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Ratgeber Immer Ärger mit den Nachbarn: Kinderlärm in der Wohnung
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10:06 21.03.2019
Ruhe, bitte! Wenn Kinder beim Spielen über die Stränge schlagen, fühlen sich die Nachbarn gestört und beschweren sich. Quelle: PR Image Factory / Fotolia.com

Sind Familien gern gesehene Nachbarn?

Anke Matejka: Ich glaube, es hat ein Wandel in der Gesellschaft stattgefunden, der Umgang der Menschen untereinander hat sich verändert. Viele leben zurückgezogen und sind sehr fokussiert auf sich selbst. Sie sind nicht mehr so tolerant Kindern gegenüber, fühlen sich schnell belästigt und vergessen dabei, dass sie selbst einmal jung waren. Das sehen wir leider immer wieder, wenn Kitas, Schulen oder Spielplätze gebaut werden sollen. Auf der anderen Seite wachsen Kinder heute auch anders auf. Früher waren Kinder zum Beispiel mehr draußen, fernab von Nachbars Ohren.

Kinderlärm ist häufig Anlass zu Beschwerden. Wie laut dürfen die Kleinen denn sein?

Normalen Kinderlärm müssen Nachbarn aushalten, das heißt Kinder dürfen in der Wohnung spielen und dabei auch lachen, weinen, schreien und toben. Die Gerichte sehen das als natürliches Verhalten und wichtig für die Entwicklung an. Trotzdem ist das kein Freifahrtschein, Eltern müssen auf die Einhaltung der allgemeinen Ruhezeiten hinwirken. Wobei der Grundsatz gilt: Je  älter die Kinder sind, desto mehr Verständnis und Rücksichtnahme wird erwartet. Niemand darf sich ernsthaft über ein schreiendes Baby in der Nacht beschweren. Saust dagegen das Kindergartenkind mit dem Bobbycar durch die Wohnung, testet der Nachwuchssportler zu Hause den neuen Ball oder hört ein Teenager nachts laut  Musik, hört der Spaß auf.

Anke Matejka ist Geschäftsführerin des Mietervereins Leipzig und Expertin in Sachen Mietrecht. Für sie ist gegenseitige Rücksichtnahme das A und O – dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Quelle: André Kempner

Apropos Musik: Wie verhält es sich, wenn Kinder ein Musikinstrument erlernen und regelmäßig proben müssen?

Mieter und damit auch Kinder dürfen in ihrer Wohnung musizieren. Etwaige Verbote oder zu strikte Einschränkungen in der Hausordnung sind unwirksam. Allerdings sind auch hier die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten und es darf eine tägliche Spieldauer nicht überschritten werden. Diese richtet sich nach der Lautstärke des Instruments. Wer Schlagzeug spielt, muss das Proben in der Regel auf eine Stunde begrenzen. Klavierschülern werden zwei bis drei Stunden zugestanden.

In den eigenen vier Wänden ist die Freiheit also fast größer als erwartet. Was ist bei den Gemeinschaftseinrichtungen des Hauses zu beachten?

Eltern müssen ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und dafür sorgen, dass ihre Kinder gemeinschaftlich genutzte Flächen wie das Treppenhaus, den Hausflur oder Keller nicht als Indoorspielplatz zweckentfremden. Ständig mit dem Fahrstuhl rauf und runter zu fahren, ist ebenfalls tabu. Einen Kinderwagen im Hausflur abzustellen, ist dagegen erlaubt. Sofern der Platz ausreicht, er niemanden behindert und keine Fluchtwege versperrt werden.

Was ist mit Hof und Garten? Darf ich dort spielgeräte oder ein Planschbecken aufstellen?

Selbstverständlich dürfen Kinder im gemeinschaftlich genutzten Außenbereich spielen – übrigens auch mit ihren Freunden, die gerade zu Besuch sind. Im Sinne des Hausfriedens sollte nicht ständig und überall Spielzeug herumliegen. Wer für den Nachwuchs im Hof oder Garten eine Schaukel, einen Sandkasten oder im Sommer ein Planschbecken aufstellen will, kann dies prinzipiell tun. Dennoch würde ich bei solchen Plänen lieber vorab mit dem Vermieter und den Nachbarn Rücksprache halten. Das lohnt schon allein mit Blick auf eine mögliche Kostenteilung.

Kurzinfo Mietrecht

Ist Kinderlärm ein Kündigungsgrund?

Mutwillig verursachter Kinderlärm, der das übliche Maß überschreitet, muss von den Nachbarn nicht geduldet werden. Häufen sich die Beschwerden, kann der Vermieter die Familie abmahnen. Eine fristlose Kündigung ist nicht rechtens, weil den Mietern die Möglichkeit eingeräumt werden muss, den Zustand zu normalisieren.

Muss man Nachwuchs dem Vermieter melden?

Der Vermieter sollte grundsätzlich Kenntnis davon haben, wer in der Wohnung/im Haus wohnt. Ändert sich die Personenanzahl durch die Geburt eines Kindes, sollten Mieter ihren Vermieter darüber entsprechend informieren. Unter Umständen kann das nämlich auch Auswirkungen auf die Berechnung der Betriebskosten haben.

Mangel oder Gebrauchsspur?

Wände und Bodenbeläge werden von Mietern mit Kind(ern) stärker beansprucht als beispielsweise von Senioren. Spuren an Tapeten oder auf dem Teppich/Laminat, die durch einen normalen Gebrauch entstehen, stellen keinen Mangel dar und sind mit der Miete abgegolten. Bohrt der Nachwuchs hingegen mit spitzer Schere Löcher ins Parkett oder bemalt Türen und Wände handelt es sich nicht mehr um eine akzeptable Abnutzung.

Stichwort Gäste: Wie ausgiebig dürfen der Kindergeburtstag oder die Einschulung gefeiert werden?

Alle Mieter dürfen in ihrer Wohnung Familienfeste veranstalten, das steht außer Frage. Nichtsdestotrotz sollte man auf seine Nachbarn Rücksicht nehmen und stets die Ruhezeiten im Blick behalten. Wer im Sommer lieber draußen feiern will, kann das gern tun. Beim Thema Grillen ist aber Vorsicht geboten. Auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses hat ein Holzkohlegrill nichts zu suchen und auch im Innenhof muss darauf geachtet werden, dass sich niemand durch den Rauch gestört fühlt. Es kann deshalb nie schaden, seine Nachbarn einige Tage vorher schon mal vorzuwarnen, dass es gegebenenfalls etwas lauter werden könnte. Der gute alte Aushang funktioniert da nach wie vor. Noch besser ist es, die geplante Feier persönlich anzukündigen und die Nachbarn einfach mit einzuladen.

Und wenn es doch mal Kritik von der Hausgemeinschaft gibt – wie verhalten sich Eltern dann am besten?

Ich empfehle immer, auf die Nachbarn zuzugehen, das Gespräch zu suchen. Eltern sollten die Hinweise ernst nehmen und sich um einen Kompromiss bemühen – auch wenn es schwerfällt. Letztlich geht es ja nur miteinander. und bekanntlich werden Kinder schnell groß, dann erledigt sich das ein oder andere Streitthema mit der Zeit von selbst.

Von Constanze Dietsch

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