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Grundschulen in Leipzig Pädagogisch wertvolle Mediennutzung
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15:04 24.10.2019
Digitale Medien gehören zum Alltag, auch bei Kindern. Der Umgang mit Computern und Internet steht deshalb auch im Lehrplan. Quelle: pixabay / Steve Riot

Dienstagmorgen kurz vor neun Uhr an der Kurt-­Masur­-Schule in der Leipziger Südvorstadt. Die städtische Grundschule befindet sich in einem modernen Neubau, eingeweiht im Herbst 2014. Pausengewusel im Klassenzimmer der vierten Klasse von Yvonne Bräuer. Die interaktive Tafel, etwa so groß wie eine aufgeklappte klassische Schultafel an der gewohnten Stelle im Unterrichtsraum, nämlich vorn in der Mitte, ist eingeschaltet und zeigt den Stundenplan des heutigen Tages an. Ein Schüler tritt an die Tafel und verschiebt mit seinen Fingern einen roten Pfeil auf der Anzeigefläche in Richtung zweite Stunde – Deutsch. Neun Uhr. Es geht los. Nach der Begrüßung, zu der alle von ihren Sitzplätzen aufstehen, sagt die Klassenlehrerin: „Kommt alle vor zum Theater-­Sitzen.“ Im Nu verteilen sich die Schüler im vorderen Bereich des Raums auf Stühlen und auf dem Boden, um näher an der interaktiven Tafel zu sein. Denn gleich wird interagiert.

Deutschunterricht mit länderkundlichen Elementen

Den Einstieg bildet ein Ratebild. Auf der Anzeigefläche der Tafel ist nur ein kleiner, kreisrunder Bildausschnitt zu sehen und die Kinder sollen erraten, was sich dahinter verbirgt. Die Kinder formulieren ihre Vermutungen, während die Lehrerin mit dem Tafelstift den Bildausschnitt verändert. Schließlich erfahren die Kinder, dass es sich um ein Foto von einer japanischen Wunschpuppe handelt. Darumas werden sie genannt. Als Nächstes zeigt Bräuer eine Weltkarte. „Wer kann mir zeigen, wo Japan liegt?“ Ein Junge tritt hervor und markiert Japan auf der Landkarte. „Und wo liegt Deutschland?“ Spielerisch üben die Schüler in dieser Deutschstunde auch Länderkunde. Danach geht es zum eigentlichen Deutschunterricht über. Die Klasse behandelt gerade Wortarten im Satz – Substantiv, Verb, Adjektiv, Pronomen. Zur Wiederholung gibt es eine Übung an der Tafel. Dabei müssen Wortbeispiele den Wortarten zugeordnet werden. Die Klasse löst die Aufgabe gemeinschaftlich. Reihum wird der Tafelstift weitergereicht, je ein Kind bewegt ein Wort zur korrekten Kategorie. Nach Abschluss der Übung heißt es: Zurück an die Plätze! Es folgt ein klassisches Unterrichtselement, das Lösen eines Arbeitsblattes. Thematisch handeln die Aufgaben von den Darumas. Wer im Text etwas inhaltlich nicht versteht und nachschlagen möchte, darf den Recherche­-Arbeitsplatz in der hinteren Ecke des Klassenzimmers nutzen. Dort sind Wörterbücher gestapelt und ein Laptop mit Internetzugang steht bereit. Nach einer Weile weist die Lehrerin ihre Klasse darauf hin, zum Ende zu kommen. Schließlich steht noch ein letzter Punkt auf dem Plan für die heutige Deutschstunde, das Basteln eines Daruma-­Lesezeichens mit japanischen Schriftzeichen. Die Bastelanleitung wird an der interaktiven Tafel angezeigt, ebenso die japanischen Schriftzeichen zum Abschreiben. Gebastelt wird „analog“ mit Schere, Leim und Papier.

Kenntnisse in Internetrecherche und Textverarbeitung

In der anschließenden Pause bietet sich die Gelegenheit mit zwei Schülern aus der Klasse zu sprechen. Julieta und Raphael erzählen und zeigen mir, wofür sie in der Schule die neuen Medien verwenden. Julieta besucht das Ganztagsangebot (GTA) Hortzeitung. „Wir recherchieren und tippen unsere Texte im Computerraum ab.“ Raphael dagegen durfte schon Roboter programmieren in der GTA Computerfüchse. Das fand er richtig toll. Im Sachunterricht hatten sie einmal Vorträge zum Thema „Wiesentiere“ gehalten. Raphael zeigt mir Fotos von der Präsentation, bei der sie auch die interaktive Tafel genutzt haben. Yvonne Bräuer wirft ein, dass das Tafelprogramm auf allen Schüler­-PCs im Computerraum hinterlegt ist. „So können die Schüler ihre Präsentationen selbst erstellen“, erklärt sie. Außerdem würde sie den Schülern auch vermitteln, wo sie im Internet lizenzfreie Fotos für ihren Vortrag finden. Gerne möchte Yvonne Bräuer ihre Viertklässler im Laufe des Schuljahres an das Schreiben von E­-Mails heranführen. „Über LernSax besteht die Möglichkeit, für jeden Schüler eine persönliche E­-Mail-­Adresse einzurichten.“ Die Kinder könnten dann im geschlossenen, geschützten System der Cloud-­Lösung LernSax des Landesamts für Schule und Bildung untereinander und mit Lehrern E­-Mails schreiben. „Ich würde den Schülern dieses Anwendungswissen gern mit auf den Weg geben, wenn sie an die weiterführende Schule wechseln.“

