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Grundschulen in Leipzig Staatlich oder Frei: Welche Schule für mein Kind?
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13:46 01.02.2019
Für Kinder ändert sich mit dem Schulanfang vieles im Leben. Quelle: Fotolia/drubig-photo

Leipzig. 6024 Kinder werden zum Schuljahr 2019/2020 in Leipzig schulpflichtig. Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ist ein großer Schritt: "Für Schulanfänger ändert sich ihr gesamtes Leben“, erklärt Katrin Liebers, Professorin für Grundschulpädagogik an der Universität Leipzig. Sie treffen auf neue Räume, Erwachsene, Kinder, Zeitstrukturen, Regeln, Anforderungen beim Lernen und große Erwartungen vonseiten der Familie.

Ist das nicht zu viel auf einmal? Die Expertin sagt Nein: „In der Regel wachsen Kinder an diesen Herausforderungen – sie wollen und können diese zumeist meistern.“

Das richtige Alter

Wann der richtige Zeitpunkt für die Einschulung ist, darüber entscheiden das Geburtsdatum und eine Schulaufnahmeuntersuchung.

Vorzeitige Einschulungen sind jedoch ebenso möglich wie Rückstellungen um ein Jahr. Letzteres kommt in der Praxis deutlich häufiger vor.

Wann aber ist ein Kind bereit für die Schule? Professorin Katrin Liebers warnt, Schulfähigkeit einzig als Eigenschaft des Kindes zu sehen. Allgemeingültige Kriterien für Schulfähigkeit hätten weder Wissenschaft noch Praxis. Sicher würden Lehrer eine gute Ausdauer und Konzentration, Selbstständigkeit und emotionale Stabilität erwarten.

Lernen macht Spaß, die meisten Kinder sind mit Eifer dabei. Quelle: Fotolia/drubig-photo

Wie gut ein Kind aber Lesen und Schreiben lernt, hänge auch von anderen Faktoren ab, so Liebers. So haben Vorerfahrungen von Kindern mit Büchern und Schrift im Alltag ebenso Einfluss wie Sprach- und Umweltkenntnisse. Liebers ist sicher: Eltern könnten oft recht gut einschätzen, ob eine termingerechte Einschulung das richtige für ihr Kind ist.

Schulbezirke entscheiden über Schulort

Anders als bei weiterführenden Schulen können Eltern nicht wählen, auf welcher Grundschule ihr Kind eingeschult wird. Stattdessen entscheidet der Wohnort, welche Einrichtung es besuchen wird.

Staatliche Grundschulen in Leipzig

In Leipzig gibt es 66 staatliche Grundschulen. Welche ein Kind besucht, entscheidet der Wohnort.

Eine Übersicht aller Schulbezirke und die dazugehörigen Grundschulen stellt die Stadt Leipzig auf www.leipzig.de/schulen zur Verfügung.

Roman Schulz, Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung, erklärt, warum das so ist: „Die Grundschule soll allen Kindern eine gewisse Chancengleichheit garantieren und ihnen gleiche Entwicklungsmöglichkeiten bieten ohne in arm und reich zu differenzieren.“

Gleichzeitig sollen Schulbezirke im Sinne von „Kurze Beine – kurze Wege“ Kindern einen wohnortnahen Schulort ermöglichen.

Gut zu wissen!

Schulpflicht, Anmeldung, Schuluntersuchung - Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Einschulung.

Im Dezember 2018 hat der Leipziger Stadtrat die Neufassung der Schulbezirke beschlossen. So wurden vier neue gemeinsame Schulbezirke gebildet und drei bestehende gemeinsame erweitert.

Eltern können in diesen Gebieten nun zwischen zwei, drei oder vier Schulen wählen. Ob sie tatsächlich aufgenommen werden, darüber entscheidet die Schulleitung.

Kritiker sehen dies als "Notfallmaßnahme angesichts einer seit vielen Jahren verschlafenen Schulnetzplanung“. Denn trotz millionenschwerer Investitionsprogramme für Schulen wird die Messestadt weiter mit übervollen Schulen zu tun haben.

Öffnung des Schulbezirks

Für besondere musische und sprachliche Talente gebe es eine Ausnahme, so Schulz. So könnten sie abseits ihres Schulbezirkes auch die Anna-Magdalena-Bach-Grundschule mit ihrer speziellen musischen Förderung sowie die Pablo-Neruda-Schule mit ihrem billingualen Konzept besuchen.

Einen Sonderfall stellt auch die Nachbarschaftsschule dar: An der Gesamtschule, die aus einem Schulversuch hervorging, lernen Kinder gemeinsam bis Klasse 10. Für sie gilt der Schulbezirk ebenfalls nicht.

Mehr als zehn Prozent an Freien Schulen

Immer mehr Eltern melden ihre Kinder inzwischen an einer Freien Schule an. Diese sind laut Grundgesetz Artikel 7 ausdrücklich zugelassen, sofern sie für alle Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern zugängig sind.

Entsprechend vielfältig ist auch Leipzigs Schullandschaft. Von den insgesamt 79 Grundschulen sind 13 in freier Trägerschaft.

