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Grundschulen in Leipzig Das kleine Abc
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10:51 04.03.2019
Erst das große P, dann das Klasse: Wie die Schüler der 1b lernen die Kinder zunächst das Schreiben von Druckbuchstaben. Quelle: Christian Modla

Heidi hat Pappe mitgebracht, Karl eine Paprika. Die Kinder der 1b der Heinrich-Mann-Grundschule in Meusdorf sitzen im Kreis auf Matten im hinteren Teil des Klassenzimmers. Heute lernen sie den Buchstaben P. Dafür hat jeder einen Gegenstand mitgebracht, der mit P anfängt. Lehrerin Katrin Dietrich lässt die Kinder reihum erzählen. Dann wuseln alle wieder auf ihre Plätze – jetzt wird das P geschrieben. Wie die Schüler der 1b lernen mehr als 5500 Leipziger Erstklässler seit einem guten halben Jahr das Lesen und Schreiben. „Schriftspracherwerb“ ist der Fachbegriff dafür – und der fängt nicht erst in der Grundschule an.

Vorlesen zu Hause legt den Grundstein 

„Der Schuleintritt ist für die Kinder nicht die Stunde null. Im Gegenteil, sie haben schon ganz viel Erfahrung mit Sprache. Und da wird angesetzt“, erklärt Kristin Börjesson, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig im Bereich Grundschuldidaktik Deutsch. Eine wichtige Grundlage für das Lesen- und Schreibenlernen bildet das Vorlesen zu Hause. „Am meisten bringt gemeinsames, dialogisches Lesen. Das Kind sieht den geschriebenen Text, kann Nachfragen stellen und sich mit den Erwachsenen über das Gelesene unterhalten“, sagt Börjesson. Das sei viel besser, als zum Beispiel einzelne Buchstaben im Vorschulalter gezielt zu üben. Auch im Kindergarten wird Sprache gefördert: zum Beispiel durch das Reden im Morgenkreis oder durch Reim- und Klatschspiele. 

Fibel oder Anlauttabelle

Zurück in der 1b: Katrin Dietrich schreibt das große und kleine P in Druckschrift an die Tafel. Dann verteilt sie Kreide: Nacheinander kommen die Kinder nach vorne, schreiben das P und holen sich ein Arbeitsblatt ab. Katrin Dietrich arbeitet mit der analytischen-synthetischen Methode. Dabei lernen die Kinder zum einen ganze Wörter kennen, deren Struktur sie dann analysieren. Und zum anderen einzelne Laute, die sie dann wiederum zu Wörtern zusammensetzen. Die 1b arbeitet dabei mit einer Fibel – wie die meisten sächsischen Grundschüler. Eine gesetzliche Vorgabe ist das aber nicht: Jede Lehrkraft kann grundsätzlich ihre Methode frei wählen. So kommt es, dass an der Heinrich-Mann-Grundschule die Parallelklasse nach der Reichen-Methode, auch bekannt als „Lesen durch Schreiben“, unterrichtet wird. Diese Methode arbeitet mit einer Anlauttabelle. Diese ermöglicht es den Kindern, jedes Wort in seine Laute zu zerlegen und aufzuschreiben – wobei die Rechtschreibung zunächst nicht wichtig ist. So haben die Kinder schnell Freude am Schreiben – und aus dem Schreiben heraus lernen sie das Lesen. An der Heinrich-Mann-Grundschule haben die Lehrer die Methode ergänzt und unterrichten auch Rechtschreibung. 

Die Methode muss zu Lehrern und Schülern passen

Neben der analytisch-synthetischen und der Reichen- Methode haben sich weitere Ansätze etabliert, die mit Silben arbeiten. „Viele moderne Lehrbücher enthalten einen Methodenmix“, sagt Deutsch-Expertin Börjesson. So gebe es Fibeln, die mit Silben arbeiten und viel Wert auf gute Kinderliteratur legen. Lehrer können außerdem die Lehrbücher mit anderen Materialien ergänzen, zum Beispiel für fortgeschrittene Schüler.“ Lehrerin Katrin Dietrich geht zwar systematisch nach der Fibel vor, bietet aber auch freie Arbeit an. „Ich bin froh, dass die Schulleitung uns unsere pädagogische Freiheit lässt.“ Sie ist von ihrer Methode überzeugt und unterrichtet sie deswegen mit viel Freude. Und genauso gehe es ihrer Kollegin in der Parallelklasse, die mit der Reichen-Methode arbeitet. „Insgesamt kommt es für den Lernerfolg viel mehr auf die Qualität des Unterrichts an als darauf, nach welcher grundlegenden Methode unterrichtet wird“, sagt Wissenschaftlerin Kristin Börjesson. Und nicht zuletzt kommt es auf die Schüler an: Welche Voraussetzungen bringen sie mit und in welchem Tempo kommen sie voran? Laut Börjesson zeigen Studien zur Entwicklung der Rechtschreibleistungen mehrheitlich, dass die Schüler am Ende der vierten Klassen ein ähnliches Level erreicht haben – unabhängig von der Methode.

