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Grundschulen in Leipzig Unterrichtspensum für Leipzigs Erstklässler
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11:35 15.04.2019
21 plus 2: So viele Stunden Unterricht bekommen Erstklässler laut der sächsischen Stundentafel. Quelle: pixabay.com

Jeden Dienstag heißt es für manche Erstklässler der Schule 5: Jetzt sind Höchstleistungen gefragt. Nicht in Deutsch, Mathe oder Werken, sondern im Sport.

Die Schule 5 im Leipziger Waldstraßenviertel ist eine der wenigen staatlichen Grundschulen mit Spezialisierung. „Wir haben die Stundenpläne so gebaut, dass unsere Sportklassen einmal in der Woche am Morgen einen Trainingsblock haben“, sagt Schulleiterin Bettina Goebecke. „Verantwortlich für das Training sind dann die jeweiligen Sportvereine.“

Nach verschiedenen Stadtratsbeschlüssen bietet die Schule 5 Sportklassen in Wasserspringen, rhythmischer Sportgymnastik und Geräteturnen, Schwimmen und seit neuestem auch Fechten an, jeweils in Zusammenarbeit mit einem bestimmten Leipziger Verein und zusätzlich zum Unterricht nach der sächsischen Stundentafel. Diese schreibt die Zahl der Wochenstunden pro Fach vor.

„Nach ihrem Trainingsblock kommen die Kinder dann zur dritten Schulstunde wieder zu uns“, beschreibt Goebecke. An den Nachmittagen werde ebenfalls trainiert. „Es ist Leistungssport, das darf man nicht vergessen.“ Für manche Sportarten wäre ein Einstieg etwa zur fünften Klasse schon zu spät.

Spezial-Unterricht: Zusatz zum normalen Pensum

Ähnliches gilt für die Thomaner: Die jungen Sänger müssen möglichst früh herangeführt werden. Deshalb genießen sie täglichen Musikunterricht und erhalten zusätzlich in je einer Wochenstunde Stimmbildung und Musiktheorie.

„Das bereitet die Jungen optimal auf die besonderen Anforderungen im Leben des Thomanerchores vor“, schreibt die zum Bildungscampus Forum Thomanum gehörende Grundschule auf ihrer Webseite.

Die musikalische Erziehung läuft parallel zu den Angeboten, die es auch für die anderen Kinder gibt – die Thomaner-Anwärter haben also nicht mehr Unterricht als die anderen Kinder. Pro Klasse sind im Schnitt sechs Schüler Anwärter auf die begehrten Chorplätze; sie werden schon in den Kindergärten ausgewählt.

Alle Grundschüler haben zudem die Möglichkeit, Italienisch oder Englisch ab der ersten Klasse zu belegen. „Das funktioniert deshalb gut, weil wir als Ganztagsschule arbeiten“, erklärt Meike Schlenczek, die Leiterin der Forum-Thomanum-Grundschule. „Alle Kinder sind im Hort angemeldet und haben von 8 bis 16 Uhr Schule – natürlich mit ausreichend Pausenzeiten.“

Teil des Konzepts ist es, dass die Kinder nichts mit nach Hause nehmen sollen, Hausaufgaben und Übungen werden während der Schulzeit erledigt.

„Hier spielt Chancengleichheit eine Rolle“

Einen besonderen Fokus auf die Sprache – hier das Französische – legen zudem die Franz-Mehring- und die Pablo-Neruda-Schule. Hier wird Französisch bereits ab der ersten Klasse angeboten.

Dennoch sind solche Spezialisierungen selten, sagt Roman Schulz, Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung. „Hier spielt die Chancengleichheit eine Rolle.“

So verändert sich die Stundentafel zum kommenden Schuljahr

Sachsen hat im Bundesvergleich eine der höchsten Unterrichtsbelastungen. Deshalb hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) beschlossen, in jeder Schulform einige Stunden zu streichen.

