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Für Kinder Und was hat Jesus jetzt mit dem Nikolaus zu tun?
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15:47 06.12.2019
Nikolaus oder Weihnachtsmann oder die Eltern - wer bringt denn nun die Geschenke? Oder geht es vielleicht um etwas ganz Anderes in der Weihnachtszeit? Quelle: Susanne Jutzeler / suju-foto / pixabay

Gehörst du auch zu den Kindern, die sich jedes Jahr darauf freuen, wenn Nikolaus, Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke bringen? Wenn die schönen Rituale in der Adventszeit für weihnachtliche Stimmung sorgen und plötzlich Stiefel und Socke mit schönen Dingen gefüllt sind? Und dann kommt ein Klassenkamerad daher und sagt: „Den Nikolaus gibt’s doch gar nicht! Das weiß doch jeder. Geschenke bringen doch die Eltern!“ Wer hat denn nun recht?

Den Nikolaus gab es

Also eines ist erst mal sicher: Den Nikolaus gibt es wirklich. Oder gab es. „Viel weiß man über ihn nicht, aber er hat vermutlich ungefähr 400 Jahre nach der Geburt Christus gelebt“, erklärt Bernhard Stief, Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche. „Wir wissen, dass Nikolaus jemand war, der an Gott und Jesus Christus geglaubt hat und deswegen von den Römern verfolgt wurde.“ Für seinen Glauben saß er sogar einmal im Gefängnis, kam aber wieder frei. „Nikolaus soll ein gutmütiger Mensch gewesen sein, der sogar die Reichtümer, die er geerbt hatte, weiterverteilt hat.“ Später wurde er Bischof der Stadt Myra in der heutigen Türkei. Wegen seiner guten Taten und der Wunder, die er vollbracht haben soll, gab die Kirche ihm später den sogenannten Heiligenstatus – Sankt Nikolaus.

Der heilige Nikolaus wird von Christen rund um die Welt verehrt: Pfarrer Bernhard Stief mit einer sogenannten Nikolaus-Ikone aus Russland. Quelle: Thomas Bothe

Das Wunder von Myra

Der 6. Dezember, der Nikolaustag, ist sein Todestag. „Heute wird immer wieder an ihn erinnert“, sagt Stief. In der Nikolaikirche, deren Name schon verrät, dass die Kirche nach dem Heiligen benannt ist, gibt es eine Mitmach-Andacht, bei der Kinder und Erwachsene gemeinsam ein Wunder nachspielen, das Nikolaus bewirkt haben soll: „In Myra gab es damals eine große Hungersnot“, erzählt der Pfarrer. „Die Kornkammern waren leer und es gab nichts mehr zu essen. Viele Menschen bereiteten sich auf das Sterben vor. Da kamen Kornschiffe zum Hafen von Myra gefahren – und plötzlich erschienen Piratenschiffe, die die Einfahrt verwehrten. Die Piraten wollten das Korn nur in die Stadt lassen, wenn die Einwohner eine Truhe mit Gold füllten. Doch alle Ringe, Schmuck und Geld füllten gerade den Boden. Der Anführer der Piraten sagte: ‚Ihr könnt uns eure Kinder mitgeben, wir nehmen sie als Sklaven.‘ Das brach dem Bischof Nikolaus das Herz, und er füllte die Truhe mit allen Schätzen, die in den Kirchen zu finden waren. Und Nikolaus sprach: ‚Der wahre Schatz der Kirche sind die Kinder.‘ Die Piraten zogen ab und die Kornschiffe durften anlegen. Die Menschen waren gerettet.“

