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Welcher Sport passt zu meinem Kind? Flossenschwimmen: Die perfekte Welle machen
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17:22 19.09.2019
Von wegen ‚Wie ein Fisch im Wasser‘: Von einer perfekten Wellenbewegung des ganzen Körpers ist Autor Thomas Bothe auch am Ende des Selbstversuches noch weit entfernt. Quelle: André Kempner

Wer sich diese Spielart des Wassersports (englisch: finswimming) einmal genauer anschaut, entdeckt eine äußerst anspruchsvolle Art der Fortbewegung an und unter der Wasseroberfläche – mit internationalen Wettkämpfen auf höchstem niveau. Das Ziel: die perfekte Welle.

Zuallererst ein kleines Geständnis: Schwimmen ist nicht so mein Ding! Klar, ich bin gerne im Wasser, planschen und tauchen, aber so richtig Schwimmen? Eher nicht. Schon das Schulschwimmen war für mich ein Graus, deswegen suchte ich regelmäßig nach Ausreden, um dem Unterricht fernzubleiben. Trotzdem will ich mir Flossenschwimmen mal genauer anschauen. Immerhin haben wir hier in Leipzig eine Abteilung beim SC DHfK, die schon seit geraumer Zeit mit Spitzenleistungen und internationalen Medaillen Schlagzeilen macht. Doch mitbekommen tun es nur die Experten.

Unterwegs mit Ehepaar Poschart

Heute habe ich mich mit Max und Elena Poschart verabredet. Er: mehrfacher Weltmeister und jüngst Weltrekord bei den Europameisterschaften im Apnoe-Tauchen sowie Bronze bei der Finswimming-EM in Griechenland im Juni. Sie: Europameisterin über 1500 Meter in 13:31 Minuten (!). Ich: kann nicht mal anständig kraulen. Über die Fallhöhe gehen meine beiden Trainer höflich hinweg. In der Schwimmhalle in der Mainzer Straße in Leipzig bekomme ich von ihnen und dem Kindersport-Verantwortlichen David Münch einen Schnellkurs in der wohl schnellsten Sportart der Wasserwelt – mit bloßer Muskelkraft.

Geballte Kompetenz: Apnoe-Weltrekordler Max Poschart (links) und Europameisterin Elena Poschart erklären geduldig, worauf es beim Flossenschwimmen ankommt. Quelle: André Kempner

Flossenschwimmen ist eine Sportart zwischen klassischem Schwimmen und Tauchsport, daher auch die Flossen an den Füßen. Im Kinderalter nähern sich die Kleinsten der Sportart zuerst mit den sogenannten „kurzen“, also zwei Flossen an. „Das ist notwendig, um in die Bewegung reinzukommen, die du fürs Flossenschwimmen brauchst“, erklärt mir Münch. Auch für erwachsene Schwimmer sei es ungewohnt, mit zwei „zusammengebundenen“ Füßen über Wasser zu bleiben.

Die weiteren Teile des Sportartenchecks findet ihr hier.

Wie? Zusammengebunden?  Zentrales Sportgerät der „Flossis“, wie sich die SC-DHfK-Abteilung nennt, ist die Monoflosse. Zwei Füße stecken in EINER großen Flosse, je nach Schwierigkeitsgrad wird diese immer größer und um die Füße herum steifer. Mit Brille und Schnorchel, der mittig zwischen den Augen verläuft, wage ich meine ersten zaghaften Bahnen mit den normalen Flossen. „Das sieht doch schon gut aus“, lobt mich das Trainergespann. Und wirklich: Kraulen mit der – anfangs etwas beklemmenden – „Schnorchelausrüstung“ geht super. Die Geschwindigkeit macht richtig Laune. Nur die Brille hat sich festgesaugt. „Durch die Nase ausatmen“, kommt der Ratschlag von Elena Poschart (25). Anfängerfehler meinerseits.

Die Favoriten: Mit den klassischen „kurzen“ Flossen hatte Autor Thomas Bothe am meisten Spaß. Quelle: André Kempner

Ein bisschen steif in der Hüfte

Jetzt geht es an die richtige, die Monoflosse. Zuerst etwas schüchtern bewege ich mich im Wasser. Meine anfängliche Angst, einfach wie ein Stein unterzugehen, erweist sich als deutlich übertrieben. Das Gefühl ist gut und immer mutiger lege ich die erste Bahn zurück. Als ich stolz meinen Körper aus dem Wasser wuchte, holt mich Max Poschart wieder auf den Boden zurück. „Das sieht bei dir noch ein bisschen steif aus“, analysiert der 24-Jährige nüchtern. „Die Bewegung kommt bei dir aus dem Knie, sie muss aber aus der Hüfte kommen.“ Sagt er und legt zur Demonstration gleich eine perfekte Welle hin. Auf dem Trockenen. Ich werfe einen Blick auf die Nachbarbahn, wo die älteren Jahrgänge trainieren, und bin schockiert. Wie Delfine gleiten die Athleten durchs Wasser, eine Welle geht von den Händen aus durch den Körper bis in die „Schwanzflosse“ und sorgt für unwahrscheinlichen Vortrieb. Bis zu drei Meter pro Sekunde legen die Spitzensportler zurück.
Bei mir fühlte es sich doch so gut an. Jetzt realisiere ich, dass meine Monoflosse die ganze Zeit mehr auf die Wasseroberfläche klatscht, als mich wirklich voranzutreiben. Aber: Übung macht den Meister. Deshalb fange auch jede Trainingseinheit, egal ob groß oder klein, nach der Aufwärmung mit „normalem“ Schwimmen an, dann gehe es zu den „kurzen“ Flossen über, bevor die Monoflosse dran ist, so Münch. Der 32-Jährige ist seit elf Jahren als Trainer beim SC DHfK aktiv und schwört auf sein Metier. „Flossenschwimmen ist eine Kraft-Ausdauer-Sportart, eher wie Rudern oder Radrennen als Schwimmen.“ Die Gelenke werden durch die Bewegungen, die teils am Kraulen, teils am Delfinstil angelehnt sind, geschont.

Langsames Rantasten: David Münch vom SC DHfK Leipzig (Bild 2, links) erklärt dem Autor wie eine Monoflosse funktioniert. Der Schorchel verläuft durch die Mitte des Gesichts, die Füße sind im Wasser quasi zusammengebunden. Quelle: André Kempner

Lust auf Geschwindigkeit

Besonders geeignet sei es deshalb für Kinder, die Spaß im Wasser, aber mehr Lust auf Geschwindigkeit hätten. Dafür bietet die Sportart dann die drei Disziplinen klassisches Flossenschwimmen, Apnoe (also komplett unter Wasser ohne Luftholen) sowie Streckentauchen, bei der eine Druckluftflasche vor dem Körper hergeschoben wird. Voraussetzungen sind sicheres Bewegen im Wasser und ein Probetraining unter der Leitung eines Flossenschwimmtrainers. Mit Meerjungfrauenschwimmen habe das  Ganze aber nichts zu tun, betont Münch. Denn beim Flossenschwimmen gehe es mehr um die perfekte Schwimmtechnik als den perfekten Look. Von beiden bin ich am Ende noch weit entfernt. Die Füße schmerzen aufgrund der falschen Bewegungsabläufe. Aber ich bin glücklich. So schnell wie heute war ich früher nie im Schwimmunterricht.

Infos & Kontakt

SC DHfK Leipzig e. V.
Abteilung Finswimming
Am Sportforum 10
04105 Leipzig

Ansprechpartner:
David Münch, stellvertretender Abteilungsleiter

www.flossis.de
finswimming@scdhfk.de

Von Thomas Bothe

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