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Welcher Sport passt zu meinem Kind? Rhythmische Sportgymnastik: Mädchen zeigen Anmut, Athletik und Beweglichkeit
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10:58 07.03.2019
Rhythmische Sportgymnastik - die eleganteste aller Sportarten. Quelle: Dirk Knofe

Dieses Mal bin ich in einer Sportart unterwegs, die sich so weit außerhalb meiner bisherigen Erfahrungswelt bewegt wie nie zuvor: in der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG). Das ist Eleganz, Anmut, Beweglichkeit, Geschicklichkeit – und unbeschreibliche Disziplin. Ein (fast gescheiterter) Selbstversuch.

Nervös war ich bisher bei allen Selbstversuchen dieser Serie, egal ob Bogenschießen, Tennis oder Judo. Doch dieser Fall ist anders geartet.

Ich bin zu Besuch beim Turn- und Gymnastikclub (TuG) Leipzig in der Leplaystraße. Meine Trainerin heute ist Jeannette Haage-Zoyke, DDR-Meisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik mit dem Seil und dreifache deutsche Vizemeisterin mit der Gruppe.

Schon bei meinen zögerlichen Schritten auf die Gruppe der Erst- bis Viertklässlerinnen zu, kommen starke Zweifel an meinem heutigen Vorhaben auf. Denn klar ist: „Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine reine Mädchen- oder Frauensportart“, betont die Abteilungsleiterin Haage-Zoyke. Männer oder Jungen sind hier gar nicht vorgesehen. Für sie gibt es in Deutschland quasi keine Angebote oder gar Wettkämpfe. Daher die anfängliche Skepsis.

Eleganz, Anmut, Beweglichkeit, Geschicklichkeit - die Rhythmische Sportgymnastik ist Multitasking in Perfektion. Die eleganteste aller Sportarten ist jedoch hauptsächlich den Mädchen vorbehalten.

Doch die jungen Mädchen integrieren mich schnell. Heißt: Man amüsiert sich über mich, zeigt mir aber gleichzeitig geduldig, wie der Hase hier läuft. Und der läuft sehr diszipliniert.

„Größere! Bitte Spagat. Hinten zufassen. Eigentlich können das alle probieren“, schallt es durch die Halle. Die Sportlerinnen in schwarzen Bodys biegen und dehnen sich wie junge Weiden. Brücke, Spagat, Drehungen – sogar beim Dehnen fühle ich mich wie eine alte, spröde Eiche.

Die Anforderungen an den Körper sind hoch in der RSG. Deshalb gibt es auch so gut wie keine Quereinsteigerinnen. Im Normalfall beginnen Mädchen ab dem Alter von vier bis fünf Jahren, wenn das Bindegewebe all die Extrempositionen noch erlernen kann. Beim TuG werden aber auch schon Dreijährige bei den Gymnastikmäusen an die Sportart herangeführt.

Wir stellen uns in eine Zweierreihe vor dem großen Wandspiegel auf und geben unser Bestes. Ich steche klar heraus. Ein ungelenker, „alter“ Mann. Wie lustig. „Nein, mit dem linken Fuß beginnen“, ruft es von rechts.

Während meine Mitstreiterinnen wie selbstverständlich hintenüber in die Brücke gehen, krabbel ich auf dem Rücken und drücke ächzend meinen Buckel durch. Die Schweißflecken werden größer.

Ich nehme meinen rechten Fuß in die Hand, versuche das Knie durchzustrecken und verteidige mich scherzhaft: „Meine Arme sind zu kurz. Sonst könnte ich das auch.“ Die Replik der zehnjährigen Nastja kommt mit leicht vorwurfsvollem Blick: „Nein, kannst du nicht.“ Sie schon.

Im Anschluss zeigt Nastja zu den treibenden Beats von Jennifer Lopez’ „Let’s Get Loud“, welche Dynamik und Ästhetik diese Sportart transportiert. Selbstbewusste Schrittfolgen, elegante, fließende Handbewegungen und eine Körperhaltung, die ihresgleichen sucht.

„Kinder lernen hier neben den offensichtlichen Dingen wie Körperbeherrschung und Balance viel über sich selbst“, erklärt Jeannette Haage-Zoyke. Denn Rhythmische Sportgymnastik setzt einiges an Disziplin, Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen voraus.

Wer am Ende eine Wettkampf-Choreografie fehlerfrei präsentieren will, der muss vier Komponenten gleichzeitig verbinden: die Körperbeherrschung für die Bewegungsabläufe, dazu noch Bänder, Keulen, Reifen, Seil oder Ball, alles perfekt getimed zur Musik – und mit dem richtigen Ausdruck. Beeindruckend.

Aber auch fordernd: Die Schülerinnen hier kommen alle aus der 5. Grundschule auf dem Sportcampus. Dreimal wöchentlich Training heißt es für die Erstklässlerinnen, das steigert sich bis zur vierten Klasse auf fünfmal die Woche.

Infos & Kontakt:

Turn- und Gymnastikclub Leipzig e.V.
Leplaystraße 13
04103 Leipzig 

Telefon: 0341 211080

Email: info@tug-leipzig.de

www.tug-leipzig.de

Ansprechpartner: Jeannette Haage-Zoyke, Abteilungsleiterin Rhythmische Sportgymnastik

Vereine in Leipzig

TSV Leipzig 76
Stuttgarter Allee 9, 04209 Leipzig
Abteilungen: Aerobic, Rhythmische Sportgymnastik
www.tsvleipzig76.de

HSG DHfK Leipzig
Jahnallee 59, 04109 Leipzig
Abteilungen: Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik
www.rsg-le.de 

Zwar gibt es niedrigschwelligere RSG-Angebote, etwa beim TSV Leipzig oder der HSG DHfK. Aber ohne die nötige Trainingsintensität entstehen auch keine Automatismen, bleiben Choreografien auf niedrigem Niveau.

Die eleganteste aller Sportarten

Neben diesem Anspruch hat die Rhythmische Sportgymnastik noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Es ist schwer, heutzutage Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt Haage-Zoyke.

Vor allem im Vergleich zu Fußball und anderen (männlich dominierten) Mannschaftssportarten bleibt die so traditionsreiche Sparte oft auf der Strecke. Auch im Nachwuchs fehlen die Kinder.

Viele Gymnastinnen kommen heute aus dem russischsprachigen Kulturraum. Denn: „Wo ich herkomme, ist die Rhythmische Sportgymnastik eine Art Volkssport“, sagt Margaryta Stolbin, TuG-Cheftrainerin aus der Ukraine. Hoch angesehen sei die RSG dort, als die eleganteste aller Sportarten – das artistische Spiel mit den Handgeräten gekoppelt mit tänzerischer Anmut. Oder wie Margaryta Stolbin die Motivation vieler Gymnastinnen umschreibt: „Hier bin ich eine Prinzessin – für mich selber.“

Zum ersten Mal stoße ich hier deutlich an meine Grenzen. Schon bei den einfachsten Aufwärmübungen wollen sich einfach keine Erfolgserlebnisse einstellen.

Ich hatte meinen Spaß – überlasse das Feld aber voller Respekt den jüngeren Talenten.

Von Thomas Bothe

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