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Ratgeber Schnarchen bei Kindern: Ursachen, Folgen, Behandlungsmöglichkeiten
Mehr Schlingel & Familie Ratgeber Schnarchen bei Kindern: Ursachen, Folgen, Behandlungsmöglichkeiten
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17:01 25.04.2019
Auch in manchen Kinderzimmern werden nachts schon ganze Wälder abgeholzt – kleine Schnarchnasen stehen den großen in nichts nach und kommen häufiger vor als gedacht. Quelle: Q/Fotolia.com

Wie viele Kinder schnarchen? 

Für uns Ärzte wird Schnarchen relevant, wenn es regelmäßig auftritt, das heißt mindestens jede zweite, wenn nicht sogar jede Nacht. Schnarchen im Rahmen eines Infektes zum Beispiel zählt also nicht dazu. Regelmäßiges Schnarchen im Kindesalter ist ein gar nicht so seltenes Phänomen. Man geht davon aus, dass zwischen fünf bis zehn Prozent aller Kinder eine kürzer- oder längerfristige Episode haben, in der sie schnarchen. Typischerweise sind sie dann zwischen ein und fünf Jahren alt.

Was sind die Ursachen?

Wenn bei den Kindern keine anderen Grunderkrankungen vorliegen, ist die häufigste Ursache für Schnarchen vergrößertes Mandelgewebe im Nasen- und/oder Rachenraum. Wir sprechen hier von adenoiden Vegetationen - im Volksmund ist immer von Polypen die Rede. 

Müssen sich Eltern von kleinen Schnarchern Sorgen machen?

Dass Kinder schnarchen ist grundsätzlich erst mal nichts groß Besorgniserregendes. Wir versuchen aber die Patienten herauszufiltern, die durch das Schnarchen zusätzliche Probleme haben. Denn durch das geschwollene Gewebe in der Nase kommt es zum Beispiel zu einer schlechteren Belüftung des Innenohres, was oft zu einer Hörminderung führt. Eine Vorstellung beim Hals-, Nasen-, Ohrenarzt mit entsprechendem Hörtest ist in jedem Fall zu empfehlen. Eltern sollten auch darauf achten, ob noch andere Symptome vorliegen. Zum Beispiel, wenn sich die Kinder nachts beim Atmen sehr anstrengen müssen, in der Folge tagsüber unausgeglichen bis hyperaktiv sind oder insgesamt nicht gut gedeihen, sprich nicht altersgemäß zunehmen. Das alles sind Warnsignale, die unbedingt eine ärztliche Kontrolle erfordern.

Von erwachsenen Schnarchern weiß man, dass es im Schlaf sogar Atemaussetzer gibt – kann das bei Kindern auch vorkommen?

Ja, auch bei Kindern kann es passieren, dass nachts in bestimmten Schlafphasen die Atemwege so verengt sind, dass keine Luft mehr durch den Mund-Nasen-Raum kommt. Solche Atempausen sind für uns der wichtigste Hinweis, dem intensiv nachgegangen werden muss. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei um ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, das man früher nur aus der Erwachsenenmedizin kannte, bei Kindern aber genauso vorliegen kann.

Zur Person

Jens Kluge (40) arbeitet am Universitätsklinikum Leipzig als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Schlaf- und Intensivmediziner. Eltern von kleinen nächtlichen Ruhestörern rät er im Zweifel nicht zu lange zu warten, sondern das kindliche Schnarchen beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt und in der schlafmedizinischen Sprechstunde der Unikinderklinik analysieren zu lassen. 

Welche Untersuchungen werden da gemacht?

Es gibt eine sehr gute Untersuchung, die Schlaflaboruntersuchung, die wir auch hier bei uns in der Unikinderklinik Leipzig durchführen. Die Kinder kommen in der Regel per Überweisung zu uns, werden stationär aufgenommen, entsprechend verkabelt und verbringen zusammen mit ihren Eltern eine Nacht bei uns. Dank der ständigen Überwachung können wir die Atempausen erfassen und überprüfen, ob dabei die Sauerstoffsättigung stabil bleibt oder es zu vermehrten Weckreaktionen kommt. Je nach Befund wird dann entschieden, ob das Schnarchen erst mal – unter Folgekontrollen – toleriert werden kann oder ob eine Operation empfehlenswert ist.

Wie wird operiert?

Die Operation wird unter Narkose durchgeführt, die Rachenmandeln werden mit einem Laser verkleinert. Natürlich ist ein solcher Eingriff nicht völlig risikofrei, deshalb sollte die Indikation gewissenhaft gestellt werden. Denn wenn ein nicht so höhergradiges obstruktives Schlafapnoesyndrom vorliegt oder die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte keine Hörminderung feststellen, dann kann man ruhig abwarten, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Im Alter von etwa zehn Jahren werden die Atemwege der Kinder nämlich so groß und das Mandelgewebe relativ dazu kleiner, dass sich das Problem irgendwann verwächst. 

Und danach kehrt nachts wieder Ruhe ins Kinderzimmer ein?

Die Mehrheit der Kinder schnarcht nach der Operation gar nicht mehr, bei den allermeisten ist eine deutliche Verbesserung zu spüren. Es braucht etwa ein bis zwei Monate bis alles abgeheilt ist. Viele Eltern berichten auch, dass ihre Kinder danach wie ausgewechselt sind. Und aus kleinen Schnarchern werden übrigens nicht automatisch große.

Interview: Constanze Dietsch

Hilfe und Beratung am Universitätsklinikum Leipzig

Schlafmedizinische Sprechstunde:
Terminvergabe und Anfragen unter 0341 9726242

Kinderschlaflabor Unikinderklinik, Liebigstraße 20a, 2. Etage gegenüber der Neonatologie

Weitere Informationen auf der Website der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin.

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