Expertise des medienpädagogischen Zentrums

Die Kurt­-Masur­-Schule gehört zu den sehr gut ausgestatteten Grundschulen der Stadt Leipzig. Wie alle Schulneubauten hat sie eine „digitale Basisausstattung“ erhalten. Mario Loos, Leiter des Medienpädagogischen Zentrums Leipzig (MPZ) erklärt, was das beinhaltet: „Das Schulgebäude wird komplett vernetzt, erhält Firewall, Router, WLAN. Dazu kommen interaktive Tafeln und Endgeräte wie Laptops oder Tablets.“ Städtische Bestandsschulen können im Zuge des Digitalpakts Schule (siehe unten) Fördergelder für diese Basisausstattung beantragen. Hierzu muss jede Schule ein Medienentwicklungskonzept verfassen. Bei der Erstellung helfen die Fachkollegen des MPZ weiter. Die Informatiker und Pädagogen geben Auskunft darüber, was technisch möglich und pädagogisch sinnvoll ist. Es gelte, eine schultaugliche Lösung zu erarbeiten. Dabei sei auch zu prüfen, ob vorgesehene Portale, Clouds und Apps Datenschutzvereinbarungen einhalten. „Schülerdaten könnten sonst von Anbietern aggressiv abgegriffen werden“, gibt  Thomas Hickfang, Medienpädagoge und Teamkoordinator am MPZ, zu bedenken. „Die Medien LernSax, MeSax und OPAL Schule vom Landesamt für Schule und Bildung erfüllen den Datenschutz.“

Quelle: pixabay / Tomasz Mikolajczyk

Altbekanntes Rechnen an der Tafel

Zu Besuch in der Freien Grundschule Clara Schumann im Graphischen Viertel: Die Schule im historischen Schumann-­Haus in der Inselstraße wird von dem freien Bildungsträger Rahn Education betrieben. Für die „Raben“, die vierte Klasse von Christin Schinköth, beginnt gleich Mathe in der vierten Stunde. Auch hier ist vorn im Klassenraum die interaktive Tafel angebracht. Die Lehrerin beginnt die Stunde mit einer Rechenübung im Matheheft. Das Einmaleins und Additionsaufgaben. Die Kinder sprechen die Aufgaben im Chor laut nach, während sie diese ins Heft notieren. Nach dem Rechnen vergleichen sie die Ergebnisse und kontrollieren sich gegenseitig. Weiter geht es an der interaktiven Tafel. Schinköth wählt im Tafelprogramm Kästchenpapier als Hintergrund aus und schreibt mit dem Tafelstift „284 + 57“ an. „Welche verschiedenen Rechenwege der Addition kennt ihr?“ fragt sie in die Klasse. „Wer will mir seinen Rechenweg an der Tafel anschreiben?“ Die Schüler melden sich. „Bill!“ Der Junge läuft zur Tafel und beginnt mit dem Tafelstift seinen Lösungsweg anzuschreiben. Diese Verwendung der interaktiven Tafel entspricht dem altbekannten an die Tafel schreiben mit Schulkreide, nur ohne lästigen Kreidestaub an den Händen und ohne Quietschen.

Alle Teile der Grundschulserie sowie weitere Informationen zum Thema Bildung und Schule finden Sie hier.

Lernsoftware zur Ergänzung

Lehrerkollegin Susan Schäfer, Klassenleiterin der „Bienen“, einer dritten Klasse, verrät im Gespräch, dass sogar geometrisches Konstruieren an der interaktiven Tafel möglich ist. „Ich kann eine Parallelverschiebung mit Ziehen und Schieben durchführen und muss dabei nicht gleichzeitig ein großes Tafellineal, Zeichendreieck und Kreide halten und bewegen.“ Im Deutsch-­ und Sachkundeunterricht setze sie manchmal Laptops im Klassensatz ein. „Die Kinder sollen recherchieren lernen“, sagt die Grundschullehrerin. „Ich versuche, ihnen das Schreiben nach dem Zehn-­Finger­-System beizubringen.“ Außerdem nutzten die Schüler Lernspielangebote wie Antolin für das Fach Deutsch. Diese Lernsoftware, die Kinder zum Lesen motivieren soll, wird in vielen Grundschulen verwendet. Auch die Kurt-­Masur­-Schule nutzt Antolin und für Mathematik die Lernsoftware Zahlenzorro. Die Schüler können die Lernspiele zu Hause nutzen, indem sie sich über einen Zugang einloggen.