Alternative Schulangebote in Leipzig

Staatlich anerkannte Ersatzschulen*:

Staatlich genehmigte Ersatzschulen*:

Öffentliche Grundschulen, die neben dem allgemeinen Versorgungsauftrag auch Klassen für besondere Talente haben:

Öffentliche Gemeinschaftsschule, für die der Schulbezirk nicht gilt:

*Anerkannte Ersatzschulen können staatliche Abschlüsse wie zum Beispiel das Abitur oder die Mittlere Reise selbst vergeben, für genehmigte Ersatzschulen gelten gesonderte Regelungen, die im „Sächsischen Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft“ beziehungsweise in der „Prüfungsverordnung Waldorfschulen“ nachzulesen sind. Diese sind auf der Website www.revosax.sachsen.de zu finden.

Und es sind immer mehr Eltern, die ihren Nachwuchs auf eine Freie Schule schicken. Waren es in Leipzig im Schuljahr 1998/1999 gerade einmal 4,8 Prozent, lag der Wert im Schuljahr 2017/18 mit 11,3 Prozent mehr als doppelt so hoch. Damit bewegt sich Leipzig weit über dem sächsischen Schnitt von 8,7 Prozent, aber in etwa auf dem Niveau in Ostdeutschland.

Aus der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht außerdem hervor, dass zunehmend Kinder aus besser verdienenden und gebildeteren Haushalten auf eine Privatschule gehen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, so das DIW, könnten mehr Bundesländer als bisher das Schulgeld begrenzen und eine konkrete Einkommensstaffelung vorschreiben. In Sachsen gibt es dafür bisher keine einheitliche Regelung.

Professorin Katrin Liebers hinterfragt die Situation kritisch: „Können Grundschulen ihrem demokratischen Auftrag noch nachkommen, wenn sie von einem Teil der Schüler, vor allem denen aus oberen sozialen Schichten, nicht besucht werden?“ Gleichzeitig sei zu fragen, warum es Grundschulen nicht besser gelingt, Eltern mit ihren pädagogischen Konzepten zu überzeugen?

Motivation der Eltern

Doch was macht die Freien Schulen so attraktiv für Eltern? Annette Baumeister, Elternsprecherin am Evangelischen Schulzentrum und gleichzeitig Leiterin des Arbeitskreises Freie Schulen beim Leipziger Stadtelternrat sagt, dass sich Eltern aus ihrer Sicht für eine Freie Schule entscheiden, „weil sie annehmen, dass sich die Persönlichkeit des Kindes dort freier entfalten kann und die individuelle Förderung des Kindes im Vordergrund steht.“ Sie überzeuge das (reform-)pädagogische Konzept.

Auf zum Unterricht! Quelle: Fotolia/Christian Schwier

Bildungsagentursprecher Roman Schulz sieht die Freien Schulen als wichtigen Bestandteil des Bildungsangebotes einer offenen, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft. So gebe es immer Eltern, die sich für ihre Kinder aus ganz persönlichem Grund ein anderes Konzept wünschen. Er konstatiert: „Die Freien Schulen haben sich gut entwickelt und decken alle Richtungen ab“, warnt aber auch vor zu viel Schwarz-Weiß-Denken: „Es ist nicht so, dass an Freien Schulen die große Innovation stattfindet und die öffentlichen Schulen von großer Langeweile und Indoktrination geprägt sind.“ So finde man Ansätze wie Werkstatt-, Block- oder Projektarbeit, die man aus der Reformpädagogik kenne, auch an staatlichen Schulen, betont Schulz.

Schulalltag und Wissensvermittlung

Alle Freien Grundschulen in Leipzig sind Ersatzschulen, die der Aufsicht des Freistaates Sachsen unterstehen und Zuschüsse erhalten.

Anders als Ergänzungsschulen müssen Bildungsniveau und Lernziele die gleichen wie an öffentlichen Grundschulen sein – dementsprechend werden in der Regel auch hier die sächsischen Lehrpläne verwendet.

Die Art und Weise, wie Wissen vermittelt, der Schulalltag gestaltet oder die Eltern einbezogen werden, unterscheidet sich oft aber deutlich. Wobei der Grundsatz der pädagogischen Freiheit auch an öffentlichen Schulen gilt.

Von Uta Zangemeister und Constanze Dietsch

Ausblick

Der Schlingel nimmt in seiner Grundschul-Serie ab sofort einzelne Themen unter die Lupe und befragt ein Expertenteam über das Für und Wider zum Beispiel von Epochenunterricht, Fremdsprachen ab Klasse 1, Hausaufgaben oder Schulkleidung. 

Im März (Teil 2) steht das Lesen, Schreiben, Rechnen im Mittelpunkt. Wie vermitteln Leipziger Schulen diese Kulturtechniken, welche Ansätze werden dabei verfolgt? Im April (Teil 3) wird sich alles um das Unterrichtspensum drehen und im Mai (Teil 4) um die Klassenstärke und das Lernen in altershomogenen beziehungsweise -gemischten Gruppen.