Für die Grundschulen bedeutet das: Ab dem Schuljahr 2019/2020 fällt in der dritten Klasse je eine Unterrichtsstunde Musik und in der vierten Klasse jeweils eine Stunde Deutsch und Sport weg.

In der ersten Klasse haben die Schülerinnen und Schüler an sächsischen Grundschulen 21 Unterrichtsstunden pro Woche, hinzukommen zwei Stunden Anfangsunterricht. In diesen Stunden geht es darum, den Kindern den Übergang vom Kindergarten- ins Schulleben zu erleichtern.

In der zweiten Klasse haben die Kinder ab kommendem Schuljahr 22 Stunden Unterricht pro Woche, in der dritten Klasse 25 und in der vierten Klasse 24 Stunden.

Die meisten Wochenstunden entfallen in der Grundschule generell auf das Fach Deutsch: sieben in der ersten Klasse, sechs in der vierten Klasse.

Mathematik wird pro Jahr in fünf Stunden gelehrt, Sport in drei, in der vierten Klasse ab kommendem Schuljahr nur noch in zwei Stunden.

Der Englischunterricht beginnt ab der dritten Klasse mit zwei Stunden.

Eine Grundschule etwa für Hochbegabte würde diesem Grundsatz widersprechen. Die besonderen Inhalte werden in den staatlichen Schulen zusätzlich zum normalen Stundenpensum vermittelt. Die sächsische Stundentafel bleibt gültig – und das heißt: Erstklässler haben 21 Unterrichtsstunden in der Woche, dazu kommen zwei Stunden eher spielerisch ausgerichteter Anfangsunterricht, in dem die neuen Schülerinnen und Schüler ans schulische Arbeiten herangeführt werden. Das soll die Umstellung von Kindergarten zur Schule erleichtern.

Wann es morgens losgeht, ist verschieden

Die freien Grundschulen können ihren Unterricht offener gestalten, sowohl was das Pensum als auch was die Art der Vermittlung betrifft.

Damit der Stoff „in den Tag hineinpasst“, wie es Roman Schulz ausdrückt, muss die Schule rechtzeitig beginnen – allzu lange in den Nachmittag hineinreichen soll sie schließlich auch nicht.

Wann morgens der Gong ertönt, ist unterschiedlich. An der Leipzig International School etwa beginnt der Unterricht erst um 8.30 Uhr – auch weil die Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet in die Schleußiger Schule kommen.

Für die meisten Einrichtungen soll aber das Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ gelten. Griffig und prägnant wie ein Kindervers fasst diese Bezeichnung ein logistisch komplexes Problem zusammen: Die Grundschulen in Sachsen sollen so nah an den Wohnorten der Kinder liegen, dass diese selbst den Weg dorthin finden – mit ihren eigenen und, ja, noch etwas kurzen Beinen. Wenn die Wege kurz sind, kann die Schule früh am Morgen beginnen und gegen Mittag oder am frühen Nachmittag enden.

Flexibler Beginn

„Wann es am Morgen losgeht, kann aber jede Grundschule für sich entscheiden“, sagt Roman Schulz. „Es gibt einen Korridor von 7.30 bis 8.30 Uhr.“

Die 60. Grundschule in Knautkleeberg etwa hat von Dienstag bis Donnerstag eine Gleitzeit eingeführt, während der die Kinder flexibel in die Schule kommen können. Der erste Unterrichtsblock beginnt dann um 8.10 Uhr. Montags und freitags geht es schon um 7.30 Uhr los.

Vor allem Schulen in ländlichen Regionen haben ein größeres Einzugsgebiet als andere. Da kann es sinnvoll sein, etwas später mit dem Unterricht zu beginnen. Schließlich soll nicht gleich der Schulweg für die erste sportliche Höchstleistung des Tages sorgen. Denn Höchstleistungen – die sollen sich die Schülerinnen und Schüler lieber für den Unterricht aufheben.

Von Christopher Resch

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