Persönliches Engagement der Lehrer

Erneuter Ortswechsel: 24. Grundschule der Stadt Leipzig in Paunsdorf. Der Schulaltbau zählt zu den Bestandsschulen der Stadt, sollte im Jahr 2012 geschlossen werden, was aufgrund steigender Schülerzahlen widerrufen wurde. Inzwischen ist die Schülerschaft soweit angestiegen, dass mit einem Containerbau erweitert werden muss. Im Vergleich zu Schulneubauten wie der Kurt-­Masur­-Schule, die standardmäßig eine digitale Grundausstattung mit Schul-­WLAN, interaktiven Tafeln und mobilen Endgeräten erhalten, kann die 24. Grundschule nur einen Computerraum vorweisen. Im Zuge des in Kraft getretenen Digitalpakt Schule hat das Lehrerkollegium zu Schuljahresbeginn mit der Erstellung eines schulischen Medienbildungskonzepts begonnen. Bis der Förderprozess durchlaufen ist und auch an dieser Schule interaktive Tafeln und Schul­WLAN Einzug halten, wird noch mehr als ein Jahr vergehen. Da hilft es, wenn mancher Lehrer seine Affinität zur digitalen Technik eigeninitiativ an die Schüler weitergibt. Im Rahmen des einmal wöchentlich stattfindenden „Förderbandes“ besuchen alle Schüler nach dem Rotationsprinzip die Computer­-GTA und die GTA Schülerzeitung bei Kunst-­ und Mathelehrer Tony Wulfert. Die Schülerzeitungsredakteure lernen, am PC zu schreiben und zu recherchieren, aber auch selbstaufgenommene Fotos zu bearbeiten oder mittels Tabellenkalkulationen ein Kreuzworträtsel zu erstellen. In der Computer-­GTA geht es verstärkt um informatorische Bildung. „Ich schraube mit den Kindern einen Computer auseinander und zeige ihnen, wie sie einfache Computerspiele programmieren können“, berichtet Wulfert. Er fügt an: „Manche Kinder sind sehr geschickt im Programmieren, darunter solche, die in Mathe Schwierigkeiten haben und dann selbst von ihren Fähigkeiten überrascht sind.“

Der Bildungsauftrag

Aktuell sind die Grundschulen in Leipzig in puncto Digitalisierung also noch sehr verschieden aufgestellt. Mit Hilfe des Digitalpakts Schule sollten in zwei Jahren alle Schulen in kommunaler Trägerschaft mindestens über die Basisausstattung verfügen. Dann könnten allen Schülern, wie es das Sächsische Landesamt für Schule und Bildung formuliert hat, mit der Medienbildung Schlüsselkompetenzen für selbstbestimmtes Handeln und gesellschaftliche Teilhabe in einer digital geprägten Welt an die Hand gegeben werden.

Weitere Informationen zur Medienbildung in Sachsen gibt es online unter www.medienbildung.sachsen.de und www.digitalpakt.sachsen.de .

Digitalpakt Schule

Was er sächsischen Schulen bringt

Die Umsetzung des Digitalpakts Schule ist in Sachsen zum Schuljahresbeginn 2019/20 gestartet. Insgesamt stehen 250 Millionen Euro aus Geldern des Bundes für öffentliche und freie Schulen im Freistaat zur Verfügung. Diese werden über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgezahlt. Wie viel Geld die Schulen erhalten, gibt die Förderrichtlinie des Landes vor. Das zugeteilte Budget für die einzelnen Schulen richtet sich nach Anzahl der Schulklassen, der Schulform und der Zügigkeit der Schule. Die Schulen erhalten das Geld erst nach Stellung eines Förderantrags. Hierfür muss jede Schule ein Medienbildungskonzept entwickeln, das die Umsetzung in technischer und pädagogischer Hinsicht darstellt. Es gilt der Grundsatz: ohne Konzept und ohne Qualifizierung der Lehrkräfte keine Förderung. Entsprechend müssen die Schulen auch einen Fortbildungsplan in digitaler Kompetenz für die Lehrkräfte erstellen. Beratung bei der Konzipierung bieten die Medienpädagogischen Zentren (MPZ). Das Leipziger MPZ ist der Stadt Leipzig unterstellt.

Die Richtlinie Digitale Schulen des Sächsischen Kultusministeriums vom 21. Mai 2019 schreibt vor, was konkret gefördert wird:

  • Aufbau oder Verbesserung der digitalen Vernetzung in Schulgebäuden und auf Schulgeländen einschließlich des Schulservers und schulischem WLAN, nach Möglichkeit Ausbau des Breitbands am Schulstandort
  • Anschaffung von Anzeige- und Interaktionsgeräten wie interaktiven Tafeln
  • Anschaffung von klassischen PCs für Desktop-Arbeitsplätze und schulgebundenen Tablets und Notebooks – aber keine Smartphones!

Von Katrin Similien

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