Sein Vorbild: Gutes tun, aber unerkannt

Die Geschichte zeigt, dass Nikolaus ein Herz für Kinder hatte, nicht für Gold und Reichtümer. „Das ist ein schönes Bild“, sagt Bernhard Stief. „Deshalb war früher auch der Nikolaustag der Tag des Schenkens und nicht Weihnachten.“ Denn Heilige sind laut dem Pfarrer Menschen, die durch das, was sie tun, Vorbilder sind für andere. „Der Auftrag an uns lautet: Tut anderen Gutes, man soll Kinder wertschätzen und denen eine Freude machen, die nicht so viel haben, wie man selbst.“ Vielleicht kennt auch ihr jemanden in eurer Klasse oder unter euren Bekannten, der oder die zu kurz kommt und nicht so viel hat. „Das Wichtige ist: Das Schenken sollte anonym passieren, also ohne dass man dabei erkannt wird“, sagt der Pfarrer. Denn auch Nikolaus sei es nicht wichtig gewesen, für sein Gutes Lob oder Anerkennung zu bekommen.

Der heilige Nikolaus war Bischof von Myra - deshalb trägt der Nikolaus den Bischofsmantel, den Bischofsstab und eine Bischofsmütze, die Mitra. Das unterscheidet ihn auch optisch vom Weihnachtsmann. Quelle: Aline Dassel / pixabay

Viele Gehilfen nötig

Diese Art, sich beim Schenken zu verstecken, nahm über die lange Zeit viele verschiedene Formen an. Nikolaus habe so viel Gutes getan, dass er es irgendwann nicht mehr alleine schaffen konnte. Er brauchte Gehilfen, viele Helfer, die wie er Gutes in die Welt tragen. So sei unter anderem auch Knecht Ruprecht hinzugekommen.

Auch der Weihnachtsmann gehe eigentlich auf den Nikolaus zurück. Vor ein paar Hundert Jahren sollten Heilige nicht mehr so verehrt werden, das Weihnachtsfest als Geburtsfest von Jesus Christus sollte wichtiger sein als der Nikolaustag. Noch etwas später, als mehr und mehr Menschen nicht mehr an Gott glauben wollten, veränderte sich auch das Aussehen des Nikolaus, er verlor seinen Bischofsmantel und seine Bischofsmütze, die Mitra: Der Weihnachtsmann war geboren.

Warum ist Schenken wichtig?

„Das Christuskind ist Gottes Geschenk an die Menschen gewesen und der Ursprung des christlichen Gedankens, anderen etwas zu geben“, erklärt Stief. Das unschuldige, verletzliche Kind ist damit auch Vorbild für das Christkind, das in manchen Regionen Deutschlands die Geschenke bringt.

Das Jesus-Kind in der Krippe. Quelle: Gerd Altmann / pixabay

Egal, ob Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind – alle führen also zurück auf das Jesuskind und die christliche Botschaft der Nächstenliebe. Deshalb sei die Frage, ob der Nikolaus oder Weihnachtsmann selbst von Haus zu Haus gehe und Geschenke in die Stiefel und Socken packe, nicht das Entscheidende: „Es geht um den Gedanken, anderen Gutes zu tun. Innezuhalten und um sich zu schauen, dankbar dafür zu sein, was man hat und vielleicht etwas davon abzugeben.“

Quelle: Frauke Riether / pixabay

Der Psychologe Florian Schäfer vom Kinderschutz-Zentrum Leipzig stellt deshalb auch die Frage, wer mit Weihnachtsmann und Co. eigentlich gemeint ist: „Auf den Weihnachtsmann, der mit Brimborium die Geschenke bringt, kann ich – und ich glaube die Mehrheit der Kinder ebenfalls – verzichten. Den Segensbringer halte ich dagegen für unverzichtbar.“ Denn der steckt in jedem, der seine Botschaft hört und weitergibt. „Und dazu gehört auf keinen Fall die Rute“, sagt Bernhard Stief mit viel Nachdruck. Der Nikolaustag und Weihnachten leben von der Freude und nicht von dem, über was man sich geärgert hat.

Und egal zu welcher Entscheidung du am Ende dieses Artikels gekommen bist: Wer will dir denn vorschreiben, was du glauben darfst oder nicht? Schließlich ist Weihnachten.

Von Thomas Bothe

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