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Für Kinder Sprengmeister: Kein Job für schwache Nerven
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09:28 31.01.2020
Holger Klemig arbeitet seit vielen Jahren als Sprengmeister. Quelle: Polizei Sachsen
Leipzig

Drei große Bombenfunde in drei Wochen: Im Dezember 2019 hatten die Experten vom sächsischen Kampfmittelbeseitungsdienst in und um Leipzig alle Hände voll zu tun. Während die Bevölkerung in solchen Momenten immer schnell in Sicherheit gebracht wird, gehen sie als einzige ganz nah ran – und riskieren für uns ihr Leben.

Wie schafft man es in dieser Ausnahmesituation ruhig zu bleiben? Sprengmeister Holger Klemig, der am 4. Dezember 2019 den ersten Blindgänger in Eutritzsch, eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, unschädlich machte, gewährt uns im Interview Einblicke in seinen außergewöhnlichen Beruf.

Herr Klemig, was treibt einen dazu, ausgerechnet diesen gefährlichen Job zu machen?

(lacht) Gute Frage. Ich sage immer: Leute wie uns muss es auch geben. Ich habe nie etwas anderes gemacht und dann ist man eben an seinen Aufgaben gewachsen. Es ist ja nicht so, dass man von heute auf morgen schlagartig Sprengmeister wird. Da muss man sich erst mal hin entwickeln.

Schon gewusst?

  • In Sachsen arbeiten aktuell sieben Sprengmeister, allesamt Männer. Es gibt nur eine einzige Frau im Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Die Kollegin hat aber keine Berechtigung zur Sprengmeisterin.
  • 10 bis 15 Tonnen Kampfmittel pro Monat – so hoch ist das durchschnittliche Aufkommen im Freistaat Sachsen. Die wenigsten davon sind Bomben. Trotzdem ist dieser Part besonders spektakulär, weil er so viele Maßnahmen nach sich zieht. Für alles – von der Pistolenkugel bis zur Fliegerbombe – ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst zuständig.

Kann man sich an das Risiko gewöhnen? Wird selbst Ihr Job ein Stück weit zur Routine?

Nein, auf keinen Fall. Wir müssen immer den nötigen Respekt vor jedem neuen Fall an den Tag legen. Routine darf bei uns nicht aufkommen, das wäre lebensgefährlich. Zwei gleiche Kampfmittel sind noch lange nicht dasselbe! Die sind anders behandelt wurden, haben anders gelegen, waren anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Ich muss umfassend für jedes einzelne Teil bewerten, was ich damit noch machen kann. Insofern hat unser Job viel mit Denken zu tun. Man lernt im Prinzip die ganze Zeit – auch ich behaupte nicht von mir, dass ich ausgelernt habe.

Und Sie haben wirklich keine Angst?

Nein. Ich muss mich hier auf mein Wissen und mein Team verlassen und das hat bis jetzt immer geklappt.

Holger Klemig bei der Arbeit. Quelle: Polizei Sachsen

Aber gab es schon Situationen, in denen Sie nervös geworden sind?

Das passiert regelmäßig. Die grundsätzliche Frage lautet immer: Kann ich es wagen, die Bombe zu entschärfen? Halte ich das für realistisch, taste  ich mich langsam heran. Wenn eine Methode aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, gehe ich zum nächsten erprobten Versuch über. Sollte das alles aber nicht zum Erfolg führen und mir die Gefahr zu groß sein - für mich, meine Kollegen und andere Beteiligte - lasse  ich die Finger von der Bombe. Stattdessen muss das Teil an Ort und Stelle vernichten, also  durch eine kontrollierte Sprengung. Diese Möglichkeit habe ich immer, das ist der letzte und manchmal einzige Weg.

Sie haben mehr als 200 Bomben entschärft – welche ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Eigentlich ist jede Bombe für sich etwas Besonderes. Man steht so einem Kampfmittel ja nicht jeden Tag gegenüber. Im Einsatz sind die Sinne deshalb so geschärft, dass man sehr viele Details genau in Erinnerung behält. Und letztlich könnte jede Bombe die Letzte sein – eine reicht.

Darüber sind Sie sich im Klaren ...

Natürlich liegt mein Sterberisiko statistisch gesehen deutlich über dem Durchschnitt. Ich habe schon mal einen Unfall erlebt, bei dem jemand verletzt wurde. Auch nach dem schweren Unglück in Göttingen 2010, bei dem drei Sprengstoffexperten durch eine Bombenexplosion ihr Leben verloren haben, geht man anders auf Arbeit. Aber es hilft ja nix ständig darüber nachzudenken.

Zur Person

Holger Klemig ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat seit mehr als 35 Jahren beruflich mit Munition zu tun. Der Leiter der Kampfmittelzerlegeeinrichtung in Zeithain bei Riesa ist seit 1994 Sprengmeister. Er verabschiedet sich jeden Morgen ganz bewusst von seiner Frau.

Vorsicht!

Fundmonition ist lebensgefährlich – wenn ihr im Wald oder auf dem Feld etwas Verdächtiges findet, Finger weg und sofort den Polizeinotruf 110 wählen.

Von Constanze Dietsch

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