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Welcher Sport passt zu meinem Kind? Parkour: Höher, schneller ... schöner
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11:37 13.06.2019
  Das richtige Timing ist alles: Autor Thomas Bothe (Mitte) lernt bei seinem Selbstversuch, die ganze Stadt als Experimentierfläche zu nutzen. Zum Beispiel den Treppenabsatz hier auf dem Gelände der Bio City an der Alten Messe. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Den effektivsten Weg von A nach B nehmen? Klingt erst mal unspektakulär. Aber bei diesem Sport-Check geht es um eine der ästhetischsten Arten der Fortbewegung: Parkour. Rennen, springen, Hindernisse überwinden, landen, abrollen – und das alles möglichst fließend. Bei diesem Trendsport lernen Kinder, ihre eigenen Grenzen zu überwinden. Oder wie in meinem Fall, sich an ihnen zu stoßen. Ein Selbstversuch.

Schon als Kind habe ich es geliebt, Hindernisse zu überwinden und möglichst schnell Bergpfade hinab zu sprinten. Mein Berufswunsch damals (bitte nicht lachen): Ninja. Mein Selbstversuch bei den Leipziger Parkour-Spezialisten der Flying Dudes schien deshalb auf der Hand zu liegen. Unser Treffpunkt ist diesmal auf der Alten Messe.

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutet, erweist sich auf den zweiten Blick als schlau gewählter Spot. Rund herum befinden sich zahlreiche Spielplätze, Geländer, Treppen und sogar kleine Parks – das passt zur Grundidee von Parkour. Denn hier wird die ganze Stadt (und gelegentlich auch die Natur) zur Spiel- und Experimentierfläche.

Parkour wird „cool“

„Meine Kumpels und ich haben anhand von Jackie-Chan- Filmen unsere ersten Erfahrungen im ‚Rumspringen‘ gemacht“, erzählt Trainer Alexander „Alex“ Lungwitz. Dann erschien der Film „Yamakasi“, gedreht 2001, über eine der ersten Parkour-Crews in Frankreich, und der Hype nahm seinen Lauf.

Engagierter Coach: Alexander Lungwitz lässt bei der Erwärmung die Hüfte kreisen. Quelle: Christian Modla

Parkour ist laut Alex im Grundsatz lediglich die Suche nach dem effektivsten Weg, von A nach B zu kommen. Doch ohne Regeln geht es auch hier nicht. Dazu gehört zum einen eine ordentliche Aufwärmung. Wir drehen unter Anleitung von Konstantin (14) erst ein paar Laufrunden und rotieren mit den Armen, dann erwärmen wir von unten nach oben unsere Gelenke. „Warum machen wir das?“, fragt der 31-Jährige in die Runde.

Die, die schon länger dabei sind, antworten souverän: „Um sich nicht zu verletzen!“ In der Anfängergruppe lernen die Jüngsten ab etwa sechs Jahren die Basics der fließenden Fortbewegung: richtig fallen, hochklettern (ohne mit den Knien aufzusetzen, sonst zehn Liegestütze), sicher abspringen (mit zwei Füßen heißt das „Präzisionssprung“, mit einem „Stride“) und landen.

Eine Judo-Rolle kann wehtun

Bei der „Tree-Challenge“ müssen wir dann als Team nach und nach auf einen liegenden Baumstamm springen, ohne abzurutschen. Wer erfolgreich ist, hilft den Kleineren, oben stehenzubleiben. Gutes Teambuilding. Und wir schaffen es. Bei der nächsten Station, einem Traktorreifen, versuche ich es mit einem weiten, aber unkontrollierten Sprung. Das bringt mir zwei schmerzhafte Schrammen und eine weitere Lektion ein.

Alternative zum klassischen Sport

Hart im Nehmen sind die Jungs hier. Und richtig cool. Die meisten sind ganz in schwarz gekleidet, Parkour ist nicht nur eine Sportart für sie. Parkour ist eine Art Lebenseinstellung. Vor fünf Jahren entwickelte Alex das Trainingsprogramm für Kinder gemeinsam mit seinem Kooperationspartner, der Sportetage Süd. Ganz bewusst auch als Alternative zu den Sportvereinen, die nur klassische Angebote von Krafttraining bis zum Mannschaftssport im Sortiment haben.

Bei diesem Sport-Check geht es um eine der ästhetischsten Arten der Fortbewegung: Parkour. Rennen, springen, abrollen – und das alles möglichst fließend. Hier lernen Kinder, ihre eigenen Grenzen zu überwinden.

Die Trainer kümmern sich in verschiedenen Gruppen um den Nachwuchs. Hinzu kommen regelmäßige Ausflüge ins Umland, zum Turmspringen beispielsweise, sowie ein Sommercamp in Grünheide – eine ganz besondere Art der Klassenfahrt mit professioneller Videobegleitung. Gut für Teamgeist und Disziplin. Auch über eine „Airtrack“-Matte verfügen die Flying Dudes, eine Art flache Hüpfburg zum Trainieren von Flips, Flicflacs und Saltos.

„Einmal ist keinmal“

Wer bei den Anfängern seine fünf Basics gelernt hat – Hoch- und Runterspringen (Jumping Up/Down), verschiedene Arten des Drüberspringens (Jumping Over, Vaulting und Cat Leap) sowie Schwingen (Swinging) – der kann bei den Fortgeschrittenen an seinen „Skills“ (Fähigkeiten) üben. Jungtrainer Konstantin zeigt uns seinen Frontflip, also Vorwärtssalto, das erste Mal über acht Treppenstufen nach unten.

„Einmal ist keinmal“ ruft Alex und motiviert das Talent, das Hindernis gleich nochmal zu überwinden. Die exakten Abläufe, das richtige Timing und die eigenen Ängste überwinden – all das wird unzählige Male erst im Kopf, dann auf der Airtrack oder im Wasser geübt, bevor der Ernstfall ohne doppelten Boden dran ist. „Das geht natürlich nur mit denen, die auch den Ehrgeiz und Willen dazu haben“ sagt Alex. Denn beim Parkour gilt es, jedes Mal neue Grenzen zu setzen und zu überschreiten. Höher, schneller und am Ende irgendwie auch schöner.

Infos & Kontakt:

Flying Dudes LeipzigParkour Training SystemTreffpunkt: Alte MesseAnsprechpartner: Alexander LungwitzE-Mail: flyingdudes341@gmail.comTelefon: 0163 8550933

Kooperationspartner: Sportetage SüdSimildenstraße 20, 04277 LeipzigE-Mail: info@sportetage-sued.deTelefon: 0341 92727342

Fragen Sie in Schulen oder im Sportverein nach weiteren Parkour-Kursen oder Ganztagsangeboten.

Von Thomas Bothe

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