Wie lernen Leipziger Grundschüler Lesen und Schreiben? Zu Besuch in der Heinrich-Mann-Grundschule in Meusdorf.

Lehrer bemerken Probleme meist als erste

Doch was, wenn das eigene Kind sich schwer tut beim Schreiben und nur stockend liest? „Zunächst sollten Eltern nicht in Panik verfallen und mit der Lehrperson sprechen“, sagt Börjesson. Normalerweise fallen Probleme zuerst in der Schule auf. Lehrer und Eltern können dann gemeinsam überlegen, wie es weiter geht. Gute Ansprechpartner sind auch der behandelnde Kinderarzt oder die Schulpsychologen des Landesamts für Schule und Bildung.

Erst Druckschrift, dann Schreibschrift

Im Klassenzimmer der 1b herrscht inzwischen konzentrierte Ruhe. Lehrerin Katrin Dietrich geht leise durch die Klasse und hilft bei Problemen. Die Schüler beugen sich über ihre Hefte und üben Wörter mit P – in Druckschrift, wie in der ersten Klasse üblich. Deutsch-Expertin Börjesson hält das für sinnvoll. „Wenn Kinder vor dem Schuleintritt schon Buchstaben kennen, dann sind es Druckbuchstaben. Außerdem ist in der heutigen Zeit die Wahrscheinlichkeit, dass Kindern im Alltag die Druckschrift begegnet und sie diese lesen möchten, viel höher als es bei Schreibschrift der Fall ist.“ Trotzdem lernen alle Grundschüler auch eine Schreibschrift – in Sachsen die Schulausgangsschrift – die später zur eigenen Handschrift führt.

Die Schulausgangsschrift gab es schon zu DDR-Zeiten und wird auch heute in Sachsen noch unterrichtet. Quelle: Wikipedia

Grundschule legt Grundstock – auch für Rechtschreibung

Am Ende der vierten Klasse sollen die Schüler in verschiedenen Kompetenzbereichen des Fachs Deutsch einen Grundstock gelegt haben, auf dem die weiterführenden Schulen aufbauen. Das gilt vor allem für die Rechtschreibung. „Kinder gehen nicht aus der Grundschule heraus und sind kompetente Rechtschreiber“, erklärt Börjesson. „Es ist im Grunde genommen ein lebenslanger Lernprozess, sich mit Sprache auf der formalen Seite auseinanderzusetzen.“
Die Schüler der 1b üben in den nächsten Stunden das P weiter. Noch fehlen ein paar Buchstaben, bis das Alphabet komplett ist. Und im Frühjahr geht es mit der Schreibschrift los. Doch jetzt wandern die Arbeitshefte erstmal wieder in die Stehordner hinten im Regal und die Bleistifte in die Federmappe – Pause.

Text: Nadine Marquardt

Das kleine Einmaleins

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Wie lernen Leipziger Grundschüler Lesen und Schreiben? Vier Beispiele:

Janet Greier-Laskosky, Schulleiterin der städtischen Clara-Wieck-Schule in Schönefeld-Abtnaundorf: „An unserer Schule lernen die Kinder über die analytisch- synthetische Lese-Lern-Methode. Wir benutzen dazu die Fibel vom Verlag Volk und Wissen. Wir verwenden aber auch die Erstlesehefte ,Lesestart mit Eberhart‘. Das sind kleine Hefte mit kurzen, kindgerechten Texten mit Silbentrenner in vier Schwierigkeitsstufen.“

Cornelia Schmitz, Schulleiterin der freien Grundschule Auguste in Anger-Crottendorf: „Wir arbeiten nach der Methode ,Lesen durch Schreiben‘ von Jürgen Reichen. Wir haben keine Lehrbücher, sondern arbeiten mit einer Anlauttabelle. Wir arbeiten in altersgemischten Gruppen und in Lernwerkstätten. Das heißt, wir legen Angebote aus, aus denen die Kinder frei wählen dürfen. Am Ende der Woche haben wir eine Auswertungszeit mit jedem Schüler.“

Ute Köhler-Siegel, Lehrerin und Fachberaterin für Deutsch an der städtischen Schule am Auwald in Schleußig: „Wir arbeiten nach der analytisch-synthetischen Methode. Diese ergänzen wir mit dem Unterteilen der Wörter in Silben. Außerdem verwenden wir die Anlautuhr, aber nicht die Reichen-Methode. Wir arbeiten mit der Löwenzahl-Fibel von Schroedel, außerdem gibt es viele offene Arbeitsphasen zum Beispiel mit Freiarbeit oder Gruppenarbeit.“

Alice Awischus, Schulleiterin der freien Nachbarschaftsschule (Nasch) in Lindenau: „Bei uns wird vorrangig ,Lesen durch Schreiben‘ unterrichtet. Aber auch die analytisch-synthetische Methode kommt zum Einsatz. Wir benutzen unter anderem das ,Lies mal‘-Heft, das Selbstlernheft und Rechtschreiben-Heft vom Jahndorf-Verlag. Die Kinder lernen in altersgemischten Klassen, es gibt freies Arbeiten, Projektunterricht und Lernpatenschaften.“

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