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Welcher Sport passt zu meinem Kind? Eiskunstlaufen: Schwerelos übers Eis
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15:22 28.01.2020
Was für eine Haltung: Die jungen Eiskunstläuferinnen stellen ihr Können unter Beweis. Quelle: Christian Modla

Es gibt sie immer wieder im Leben, diese Momente, in denen man mit seinen eigenen Vorurteilen und Projektionen konfrontiert wird. Nachdem ich vor einem guten Jahr meine ersten Erfahrungen im Eishockey gesammelt hatte und wenige Monate später bei der Rhythmischen Sportgymnastik an die Grenzen meines Elastizität gestoßen war, dachte ich: Eiskunstlauf müsste eine kaum zu meisternde Mischung aus beiden Sportarten sein. Doch die Zeit (Saison) war reif, meine Ausbilderin Juliane Weicker, Abteilungsleiterin Eiskunstlauf beim Leipziger Eissport-Club (LEC), hoch motiviert und ich hatte keine Ausrede parat. Mit Thermounterwäsche und rotem Schal ausgerüstet wagte ich mich unter den amüsiert-kritischen Blicken der Nachwuchsläuferinnen und ihrer Eltern auf das spiegelglatte Eis in der Kohlrabizirkus Eisarena. Es wurde ein Fest!

Unbegründete Sorgen

„Bei uns im Eiskunstlauf ist alles auf Freude und Spaß ausgerichtet“, erklärt mir meine Trainerin gleich zu Beginn und zerstreut meine Sorgen vor einer knallharten Kaderschmiede. Ihre Begeisterung für diese Sportart, die die 33-Jährige zwar schon in Kindesalter erfasste, sie selbst aber erst mit Anfang 20 begonnen hat, strahlt bei ihr aus jeder Anweisung, aus jeder Faser ihres Körpers.

Was für eine Haltung: Autor ­Thomas Bothe spürt beim Eiskunstlauf bereits nach kurzer Zeit die Begeisterung seiner Trainerin Juliane Weicker für diese elegante Sportart. Quelle: Christian Modla

Wir beginnen mit der Grundhaltung im Eiskunstlauf: leicht gebeugte Knie, Oberkörper aufrecht, Schultern zurück und die Arme links und rechts ausgestreckt, sodass man sie gerade noch sieht im Augenwinkel. „Runter in die Knie! Das ist im Eiskunstlauf so gut wie immer die Lösung“, sagt Juliane Weicker. Mir fällt vor allem schwer, den Oberkörper aufrecht zu halten. Dauernd fällt mein Körper in sich zusammen, buckelt und verkrampft. Zwei Mädchen reißen kurz ihre Augen vor Schreck auf, als ich sichtlich unkontrolliert auf sie zugleite. Aber meine Trainerin lässt nicht mal den Hauch von Niedergeschlagenheit aufkommen, lächelnd motiviert sie, lobt Haltung und Fortschritte.

Und die kommen viel schneller als erwartet. Nach den ersten Runden in Grundhaltung „eilen“ wir von Figur zu Figur. Beim „Storch“ ziehe ich ein Bein hoch, bis der Schlittschuh ans Knie drückt, dann wiederum versuche ich wie ein Skifahrer mit parallelen Kufen nur durch In-die-Knie-gehen Schwung zu holen. Ich lerne den „Flieger“, vornübergebeugt mit nach hinten ausgestrecktem Bein, und den „Fechter“, tief in die Knie gehend, mit nach hinten ausgestrecktem Bein und auf dem Eis aufliegendem Schuh.

Nachfrage hat sich deutlich erhöht

Eiskunstlauf ist eine schöne Mischung: ein eleganter Sport und doch körperlich anspruchsvoll“, sagt Juliane Weicker. Kinder lernen, den eigenen Körper zu koordinieren, Schritte und Bewegungen auszuführen und die Balance zu halten. Hinzu kommen Rhythmus und Taktgefühl, da die Choreografien zur Musik performt werden. „Außerdem ist es ein sehr schonender Sport – wenn man keinen Leistungssport macht.“

Derzeit trainieren etwa 45 Kinder Eiskunstlauf beim LEC. Die Nachfrage habe sich vor allem seit dem Umzug aus Taucha in den Kohlrabizirkus in Leipzig deutlich erhöht. „Wir versuchen, durch Schnupperkurse der Nachfrage gerecht zu werden, aber aufgrund begrenzter Eiszeiten und verfügbarer Trainer ist eine Aufnahme aller Interessenten schwierig.“ Auf der Warteliste stehen derzeit 20 Namen, die Jungenquote ist noch ausbaufähig. Derzeit ist keiner bei den Kindern zu verzeichnen. „Wenn sich einer meldet, ist ihm ein Platz quasi sicher“, sagt Weicker.

Ein Auftritt zum Schmelzen: Michelle (6) zeigt bei der Partnerübung viel Geduld mit dem Autoren. Quelle: Christian Modla

So seltsam finde ich den Gedanken plötzlich gar nicht mehr. Das Gleiten auf dem Eis macht regelrecht glücklich, aber Eishockey wäre mir zu Zweikampf-betont. Kinder und Jugendliche, die sich gerne auf Eis bewegen und dabei „coole Skills“ lernen möchten, sind hier genau richtig. Unter dem Begriff Freestyle öffnet sich die Sportart zudem gerade.

Apropos öffnen: Für das gekonnte Kurvenfahren muss ich einen Fuß über den anderen setzen, soll den „Kreis umarmen“. Ich breite meine Arme aus, überwinde meine Angst vor dem Übersteigen – und Schwupps, schon fahre ich einen eleganten, engen Kreis. Auch wenn Sprung und Pirouette noch nicht ganz klappen wollen, hat mich das Eiskunstlauf-Fieber schon gepackt. Juliane Weicker ist sichtlich glücklich: „Wir sind hier alle mit dem Herzen dabei“, schwärmt sie. „Wir lieben diesen Sport und wollen das am liebsten der ganzen Welt zeigen.“

Ich schmelze dahin

Wie um das zu unterstreichen schickt mich die Trainerin gleich in die Trainingsgruppe der Jüngsten. Mit verschiedenen Spielen wie „Feuer – Wasser – Eis“ und Staffelläufen lernen hier die Nachwuchsläuferinnen, sich sicher zu bewegen. Als Übungspartnerin wird mir die sechsjährige Michelle an die Hände gegeben. Unsere Aufgabe: Mit beidbeinigen Bögen bis ins Ziel, ich vorwärts, Michelle rückwärts, und dann umgekehrt zurück. Während ich mit der Koordination kämpfe, bleibt meine junge Partnerin ganz geduldig. Das anderer Team ist längst wieder zurück, als Michelle entschuldigend einwirft: „Ich kann das auch noch nicht so gut.“ Ich schmelze dahin. Und will eigentlich nur noch übers Eis schweben.

Erklärung Schnell-Check: Wertung von 1 = niedrig bis 5 = hoch Alltagsbelastung: für Eltern durch häufiges Training, Punktspiele etc. Vereinsauswahl: Zahl der anbietenden Vereine in Leipzig und Umgebung Ausrüstungspreis: nur bei Kauf einer Ausrüstung. Quelle: Anne Bittner

Von Thomas Bothe

Gut, ich gebe es zu: Die Sportart Kartfahren habe ich in erster Linie aus Spaß an der Freude ausgesucht. Doch auch der Rennsport ist eine Alternative für Kinder und Jugendliche – hier geht es in erster Linie nicht um den Typ Bleifuß, sondern um höchste Konzentration, die Überwindung von Ängsten und viel Gefühl. Ein Selbstversuch.

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