darf dann nicht auf das gegebene Hörzeichen reagieren, sondern muss den Blinden selbstständig aus der Gefahrenzone fernhalten.

Warum ist das so wichtig?

Ganz einfach: Blindenführhunde schützen ihr Herrchen oder Frauchen vor Gefahren, nämlich vor Stufen und Bordsteinkanten, vor Hindernissen und Gefahrenstellen. Das wiederum schützt natürlich auch andere Verkehrsteilnehmer.

Tag des Blindenführhundes

Am 29. Januar 1929 wurde die erste und heute älteste Hundeschule für Blinde weltweit gegründet: Die „The Seeing Eye, Inc.“ in New Jersey, USA.

Das Datum wird heute als internationaler Tag des Blindenführhundes gefeiert.

Wie wird der Blindenführhund ausgebildet?

Mit modernen Methoden des Verhaltenstrainings wird die natürliche Lernfähigkeit des Hundes unterstützt. Bei mir sieht das so aus: Anfangs wird der junge Hund mit kurzen Zeiteinheiten an einfache Sachen gewöhnt, zum Beispiel das Geradeausgehen (ein Familienhund geht selten konsequent geradeaus), damit er später seinen Weg mit dem Blinden zielstrebig geht. Dann folgen unter anderem das Rechts-­ oder Linksabbiegen, Bordsteinkanten, Kreuzungen überqueren – alles in ruhigen Straßen mit wenig Verkehr. Nach und nach werden alle Übungen an verkehrsreiche Stellen verlegt. Ich übe in der zweiten Phase meist in Riesa. Im dritten Teil der Ausbildung übe ich in Leipzig den Großstadtverkehr mit Bahnfahrt hin und zurück und Umgang mit vielen Menschen  in Restaurants, Kaufhäusern und Märkten.

Wie lange dauert so eine Ausbildung?

Etwa neun Monate. Das kann natürlich auch schwanken, da auch Hunde unterschiedlich schnell lernen.

Wer bildet Blindenführhunde aus?

Das übernehmen Blindenführhundschulen. Meist sind das Familienunternehmen, wo ein bis zwei Familien angehörige die Trainingsarbeit machen.

Download

Hunde erlernen während der Ausbildung mehr als 30 Hörzeichen.

Hier gibt es eine Übersicht der Hörzeichen für Blindenführhunde zum Download:

Kann jeder Hund ein Blindenführhund werden?

Nein. Der Hund darf nicht aggressiv gegen Menschen, Hunde oder andere Tiere sein. Er sollte zudem wesensfest, nervenstark und arbeitsbelastbar sein und keinen Jagd trieb haben. Außerdem muss er gesunde Hüft-­ und Ellbogengelenke haben und eine Untersuchung der Augen bei einem Fachtierarzt für Augen durchlaufen. Häufig werden Labrador, Golden Retriever oder Mischlinge mit diesen Rassen ausgebildet. Im Aufwind sind zurzeit auch Großpudel. Ebenso eignen sich Riesenschnauzer für die Ausbildung, die brauchen aber einen konsequenten Besitzer.

Wie kommt man zu einem Blindenführhund? Kann man sich die Rasse aussuchen?

Wenn der Augenarzt bescheinigt, dass der Blinde das Hilfsmittel Blindenführhund benötigt, sucht man sich eine Führhundschule und fragt an, ob man einen Führhund bekommen könnte. Man kann dann schon Wünsche nach einer bestimmten Rasse äußern, wird aber von der Führhundschule beraten. Wenn eine Entscheidung gefallen ist, reicht die Führhundschule einen Kostenvoranschlag bei der betreffenden Krankenkasse ein. Erst wenn die Krankenkasse ihre Zustimmung gibt, kann der Blinde mit einem Führhund rechnen.

Blindenführhunde unterstützen auf dem Bahnhof am Bahnsteig, damit sich das Frauchen nicht unbeabsichtigt in Gefahr bringt. Quelle: privat

Und was ist, wenn sich Hund und Halter nicht verstehen?

Nach der Ausbildung schließt sich die Einschulungsphase an, in der der Blinde durch den Trainer den Umgang mit seinem Hund erlernt und der Hund sich an einen neuen Menschen gewöhnen muss. Das läuft nicht immer reibungslos. Der Trainer hilft in solchen Situationen weiter. Nach dem Ende der Einschulung kommt die „Gespannprüfung“, wo der Blinde mit seinem Hund vor einem unabhängigen Prüfer zeigen muss, dass er mit den passenden Hörzeichen mit seinem Hund sicher durch den Straßenverkehr kommt. Wenn das Team doch nicht harmoniert, kann jeder Blinde seinen Hund zurückgeben. Es sollten aber nachvollziehbare Gründe sein.

Wird der Blindenführhund genauso behandelt wie jeder andere Hund in einer Familie?

Zu Hause ist der Führhund nicht im Dienst und wird wie ein Familienhund behandelt. Ein Führhund weiß ganz genau, wann er im Dienst ist oder Freizeit hat.

Von Nannette Hoffmann

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